Chinas Dominanz bei Seltenen Erden bleibt nach Trump-Xi-Gipfel bestehen
Trotz des Gipfeltreffens zwischen Trump und Xi in Peking bleibt Chinas Quasi-Monopol bei Seltenen Erden laut BMI unangetastet.

Chinas Dominanz über die weltweite Versorgung mit Seltenen Erden wird trotz des jüngsten Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping „fest bestehen bleiben". Das prognostiziert BMI, eine Analyseeinheit der Fitch Group. China kontrolliert rund 60 % der weltweiten Minenproduktion Seltener Erden sowie nahezu die gesamte globale Verarbeitungskapazität dieser strategisch wichtigen Mineralien.
Trump besuchte Peking am 14. und 15. Mai – seinen ersten China-Besuch seit fast einem Jahrzehnt. Im Mittelpunkt der Gespräche standen globale Sicherheits- und Handelsfragen, wobei die Versorgung mit Seltenen Erden zu den am meisten beobachteten Themen zählte. Obwohl Trump die Reise als „Erfolg" bezeichnete, wurden keine formellen Vereinbarungen oder Verlängerungen des Handelsfriedens bekannt gegeben.
Das Weiße Haus teilte lediglich mit, dass Peking sich verpflichtet habe, „die Bedenken der USA hinsichtlich Versorgungsengpässen bei Seltenen Erden auszuräumen" – ohne jedoch konkrete Details zu nennen. Marktteilnehmer hatten im Vorfeld des Gipfels genau beobachtet, ob eine einjährige Aussetzung chinesischer Exportbeschränkungen verlängert oder gar ein formelles Abkommen geschlossen werden würde.
Chinas Exportbeschränkungen zeigen Wirkung
Im vergangenen Jahr hatte China seine Quasi-Monopolstellung genutzt, um US-Zölle zu bekämpfen. In zwei aufeinanderfolgenden Wellen verhängte Peking Exportbeschränkungen: Zunächst wurden sieben Seltenerdelemente, verwandte Verbindungen und Magnete erfasst, bevor die Maßnahmen auf fünf weitere Elemente ausgeweitet wurden. Zusätzlich wurden Lizenzanforderungen auf Produkte ausgedehnt, die mit chinesischen Materialien oder Technologien hergestellt werden.
Peking stimmte später zu, die zuletzt genannten Maßnahmen bis Ende Oktober für ein Jahr auszusetzen. Die umfassenderen Exportkontrollen sollen jedoch im November 2026 wieder aufgenommen werden – eine Unsicherheit, die laut BMI anhalten wird.
Die Folgen der Beschränkungen sind bereits deutlich messbar. Die Gesamtlieferungen von exportbeschränkten Seltenen Erden blieben weit unter dem historischen Niveau: Die Exporte von Yttrium erreichten nur 42 %, Dysprosium 41 % und Terbium 49 % der Volumina, die in den zwölf Monaten vor den Beschränkungen verzeichnet wurden.
Besonders dramatisch ist die Lage bei Yttrium: Der Preis des Minerals ist seit den chinesischen Exportkontrollen um das 15-Fache gestiegen. Yttrium wird als Wärmedämmschicht auf Turbinenschaufeln sowie als Schutzschicht und Isolator in Halbleiteranwendungen eingesetzt. Die geringeren Liefermengen haben in der US-Luft- und Raumfahrt- sowie in der Halbleiterindustrie weitreichende Besorgnis ausgelöst.
USA investieren Milliarden in eigene Lieferketten
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAls Reaktion auf die strategische Abhängigkeit hat die US-Regierung ihre Bemühungen zum Aufbau einer resilienten Lieferkette von der Mine bis zum Magneten deutlich verstärkt. Zu den inländischen Initiativen zählt eine Investition von 400 Millionen US-Dollar in MP Materials (NYSE: MP), den einzigen aktiven Förderer Seltener Erden in den USA. Darüber hinaus wurde eine Finanzierung von 1,6 Milliarden US-Dollar für USA Rare Earth (NASDAQ: USAR) bereitgestellt, das eine große Lagerstätte in Texas erschließt und Verarbeitungskapazitäten aufbaut.
Auf internationaler Ebene koordiniert Washington laut BMI staatliche Bemühungen zur Sicherung zuverlässiger Versorgungsquellen in ausgewählten Projekten und Partnerschaften. Zu den Zielländern gehören Australien, Kanada, Grönland, Angola, Mosambik, Brasilien und Saudi-Arabien.
Trotz dieser Diversifizierungsbemühungen unterstreicht der US Geological Survey, dass ein Großteil der US-Mineralienimporte nach wie vor aus China stammt. Für deutsche und europäische Anleger, die in Unternehmen der Halbleiter-, Rüstungs- oder Elektromobilitätsbranche investiert sind, bleibt die chinesische Kontrolle über Seltene Erden damit ein zentrales geopolitisches Risiko.


