China Evergrandes Gründer Hui Ka Yan bekennt sich schuldig
Nach drei Jahren Haft gesteht der einstige Milliardär Hui Ka Yan Betrug und Bestechung – das Ende eines Immobilienimperiums.

Hui Ka Yan, Gründer der China Evergrande Group, hat sich in Anklagepunkten wie Betrug bei der Mittelbeschaffung und Bestechung schuldig bekannt. Das Geständnis des 67-Jährigen nach drei Jahren in Haft markiert den endgültigen Schlusspunkt unter den Zusammenbruch eines der einst mächtigsten Immobilienkonzerne der Welt. Evergrande befindet sich derzeit aufgrund von Gesamtverbindlichkeiten von mehr als 300 Milliarden US-Dollar in Liquidation – ein Betrag, der in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Finnlands entspricht.
Noch am 1. Juli 2021 stand Hui strahlend auf einem Podium über den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Kommunistischen Partei Chinas auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. In seinem dunkelblauen Anzug mit offenem Hemdkragen ließ er keinerlei Anzeichen des wachsenden Drucks auf sein Unternehmen erkennen. Viele Beobachter werteten die Einladung zu diesem Ereignis als offizielles Zeichen staatlicher Unterstützung für den milliardenschweren Geschäftsmann.
Vom Stahltechniker zum reichsten Mann Asiens
Hui wuchs in einem ländlichen Dorf in der zentralen chinesischen Provinz Henan auf und wurde von seiner Großmutter großgezogen. Als ehemaliger Stahltechniker baute er sein Vermögen auf der Grundlage von preisgünstigem Wohnraum auf. Evergrande wurde 1996 in der südchinesischen Stadt Guangzhou gegründet und expandierte unter Huis Führung aggressiv: Der Konzern nahm massiv Kredite auf, um Landkäufe zu finanzieren, und verkaufte Wohnungen mit geringen Margen für einen schnellen Umschlag.
Die Strategie schien zunächst aufzugehen. Evergrande wuchs bis 2020 auf einen Jahresumsatz von 700 Milliarden Yuan – umgerechnet rund 103 Milliarden US-Dollar. Im Jahr 2017 kürte Forbes Hui mit einem Nettovermögen von 45,3 Milliarden US-Dollar zum reichsten Mann Asiens. Bis 2023 war dieses Vermögen auf geschätzte 3 Milliarden US-Dollar geschrumpft – ein dramatischer Absturz innerhalb weniger Jahre.
Hui war bekannt dafür, sich in der Öffentlichkeit zurückzuhalten und ein ausgesprochener Workaholic zu sein, der zeitweise verlangte, dass andere seinem Arbeitsstil folgten. Wenn Investoren und Reporter ihn auf die hohe Verschuldung seiner Projekte ansprachen, entgegnete er stets, dass der hohe Umschlag und der Vermögenswert von Evergrande ausreichten, um die Schulden zu decken.
Poker, Tycoons und politische Ambitionen
Außerhalb des chinesischen Festlands pflegte Hui enge Kontakte zur Hongkonger Wirtschaftselite. Er wurde Kernmitglied eines eng verbundenen Kreises, der intern als „Pokerclub" bekannt war und oft gemeinsam Investmentgeschäfte tätigte. Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Person verhielt sich Hui beim Eintritt in diesen Kreis strategisch: „Er war sehr gefasst, als er zum ersten Mal in den Club gebracht wurde; er verlor wissentlich viel Geld bei den Spielen und gewann so die Gunst von Cheng." Gemeint war Cheng Yu Tung, der verstorbene Gründer der New World Development Gruppe, der laut dem Börsenprospekt von Evergrande ein Jahr vor dem Hongkonger Börsengang 2009 rund 150 Millionen US-Dollar in das Unternehmen investierte.
Hui scheute auch nicht vor neuen Geschäftsfeldern zurück, insbesondere wenn diese den übergeordneten Zielen Chinas entsprachen. Er engagierte sich in den Bereichen Elektroautos und Fußball – beides bekannte Leidenschaften von Präsident Xi Jinping. Bei den China Charity Awards 2018, bei denen er zum achten Mal in Folge ausgezeichnet wurde, betonte Hui die Bedeutung staatlicher Förderung für seinen Aufstieg: „Ohne die Politik des Landes zur Reform der Hochschulbildung hätte ich das Dorf nicht verlassen können. Ohne das Stipendium des Landes von 14 Yuan pro Monat hätte ich die Universität nicht abschließen können."
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Zur AktienanalyseLiquidation und offene Fragen
Die von einem Hongkonger Gericht bestellten Liquidatoren von Evergrande lehnten eine Stellungnahme gegenüber Reuters ab. Auch die Stadtverwaltung von Shenzhen reagierte nicht auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur. Huis schuldenlastige Geschäftspraktiken hatten die Aufsichtsbehörden bereits früh beunruhigt, die Evergrande aus Angst vor Ansteckungseffekten auf den gesamten Immobilienmarkt gewarnt hatten, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen.
Der Fall Evergrande steht exemplarisch für die Krise des chinesischen Immobiliensektors, der jahrelang als Wachstumsmotor der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt galt. Der Zusammenbruch des Konzerns hat das Vertrauen globaler Investoren in chinesische Immobilienunternehmen nachhaltig erschüttert und die Diskussion über systemische Risiken im chinesischen Finanzsystem neu entfacht.

