China drosselt Germaniumlieferungen nach Deutschland
Knappheit treibt Preise hoch und zwingt Industrie zu neuen Beschaffungswegen

Chinas Griff nach strategischen Rohstoffen setzt die deutsche Industrie zunehmend unter Druck. Besonders der Rückgang der Germanium-Lieferungen trifft Schlüsselbranchen empfindlich. Das seltene Halbmetall ist für Glasfasernetze, Mikrochips und Nachtsichtgeräte unverzichtbar und damit ein zentraler Bestandteil moderner Technologie. Bis vor wenigen Jahren deckte Deutschland rund 60 Prozent seines Bedarfs über Importe aus China. Seit Peking Mitte 2023 jedoch Exportlizenzen vorschreibt, versiegen die Lieferströme zusehends.
Die Auswirkungen zeigen sich deutlich in den Zahlen. Während Deutschland 2023 im ersten Halbjahr noch 28 Tonnen Germanium bezog, sank die Gesamtmenge für 2024 auf 12,4 Tonnen. Im laufenden Jahr erreichten die Ausfuhren aus China insgesamt lediglich 5 Tonnen, wovon weniger als ein Fünftel nach Deutschland gingen. Das entspricht 902 Kilogramm – ein Bruchteil früherer Mengen. Die Folge ist eine spürbare Verknappung, die die Preise nach oben treibt. Kostete ein Kilogramm Germanium mit 99,99-prozentiger Reinheit 2023 noch rund 1500 Euro, liegt der Preis inzwischen bei fast 4000 Euro.
Trotz dieser Entwicklung haben deutsche Unternehmen ihre Produktion bislang nicht gedrosselt. Stattdessen versuchen Einkaufsteams, den Bedarf über andere Wege zu decken, auch wenn sie die steigenden Preise akzeptieren müssen. Alternativen zu China existieren zwar, sind jedoch begrenzt. Belgien, Finnland, Kanada und die USA verfügen ebenfalls über Germaniumquellen, haben aber selbst wachsenden Bedarf. Eine Sonderrolle nimmt die Demokratische Republik Kongo ein, wo der belgische Konzern Umicore seit 2024 Material aus dem Recycling von Bergbauabfällen bezieht.
Auch in Deutschland selbst könnten Vorkommen genutzt werden. Germanium fällt als Nebenprodukt bei der Zink-, Kupfer- oder Braunkohlegewinnung an. Forschungen zur Rückgewinnung aus alten Lagerstätten laufen bereits. Bislang galt eine solche Förderung als wirtschaftlich nicht rentabel, doch die Preissprünge verändern die Kalkulation. Für Investitionen in Abbau oder Recycling wären jedoch langfristige Abnahmegarantien notwendig. Fachleute sehen hier die Politik gefordert, um Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen und die Abhängigkeit von geopolitischen Entscheidungen zu verringern.
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Zur AktienanalyseEin einfaches Ausweichen auf andere Lieferländer birgt weitere Risiken. Das Entwicklungsministerium bezeichnet die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Kongo trotz großer Rohstoffvorkommen als schwierig. Gleichzeitig ist eine vollständige Substitution kaum möglich. Aufgrund seiner Leitfähigkeit lässt sich Germanium nur schwer ersetzen. Zwar existieren erste germaniumfreie Wärmebildlinsen, doch entsprechende Innovationen benötigen Zeit, um in der Breite verfügbar zu sein.


