China stockt Rohölvorräte im Rekordtempo auf
Importüberschüsse geben Raffinerien Spielraum bei Preis- und Lagerstrategien

China hat im Juni den Aufbau seiner Rohölvorräte deutlich beschleunigt. Die Importe erreichten mit durchschnittlich 12,14 Millionen Barrel pro Tag den höchsten Stand seit August 2023. Gleichzeitig stieg die heimische Produktion leicht auf 4,43 Millionen Barrel pro Tag. Damit standen den chinesischen Raffinerien insgesamt 16,57 Millionen Barrel täglich zur Verfügung. Da laut offiziellen Angaben jedoch nur 15,15 Millionen Barrel pro Tag verarbeitet wurden, ergibt sich ein Überschuss von 1,42 Millionen Barrel – der vierte Monat in Folge mit einem Plus von mehr als einer Million Barrel pro Tag.
Dieser Überschuss bietet den Raffinerien Spielraum für strategische Entscheidungen in den kommenden Monaten. Sie könnten etwa ihre Importe drosseln, falls die Ölpreise nach dem jüngsten Konflikt zwischen Israel und Iran zu stark anziehen. Da China keine offiziellen Angaben zu den Zuflüssen in strategische oder kommerzielle Lagerstätten macht, lässt sich die Entwicklung nur indirekt abschätzen – etwa durch die Differenz zwischen verfügbaren Mengen und tatsächlicher Verarbeitung.
Im Vergleich zum Mai legte die Raffinerieproduktion um 8,8 Prozent zu und erreichte den höchsten Stand seit September 2023. Der Anstieg der Ölimporte fiel mit einem Plus von 7,1 Prozent gegenüber dem Vormonat ebenfalls deutlich aus. Insgesamt ergibt sich für das erste Halbjahr 2025 ein durchschnittlicher Überschuss von 1,06 Millionen Barrel pro Tag – ein Ergebnis der starken Importdynamik im zweiten Quartal nach einem verhaltenen Jahresauftakt.
Chinas Vorgehen entspricht einem bekannten Muster: In Phasen niedriger Ölpreise werden verstärkt Käufe getätigt, bei steigenden Preisen hingegen wird zurückhaltender agiert. Die im zweiten Quartal importierten Mengen wurden größtenteils in einem Zeitraum gesichert, als der Ölpreis stark gefallen war – etwa zwischen Anfang April und Anfang Mai. In dieser Phase sank der Brent-Preis von 75,47 auf 58,50 Dollar pro Barrel. Im ersten Quartal dagegen wurden weniger Importe verzeichnet, was mit dem damaligen Preisanstieg korreliert.
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Zur AktienanalyseSeit Juni sind die Preise erneut in Bewegung geraten. Der Brent-Preis erreichte am 23. Juni ein Sechsmonatshoch von 81,40 Dollar, fiel jedoch anschließend auf 68,71 Dollar. Marktbeobachter führen die Entwicklung unter anderem auf die Unsicherheit rund um neue Importzölle der US-Regierung zurück. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Preisanstieg im Juni als kurzfristiges Zwischenhoch erweist oder die Importe in den kommenden Monaten erneut gedrosselt werden.


