Chinas Exporte im Mai: Starkes Wachstum dank Chip-Nachfrage
Laut Reuters-Umfrage stiegen Chinas Exporte im Mai um 15% – angetrieben durch vorgezogene Bestellungen und globale Halbleiternachfrage.

Chinas Exportwachstum hat sich im Mai voraussichtlich weiter beschleunigt. Laut einer Reuters-Umfrage unter 32 Ökonomen stiegen die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf Dollarbasis im Jahresvergleich um 15% – nach einem Wachstum von 14,1% im April. Als Haupttreiber gelten vorgezogene Bestellungen aus dem Ausland sowie die anhaltend starke weltweite Nachfrage nach Halbleitern und KI-bezogenen Komponenten.
Hintergrund der vorgezogenen Bestellungen ist der mit dem Nahostkonflikt verbundene Energiepreisdruck. Ausländische Käufer sicherten sich Lieferungen frühzeitig, um potenziellen Preiserhöhungen zuvorzukommen. Lagerverwalter beschrieben das Geschäft im April als „boomend". Allerdings deuten separate Daten zur Fabrikaktivität für Mai auf einen deutlichen Rückgang der neuen Exportaufträge im Vergleich zum Vormonat hin – nachdem diese im April noch ein Zweijahreshoch erreicht hatten.
Prognosen der Ökonomen weit auseinander
Die Einschätzungen der befragten Experten variieren erheblich. China Industrial Securities, Huachuang Securities und Zheshang Securities lieferten mit einem prognostizierten Wachstum von rund 10% die niedrigsten Schätzungen. Die Economist Intelligence Unit und JP Morgan erwarteten einen Rückgang des Exportwachstums auf etwa 12%. Die höchste Prognose stammt von ING, die einen Sprung von 19,5% vorhersagt.
Ökonomen warnen, dass die positiven Effekte vorgezogener Bestellungen nachlassen werden. Sobald die Bevorratung ausländischer Käufer ihren Höhepunkt erreicht, steigen die Inputkosten, was Käufer dazu veranlasst, Lagerbestände abzubauen und auf einen Waffenstillstand zu warten. Der Nahostkonflikt hat Chinas Exporte bisher noch nicht beeinträchtigt – laut Ökonomen ist dies jedoch nur eine Frage der Zeit.
Handelsbilanzüberschuss auf Rekordkurs
Chinas Handelsbilanzüberschuss wird für Mai auf 92,1 Milliarden US-Dollar prognostiziert – nach 84,8 Milliarden im April und 51,3 Milliarden im März. Ein Arbeitspapier der US-Notenbank Federal Reserve stellt fest, dass Chinas Handelsbilanzüberschuss gemessen am globalen BIP die Marke von 1% überschritten hat. Damit liegt er deutlich über den Höchstständen, die Japan und Deutschland Ende des 20. Jahrhunderts erreichten – und zeigt kaum Anzeichen einer Verringerung.
Die OECD bekräftigte zuletzt Sorgen über Chinas Exportmodell und stellte in einem Bericht fest, dass fast 60% der Marktanteilsgewinne chinesischer Unternehmen „durch erhaltene Subventionen erklärt werden können". Kritiker argumentieren, dass Peking sich zu stark auf den Import von Komponenten und den Re-Export von Fertigwaren verlässt, anstatt den inländischen Verbrauch zu fördern. Dieses Modell läuft Gefahr, andere Schwellenländer aus der höherwertigen Fertigung zu verdrängen.
Schwache Binnennachfrage bleibt Risikofaktor
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Zur AktienanalyseStarke Exporte halfen dabei, die 20-Billionen-Dollar-Wirtschaft im ersten Quartal über die Erwartungen hinaus anzutreiben. Seitdem hat sich die Dynamik jedoch abgekühlt. Dies verstärkt die Sorgen der Ökonomen, dass eine schwache Binnennachfrage China anfällig macht, falls sich die externen Bedingungen abschwächen – und erhöht die Aussicht auf weitere politische Unterstützungsmaßnahmen.
Chinesische Beamte sehen sich zunehmend internationalem Druck ausgesetzt, den Binnenkonsum anzukurbeln. Ein viel beachtetes Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Präsident Xi Jinping im vergangenen Monat half zwar, die Spannungen abzubauen, führte jedoch zu keinen nennenswerten Durchbrüchen – weder bei den Zollstreitigkeiten noch bei der Zusammenarbeit zur Beendigung des Iran-Konflikts.
Als wichtiger Gradmesser für die chinesische Nachfrage gelten die südkoreanischen Exporte: Diese stiegen im Juni um 80,9%, angetrieben durch Halbleiter und Technologiekomponenten, die in der chinesischen Fertigungslieferkette verwendet werden. Für die chinesischen Importe wird ein Anstieg um 25% prognostiziert – in etwa das gleiche Tempo wie im April mit 25,3%.


