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Chinas Elektromobilität treibt Europas Chiphersteller an

Wachstum und Risiken: Abhängigkeit von China stellt die Branche vor Herausforderungen

Chinas Elektromobilität treibt Europas Chiphersteller an

Europäische Chiphersteller profitieren derzeit stark vom Boom der Elektromobilität in China. Besonders für Infineon ist der chinesische Markt von zentraler Bedeutung, da das Unternehmen dort 27 Prozent seines Umsatzes erzielt, doppelt so viel wie in Nord- und Südamerika zusammen. Vorstandschef Jochen Hanebeck bezeichnet China als den weltweit führenden Markt für Elektromobilität und erneuerbare Energien. Infineons Marktanteil im chinesischen Autogeschäft liegt höher als in Europa, was den Rückgang bei der Nachfrage nach Elektroautos in westlichen Märkten kompensiert.

Auch andere europäische Chipkonzerne wie NXP und STMicroelectronics verzeichnen eine zunehmende Bedeutung des chinesischen Marktes. ST baut derzeit in Kooperation mit einem lokalen Partner eine Fabrik in China, um Stromsparchips aus Siliziumkarbid (SiC) herzustellen. Diese innovativen Halbleiter ermöglichen größere Reichweiten für Elektroautos und sind ein Schlüssel für die wachsende Nachfrage. Laut ST-Chef Jean-Marc Chery erfolgt die Entwicklung neuer Fahrzeuge in China in nur 18 Monaten, was die gesamte Wertschöpfungskette in das Land verlagern lässt.

Der Markt für Autochips wird von Analysten als einer der zentralen Wachstumstreiber gesehen. Während in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor Chips im Wert von 750 Dollar verbaut werden, liegt dieser Wert bei Elektroautos derzeit bei 1300 Dollar und könnte bis 2030 auf 2000 Dollar steigen. Infineon hat im letzten Geschäftsjahr 16 Prozent seines Umsatzes mit Elektromobilität erzielt, ein Plus von zwei Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt stammen 56 Prozent der Erlöse aus dem Automobilgeschäft, was den strategischen Fokus des Unternehmens unterstreicht.

Dennoch birgt die zunehmende Abhängigkeit vom chinesischen Markt Risiken. Die USA und China verhängen immer weitreichendere Sanktionen im Chipsektor, was bereits US-Konzerne wie Nvidia und AMD betrifft. Europäische Hersteller sind davon weniger betroffen, sehen sich aber einem wachsenden Konkurrenzdruck durch chinesische Unternehmen ausgesetzt. Diese investieren massiv in die eigene Halbleiterproduktion, um unabhängig von westlichen Lieferungen zu werden. Gleichzeitig zeigen chinesische Autobauer Interesse daran, eigene Chips zu entwickeln, was die Wettbewerbslandschaft langfristig verändern könnte.

Für NXP, das 35 Prozent seines Umsatzes in China erwirtschaftet, stellt sich die Frage, ob ein Rückzug aus dem Land notwendig werden könnte. Der niederländische Konzern weist darauf hin, dass ein Teil der chinesischen Produktion für den Export bestimmt ist und sich theoretisch in andere asiatische Länder verlagern ließe. Trotz dieser möglichen Szenarien bleibt der chinesische Markt für europäische Chiphersteller eine zentrale Wachstumsquelle, auch wenn langfristige Unsicherheiten bestehen.

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