China plant erste Schwefel-Futures noch in diesem Jahr
Der Iran-Krieg treibt die Preisvolatilität auf Rekordniveaus – China will mit Terminkontrakte an der Dalian Commodity Exchange gegensteuern.

China treibt die Einführung seiner ersten Schwefel-Futures voran. Laut Insidern könnte die Warenbörse Dalian (Dalian Commodity Exchange, DCE) die neuen Terminkontrakte noch im vierten Quartal dieses Jahres einführen. Ziel ist es, Marktteilnehmern Absicherungsmöglichkeiten gegen Preisschwankungen zu bieten und Chinas Einfluss auf die globale Preisgestaltung bei diesem wichtigen Rohstoff zu stärken.
Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen bestätigten die Pläne gegenüber Medien, baten jedoch um Anonymität, da die Informationen nicht öffentlich sind. Der genaue Zeitplan sei noch nicht endgültig festgelegt, weitere behördliche Genehmigungen stünden noch aus. Weder die Dalian Commodity Exchange noch die chinesische Wertpapieraufsichtsbehörde CSRC reagierten auf Anfragen zur Stellungnahme.
Iran-Krieg als Beschleuniger
Die Pläne für Schwefel-Futures existieren bereits seit Längerem, doch der Iran-Krieg hat die Arbeiten daran deutlich beschleunigt. Laut einer der Quellen hat der Konflikt die Preisvolatilität verschärft und die dringende Notwendigkeit eines Absicherungsinstruments für die Branche verdeutlicht. Rund die Hälfte des weltweiten Seehandelsvolumens mit Schwefel wird durch die Straße von Hormus transportiert – eine der wichtigsten maritimen Engstellen der Welt.
Die Auswirkungen auf die Preise waren erheblich: Die Spotpreise für festen Schwefel in Ostchina erreichten Anfang des Monats ein Rekordhoch von 11.850 Yuan (umgerechnet rund 1.743 US-Dollar) pro Tonne. Bis Freitag sanken die Preise auf 9.043,50 Yuan pro Tonne, nachdem der Transport durch die Meerenge wieder aufgenommen wurde. Dennoch liegen die Preise damit noch immer um rund 292 Prozent höher als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres – ein außergewöhnlicher Anstieg, der die Bedeutung von Absicherungsinstrumenten unterstreicht.
China als weltgrößter Schwefelverbraucher
China ist der weltweit größte Verbraucher von Schwefel und deckt rund 50 Prozent seines jährlichen Bedarfs durch Importe. Aktuelle Zolldaten zeigen, dass sich die Importe in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als halbiert haben – ein deutliches Zeichen für die Verwerfungen auf dem globalen Markt.
Schwefel ist ein vielseitig eingesetzter Industrierohstoff. Er wird vor allem zur Herstellung von Düngemitteln benötigt und spielt damit eine zentrale Rolle in der globalen Landwirtschaft. Darüber hinaus kommt er im Kupferbergbau, in der Nickelraffination sowie in zahlreichen weiteren Industriezweigen zum Einsatz. Preisschwankungen bei Schwefel haben damit weitreichende Folgen für mehrere Schlüsselbranchen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAnalysten sehen strategischen Nutzen
Die Analysten des Brokers Huatai Futures bewerteten die Pläne in einer Notiz vom Freitag positiv. Die Terminkontrakte könnten Marktteilnehmern helfen, sich gegen das Risiko weiterer Preisschwankungen abzusichern. Zudem würden die Kontrakte der Branche ermöglichen, sichtbare kommerzielle Lagerbestände an der Börse aufzubauen, was die Widerstandsfähigkeit des Marktes stärke und Chinas Preissetzungsmacht im globalen Schwefelhandel verbessere.
Für deutsche Anleger und Unternehmen, die in der Düngemittel- oder Bergbaubranche tätig sind, ist die Entwicklung relevant: Ein liquider chinesischer Schwefel-Futures-Markt würde die globale Preisfindung für diesen Rohstoff maßgeblich beeinflussen und neue Referenzpreise setzen, an denen sich auch europäische Marktteilnehmer orientieren müssten.


