Chinas Premier Li Qiang fordert stärkere Konjunkturstützung angesichts Wachstumsschwäche
Chinas Regierungschef signalisiert aktivere Wirtschaftspolitik, während das Wachstum im zweiten Quartal auf 4,5 Prozent zu sinken droht.

Chinas Premierminister Li Qiang hat in einem Treffen mit Experten und Unternehmern einen deutlich aktiveren wirtschaftspolitischen Kurs gefordert. Angesichts nachlassender Konjunkturmomentums betonte er die Notwendigkeit einer „umfassenden und objektiven" Betrachtung der aktuellen Wirtschaftslage – und erkannte dabei sowohl die bisherigen Erfolge als auch die anhaltenden Herausforderungen an, die die Wachstumsziele gefährden könnten.
Der Zeitpunkt der Aussagen ist kein Zufall: In der kommenden Woche veröffentlicht China seine BIP-Daten für das zweite Quartal. Analysten, die von Reuters befragt wurden, erwarten eine Verlangsamung des Wachstums auf 4,5 Prozent – nach 5,0 Prozent im ersten Quartal. Damit würde sich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt am unteren Ende des offiziellen Jahresziels von 4,5 bis 5,0 Prozent bewegen, was den Druck auf die Regierung in Peking erhöht.
Gegenzyklische Maßnahmen im Fokus
Laut dem staatlichen Sender CCTV unterstrich Li Qiang, dass die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr entscheidend für das Erreichen der Jahresziele sei. Er forderte explizit eine stärkere „gegenzyklische Anpassung" – ein Begriff, der auf eine mögliche Ausweitung fiskalpolitischer oder geldpolitischer Unterstützung hindeutet. Gleichzeitig rief er Beamte dazu auf, bestehende Politikrahmen vollständig auszuschöpfen und zusätzliche Maßnahmen vorausschauend vorzubereiten.
Trotz des Drucks zur Konjunkturstimulierung betonte Li einen ausgewogenen Ansatz, der auf nachhaltigem Wachstum statt auf rücksichtsloser Expansion beruht. Besonders hervorgehoben wurden die Stabilisierung des Arbeitsmarktes und die Stärkung der Binnennachfrage – zwei zentrale Säulen der chinesischen Strategie, um externe Volatilität und interne Strukturprobleme abzufedern.
Für die Finanzmärkte sind Lis Aussagen ein wichtiges Vorspiel zum mit Spannung erwarteten Politbüro-Treffen Ende Juli. Investoren weltweit beobachten dieses Treffen genau, da dort konkrete Signale zu möglichen neuen Konjunkturpaketen erwartet werden, die den wirtschaftspolitischen Kurs für den Rest des Jahres bestimmen könnten.
Märkte bleiben vorsichtig
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Zur AktienanalyseDie Marktstimmung bleibt dennoch verhalten. Viele Analysten gehen davon aus, dass die Regierung zwar grundsätzlich handlungsbereit ist, aggressive Stimulusmaßnahmen jedoch unwahrscheinlich sind – es sei denn, die Wachstumszahlen verschlechtern sich deutlich stärker als derzeit prognostiziert. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Peking die heikle Balance zwischen Wachstumsförderung und langfristigen Strukturreformen halten kann.
Lis Betonung, „die Probleme klar zu sehen", signalisiert einen pragmatischen Kurswechsel im Ton der Regierung. Indem er die Vorbereitung zusätzlicher Maßnahmen ankündigte, hat der Premier die Märkte faktisch in Alarmbereitschaft versetzt: Die Regierung beobachtet die Lage genau und ist bereit einzugreifen, sollte der Konjunkturmotor weiter ins Stocken geraten. Die bevorstehende Veröffentlichung der Quartalsdaten und das Politbüro-Treffen werden damit zu den wichtigsten Treibern der Markterwartungen rund um Chinas wirtschaftliche Gesundheit.


