Chinas Exportwachstum kühlt sich im Juli leicht ab
Reuters-Umfrage erwartet 22,2 Prozent Exportwachstum – KI-Boom und vorgezogene Lieferungen stützen Chinas Außenhandel weiterhin.

Chinas Exportwachstum hat im Juli nach dem starken Anstieg im Juni wahrscheinlich etwas an Fahrt verloren, bleibt aber auf einem robusten Niveau. Das zeigt eine Reuters-Umfrage unter 35 Ökonomen. Demnach wird für Juli ein Exportwachstum von 22,2 Prozent im Jahresvergleich erwartet – nach einem Anstieg von 27 Prozent im Vormonat. Die offiziellen Handelsdaten der chinesischen Zollbehörde sollen am Freitag veröffentlicht werden.
Die Zahlen liefern einen ersten Einblick in den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zu Beginn der zweiten Jahreshälfte. Das Wirtschaftswachstum hatte im zweiten Quartal bereits an Dynamik verloren. Auch bei den Importen wird eine Verlangsamung erwartet: Analysten prognostizieren einen Anstieg von 27,9 Prozent, nach einem Zuwachs von 36 Prozent im Vormonat.
Treiber: KI-Boom und vorgezogene Lieferungen
Ein wesentlicher Wachstumstreiber für Chinas Exporte ist in diesem Jahr der weltweite Boom bei künstlicher Intelligenz. Die starke globale Nachfrage nach KI-bezogenen Gütern hat chinesischen Exporteuren kräftigen Rückenwind verschafft und geholfen, die Wirtschaft trotz anhaltender inländischer Schwäche auf Kurs zu halten.
Zusätzlich haben vorgezogene Lieferungen chinesischer und US-amerikanischer Unternehmen die Exportzahlen gestützt. Hintergrund sind die erwarteten Zollerhöhungen der US-Regierung: Am 24. Juli verhängten die USA einen neuen Zoll von 12,5 Prozent auf chinesische Importe, nachdem eine vorübergehende Abgabe von 10 Prozent ausgelaufen war. Diese Maßnahme ist Teil einer umfassenderen globalen Zollkampagne Washingtons gegen Handelspartner, denen die USA vorwerfen, Zwangsarbeit nicht ausreichend eingedämmt zu haben. Eine separate US-Untersuchung zu Überkapazitäten bei Handelspartnern dürfte zu weiteren Zöllen führen.
Handelsüberschuss bleibt auf hohem Niveau
Der chinesische Handelsüberschuss wird für Juli auf 107 Milliarden US-Dollar geschätzt, nach 125,62 Milliarden US-Dollar im Vormonat. Im vergangenen Jahr überstieg der Handelsüberschuss des Landes insgesamt die Marke von einer Billion US-Dollar – ein Wert, der bei westlichen Handelspartnern erhebliche Besorgnis ausgelöst und die Spannungen über globale Handelsungleichgewichte weiter verschärft hat.
Jede Eskalation dieser Handelsstreitigkeiten birgt das Risiko neuer Zölle, Barrieren oder anderer Beschränkungen, die Chinas exportgetriebenes Wachstumsmodell unter Druck setzen könnten. Analysten weisen zudem darauf hin, dass Extremwetterereignisse wie Taifune im Juli wahrscheinlich den Hafendurchsatz und den Versand beeinträchtigt haben – mit bremsender Wirkung sowohl auf Exporte als auch auf Importe.
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Zur AktienanalyseInländische Schwäche und politische Signale
Das Bild im Inland ist weniger erfreulich. Ende Juli veröffentlichte offizielle Daten zeigten, dass sowohl die Fabrikaktivität als auch die Dienstleistungs- und Bautätigkeit in China im Juli aufgrund sinkender Nachfrage schrumpften. Separate private Umfragen deuteten ebenfalls auf ein langsameres Wachstum in der Gesamtwirtschaft hin.
Das Politbüro, Chinas oberstes Entscheidungsgremium, signalisierte bei einem Treffen Ende Juli eine stärkere Unterstützung für die Wirtschaft. Es versprach eine Beschleunigung der Staatsausgaben sowie rechtzeitige Anpassungen der geldpolitischen Instrumente. Konsumorientierte Konjunkturmaßnahmen oder umfassendere strukturelle Reformen – von Handelspartnern und Ökonomen seit Langem gefordert – wurden jedoch nicht angekündigt.


