Chinas Industrie schrumpft im Juli überraschend – PMI unter 50
Einbrechende Inlandsaufträge und Taifune drücken Chinas Einkaufsmanagerindex erstmals seit Februar unter die Expansionsschwelle.

Chinas Industrietätigkeit ist im Juli unerwartet geschrumpft. Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe fiel von 50,3 im Juni auf 49,2 Punkte – und verfehlte damit die mittlere Ökonomenprognose von 50,0 deutlich. Es ist das erste Mal seit Februar, dass der Index unter die entscheidende 50-Punkte-Marke rutschte, die Expansion von Kontraktion trennt.
Verantwortlich für den Rückgang sind vor allem einbrechende Inlandsaufträge sowie Produktionsstörungen durch eine Serie von Taifunen. Der Teilindex für Auftragseingänge sank auf 48,5 Punkte – den niedrigsten Stand seit 38 Monaten. Damit beendete der Gesamtindex eine viermonatige Phase bei oder über 50 Punkten, die maßgeblich durch Exporteure gestützt worden war, die ihre Lieferungen vor den US-Zollerhöhungen vorgezogen hatten.
„Die heimische Schwäche scheint weitgehend verantwortlich zu sein – während der Index für Exportaufträge leicht nachgab", erklärte Julian Evans-Pritchard, Leiter der China-Ökonomie bei Capital Economics. Er erwartet, dass Lokalregierungen die Zusagen Pekings zur politischen Unterstützung umsetzen werden, um die Binnennachfrage zu stützen.
Schwäche weit über das verarbeitende Gewerbe hinaus
Die Abschwächung beschränkt sich nicht auf die Industrie. Der PMI für das Baugewerbe brach auf ein Rekordtief von 47,0 ein, der Dienstleistungsindikator fiel auf den schwächsten Stand seit den ersten Covid-19-Lockdowns, und der zusammengesetzte PMI sank auf 49,3 – den niedrigsten Wert seit dem Ende der Pandemie im Jahr 2022. Ein Sprecher des Nationalen Statistikamtes führte einen Teil der Schwäche auf die jüngsten Taifune zurück, die viele Bauprojekte zum Erliegen brachten.
Trotz der schlechten Zahlen blieben die Unternehmenserwartungen für die künftige Produktion in allen offiziellen PMIs stabil. Evans-Pritchard kommentierte: „Die Unternehmen glauben, dass sich die jüngste Verschlechterung der Aktivität als kurzlebig erweisen wird, vielleicht weil sie für den Rest des Jahres mit stärkerem Rückenwind durch die Fiskalpolitik rechnen."
Exportmotor zeigt Anzeichen von Belastung
Die Exporte waren in diesem Jahr einer der wenigen verlässlichen Wachstumsmotoren der chinesischen Wirtschaft – doch auch dieser gerät nun unter Druck. Laut einer Umfrage von China Beige Book fielen die Lieferungen in die USA im Juli erstmals seit mehreren Monaten absolut. Das steht in scharfem Kontrast zum Juni, als die Lieferungen in die USA um 14 Prozent stiegen und die Gesamtexporte um 27 Prozent anzogen – das schnellste Tempo seit fast fünf Jahren. Damals hatten Unternehmen Aufträge vorgezogen, um drohenden US-Zöllen zuvorzukommen.
Auch der Einzelhandel schwächelte: Die Einzelhandelsumsätze fielen im Juli sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorjahr, wobei der Reise- und Gastronomiesektor einen besonders starken Rückgang im Jahresvergleich verzeichnete.
Druck auf Peking wächst
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Zur AktienanalyseDie enttäuschenden PMI-Daten erhöhen den Druck auf die chinesische Führung, die Binnennachfrage gezielt anzukurbeln. Chinas Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal lediglich um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das langsamste Tempo seit mehr als drei Jahren und unterhalb des unteren Endes des Ganzjahresziels von 4,5 bis 5 Prozent.
Die Veröffentlichung erfolgte einen Tag nachdem führende Politiker bei ihrem Treffen zur Jahresmitte „Schwierigkeiten und Herausforderungen für die Wirtschaft" eingeräumt und versprochen hatten, die Staatsausgaben zu beschleunigen sowie „inkrementelle Maßnahmen" zur Stützung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte einzuführen. Konkrete politische Schritte enthielt der Bericht des Politbüros jedoch nicht.
Analysten der Eurasia Group warnen, dass Sektoren der „New Economy" wie Künstliche Intelligenz die Verlangsamung in traditionellen Industrien nicht ausgleichen können. „Die Beamten priorisieren weiterhin die Risikoeindämmung gegenüber kurzfristigem Wachstum", so die Eurasia Group. Immobilien, Schulden der Lokalregierungen und kleinere Finanzinstitute würden eher als strukturelle Risiken betrachtet, die langfristig zu managen seien – nicht als Probleme, die schnell gelöst werden müssen. Die enttäuschenden Daten dürften die Erwartungen an geldpolitische Lockerungen in den kommenden Monaten weiter verstärken.


