Chinas Eisenerzimporte fallen bis 2030 auf 50 Prozent
Eine Denkfabrik der staatlichen China Mineral Resources Group prognostiziert einen drastischen Rückgang der chinesischen Importabhängigkeit bei Eisenerz.

Chinas Abhängigkeit von Eisenerzimporten wird bis 2030 deutlich sinken. Statt der aktuellen rund 80 Prozent werden Importe dann nur noch etwa 50 Prozent des gesamten chinesischen Eisenerzverbrauchs ausmachen. Das prognostizierte Yilin Wang, General Manager der Abteilung für Marktforschung und externe Kooperation am Institut der China Mineral Resources Group (CMRG), auf einer Branchenkonferenz in Singapur.
Die CMRG ist eine staatlich unterstützte chinesische Organisation, deren Denkfabrik regelmäßig Marktanalysen für den Rohstoffsektor erstellt. Die Prognose von Wang gibt damit einen seltenen Einblick in die strategische Planung Chinas für seinen Rohstoffbedarf – mit weitreichenden Konsequenzen für den globalen Eisenerzmarkt.
Mehr Eigenproduktion und Stahlschrott als Treiber
Der Rückgang der Importabhängigkeit soll laut Wang aus zwei wesentlichen Faktoren resultieren: einem erhöhten inländischen Angebot und einer stärkeren Nutzung von Stahlschrott. Chinas Kapazität für Eisenerzkonzentrat wird bis 2030 voraussichtlich rund 350 Millionen Tonnen erreichen. Gleichzeitig soll die Eigenproduktion von Eisenerz (sogenanntes Equity Iron Ore) auf 216 Millionen Tonnen steigen.
Auch das Aufkommen an Stahlschrott im Land spielt eine entscheidende Rolle: Bis 2030 soll es auf 310 Millionen Tonnen anwachsen. Stahlschrott gilt als wichtige Alternative zu Eisenerz bei der Stahlherstellung und reduziert den Bedarf an primären Rohstoffen erheblich. Für die globalen Eisenerzproduzenten – darunter Bergbauriesen wie BHP, Rio Tinto und Vale – bedeutet diese Entwicklung einen strukturellen Gegenwind.
Chinas Stahlproduktion auf dem Rückzug
Parallel zur sinkenden Importabhängigkeit prognostiziert Wang auch einen Rückgang der chinesischen Rohstahlproduktion. Bis 2030 soll diese auf rund 900 Millionen Tonnen fallen. Chinas Anteil an der weltweiten Stahlproduktion wird demnach von 52 Prozent im Jahr 2025 auf 46 Prozent im Jahr 2030 sinken – ein Rückgang, der laut Wang auf einen geringeren inländischen Verbrauch zurückzuführen ist.
Für den globalen Kontext: Wang erwartet, dass die weltweite Rohstahlproduktion bis 2030 insgesamt 1,93 Milliarden Tonnen erreichen wird. Der weltweite Eisenerzverbrauch soll im gleichen Zeitraum auf rund 2,06 Milliarden Tonnen sinken. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Rückgang nicht nur ein chinesisches Phänomen ist, sondern den gesamten globalen Rohstoffmarkt betrifft.
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Zur AktienanalyseBedeutung für den globalen Rohstoffmarkt
China ist mit Abstand der weltgrößte Verbraucher von Eisenerz und Stahl. Jede strukturelle Verschiebung in der chinesischen Nachfrage hat unmittelbare Auswirkungen auf die Preise an den internationalen Rohstoffmärkten. Ein Rückgang der Importquote von 80 auf 50 Prozent würde die Nachfrage nach australischem und brasilianischem Eisenerz – den beiden wichtigsten Lieferanten Chinas – erheblich belasten.
Für deutsche Anleger, die in Rohstoffaktien oder entsprechende ETFs investiert sind, ist diese Prognose ein wichtiges Signal. Unternehmen, die stark vom chinesischen Eisenerzmarkt abhängig sind, könnten mittelfristig unter Druck geraten. Gleichzeitig eröffnet der wachsende Stahlschrottmarkt neue Chancen für Recyclingunternehmen und Anbieter von Elektrolichtbogenöfen-Technologie.


