China gründet neue Investmentgesellschaft zur Kontrolle strategischer Mineralien
Peking stärkt mit der Guangyan International Investment Company seinen Einfluss auf globale Rohstoff-Lieferketten gegen westlichen Widerstand.

China baut sein Instrumentarium zur Kontrolle strategischer Mineralien weiter aus. Mit der Guangyan International Investment Company – auch unter dem englischen Namen Vast Rock International Investment bekannt – entsteht ein neues, von Peking unterstütztes Investmentvehikel für den Bergbausektor. Es soll Chinas Griff auf Rohstoffe im Ausland festigen, während die USA und Europa zunehmend versuchen, Chinas Dominanz in der Mineralien-Lieferkette zu brechen.
Das Unternehmen wird Teil einer umfassenderen Initiative unter der Leitung der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) sein, die in China die Wirtschaftsplanung überwacht. Dies geht aus Angaben von Personen hervor, die mit der Angelegenheit vertraut sind, jedoch aufgrund der Sensibilität der Gespräche anonym bleiben wollten. Guangyan soll Unterstützung bieten, die von direkten Eigenkapitalbeteiligungen bis hin zur Beratung in den Bereichen Compliance, Risikomanagement und Marktbedingungen reicht.
Jahrzehntelange Expansion in ausländische Rohstoffe
China ist seit den frühen 2000er-Jahren ein bedeutender Investor in ausländische Ressourcen. Chinesische Unternehmen traten dabei als aggressive Käufer und Entwickler von Bergbau-Assets auf – auch in Regionen, in denen westliche Bergbaugiganten vor Investitionen zurückschreckten, von Tadschikistan bis zur Demokratischen Republik Kongo. In einer Zeit, in der westliche Konkurrenten unter Aktionärsdruck standen, ihre Ausgaben zu kürzen, bauten chinesische Firmen die Kupfer- und Kobaltproduktion im Kongo aus, beteiligten sich an wichtigen Eisenerzprojekten und transformierten die Nickelindustrie in Indonesien.
Laut der Unternehmensberatung Bain & Co haben chinesische Unternehmen in den letzten zwei Jahrzehnten über 100 Milliarden US-Dollar für strategische grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen im Bergbausektor ausgegeben. Kupfer-, Eisenerz- und Goldvorkommen gehörten dabei zu den begehrtesten Objekten. Dieser Expansionskurs, kombiniert mit massiven Investitionen in die inländische Verarbeitung, verschaffte China eine beispiellose Kontrolle über globale Mineralien-Lieferketten.
Wachsender Druck von allen Seiten
Doch die Rahmenbedingungen haben sich verschlechtert. Mineralien sind zu einem zentralen Brennpunkt der globalen Geopolitik geworden. Lieferketten-Schocks und ein geschärftes Bewusstsein für Chinas Dominanz veranlassen andere Länder, mit eigenen Investitions- und Industriepolitiken zu reagieren. Die USA bemühen sich aktiv um Verbündete, um eine alternative Lieferkette zu China aufzubauen – darunter Partnerschaften mit dem Kongo, die US-Investoren bevorzugten Zugang zu Kupfer, Kobalt, Lithium und Tantal gewähren sollen. Auch die Europäische Union sowie Länder wie Japan versuchen aufzuholen.
Gleichzeitig fordern die Produzentenländer selbst mehr von Rohstoffunternehmen. Der Kongo führte im vergangenen Jahr Exportkontrollen für Kobalt ein. Guinea, der weltweit größte Bauxitproduzent, diskutiert Pläne zur Begrenzung von Lieferungen des für die Aluminiumoxidherstellung verwendeten Materials. Simbabwe wiederum hat Produzenten mitgeteilt, dass sie zusätzliche Investitionen in die Veredelung tätigen müssen, um ein Exportverbot für Lithiumkonzentrat zu vermeiden – woraufhin die chinesische Botschaft in Harare die Unternehmen zur verstärkten Risikovorsorge aufrief.
Standardisierung und Risikoteilung als neue Strategie
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseVor diesem Hintergrund verfolgt Peking mit Guangyan eine neue Strategie: China strebt eine Standardisierung seiner Prozesse für internationale Metallgeschäfte an, um die Aufsicht über die Vorgänge zu verbessern. Bergbauunternehmen werden zudem ermutigt, ihre Risiken durch die Einbindung weiterer Partner zu steuern, anstatt die vollständige Eigentümerschaft an Projekten zu übernehmen – insbesondere da die Kosten steigen und politische Herausforderungen komplexer werden.
Ein ähnliches Modell verfolgt bereits die China Mineral Resources Group (CMRG) im Eisenerzsektor, wo sie daran arbeitet, die Kontrolle des Landes über den Einkauf zu verschärfen und die Verhandlungsmacht des Stahlsektors zu stärken. Die Zusammenarbeit mit Guangyan ist jedoch nicht verpflichtend. Wie bei der CMRG könnten größere Unternehmen dem Versuch widerstehen, Informationen zu teilen und Risikobewertungen zu delegieren. Dennoch werden einige inländische Unternehmen ermutigt, ihre Pläne zu kommunizieren, damit diese bewertet werden können.
Guangyan scheint dabei nicht in den obersten Rängen der politischen Hierarchie Chinas angesiedelt zu sein, passt jedoch in Pekings übergeordnete Bestrebungen, die Kontrolle über strategische Lieferketten zu erhöhen. Stellenausschreibungen auf der chinesischen Plattform WeChat zeigen, dass das Unternehmen die Personalbeschaffung seit etwa Februar intensiviert hat. Weder die NDRC noch Guangyan reagierten auf Anfragen der Nachrichtenredaktion.


