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Chinas Handelsüberschuss: Der eine riesige globale Überschuss

Experten warnen: Chinas Exportüberschuss wächst ungebremst weiter – und bedroht vor allem Europas Industrie.

Chinas Handelsüberschuss: Der eine riesige globale Überschuss

Die globalen Handelsungleichgewichte stehen erneut im Mittelpunkt der Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank in Washington D.C. Handelsexperten zeigen sich besorgt: Entgegen früherer Prognosen haben sich die Ungleichgewichte nicht verringert – sie haben sich verschärft. Besonders Chinas enormer Exportüberschuss steht im Fokus.

Noch Mitte 2024 veröffentlichte der IWF einen Bericht mit dem Titel „Imbalances Receding" – also „Rückläufige Ungleichgewichte". Doch diese Einschätzung hat sich als falsch erwiesen. Brad Setser, Senior Fellow beim Council on Foreign Relations (CFR), brachte es im FT-Podcast „Economics Show" auf den Punkt: „Nach der Pandemie prognostizierte der IWF, dass sich die Welt normalisieren würde und Ungleichgewichte mehr oder weniger kein Problem darstellten. In den letzten zwei Jahren wurde überdeutlich, dass diese Prognose falsch war."

Chinas Überschuss wächst um Hunderte Milliarden

Die Zahlen sind beeindruckend: Chinas Handelsüberschuss wuchs laut Setser im Jahr 2024 um rund 300 Milliarden US-Dollar und soll 2025 um weitere 300 Milliarden zulegen. Dabei sind Chinas Importe in den letzten fünf Jahren weitgehend stabil geblieben, während das Exportvolumen stark gestiegen ist. Hinzu kommt, dass diese Zahlen das wahre Ausmaß des Anstiegs sogar noch unterschätzen – denn der intensive interne Wettbewerb in China drückt die Exportpreise. Die Exportpreise sinken also, während der Dollarwert der exportierten Waren dennoch steigt.

Ökonomen sprechen bereits vom sogenannten „China-Schock 2.0". Anders als beim ersten China-Schock in den 2000er Jahren handelt es sich diesmal nicht um minderwertige Massenware, und nicht primär die USA tragen die Hauptlast. Stattdessen sind Industrien betroffen, die vor allem in Europa konzentriert sind: Automobile, Chemikalien und möglicherweise sogar die Luftfahrtbranche. Die Financial Times widmet diesem Phänomen derzeit eine eigene Artikelserie.

Kann ein Ölpreisschock die Lage entschärfen?

Westliche Entscheidungsträger, die eine direkte Konfrontation mit China scheuen, könnten auf einen unerwarteten Ausgleich hoffen: einen Energiepreisschock. Da China ein Netto-Energieimporteur ist, würden steigende Ölpreise theoretisch die chinesischen Handelsüberschüsse verringern. Setser bestätigt diesen Effekt – relativiert ihn aber deutlich: „Es bedarf einer schockierend großen Preisänderung, damit sich der globale Überschuss nicht mehr in Asien konzentriert, schlichtweg weil der asiatische Überschuss derzeit so groß und dominant ist."

Setsers Schlussfolgerung ist ernüchternd: „Es gibt gewissermaßen nur einen wirklich großen Überschuss in der Weltwirtschaft." Chinas Dominanz im globalen Handel ist schlicht zu groß, als dass selbst erhebliche externe Schocks sie nennenswert korrigieren könnten. Selbst wenn nominale Handelszahlen durch steigende Chip- oder Ölpreise – die China in großen Mengen importiert – vorübergehend günstiger aussehen, ändert das nichts am strukturellen Problem.

Setser betont: „Die Verlagerung der realen Produktion, die Konzentration der realen Produktion in China, setzt sich fort. Das zugrunde liegende Ungleichgewicht verschlechtert sich weiter. Es manifestiert sich lediglich möglicherweise nicht in den nominalen Dollar-Zahlen." Für europäische Industrienationen ist das eine beunruhigende Botschaft – denn der Druck auf heimische Produktionsstandorte bleibt bestehen, auch wenn die Statistiken ihn zeitweise verschleiern.

Offen bleibt die Frage, welche Gegenmaßnahmen Europa ergreifen kann, um seine industrielle Basis zu schützen. Ebenso diskutieren Experten, ob und wie die USA ihre Pharma- und Technologiekonzerne in die Pflicht nehmen könnten, um das eigene Handelsdefizit zu reduzieren. Antworten auf diese Fragen liefert das vollständige Interview mit Brad Setser im FT-Podcast „Economics Show".

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