China drängt auf die große Bühne der Messe
Deutsche Maschinenbauer spüren Konkurrenzdruck und verlieren Marktanteile an agile Anbieter

In Halle 6 der Hannover Messe zeigten sich an diesem Morgen zunächst nur wenige Besucher, die von den Ausstellern umringt wurden. Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte im Laufe des Tages wie gewohnt deutsche und kanadische Maschinenbauer. Doch nur wenige Schritte abseits seiner offiziellen Route demonstrierte der chinesische Hersteller Duco Robots die Fähigkeiten seines kollaborativen Roboters, der ohne schützenden Zaun auskam und bereits bei deutschen Autobauern wie VW und Porsche im Einsatz ist. Während die deutsche Maschinenbauindustrie über die schwächelnde Konjunktur klagte, sprach ein Mitarbeiter von Duco selbstbewusst über Chancen auf dem europäischen Markt. Chinesische Unternehmen seien schneller und günstiger, urteilte er – eine Einschätzung, die sich auf der Messe häufiger hören ließ.
Die Hannover Messe galt einmal mehr als Spiegelbild der Branche und war traditionell ein Treffpunkt für internationale Anbieter. In diesem Jahr stellte Kanada als offizielles Partnerland 260 Aussteller. Doch fast 20 Prozent der rund 4000 Stände gehörten zu chinesischen Firmen – deutlich mehr als aus jedem anderen Land. Vor zwanzig Jahren lag ihr Anteil noch bei lediglich fünf Prozent. Inzwischen war China zum weltgrößten Exporteur von Maschinen und Anlagen aufgestiegen. Viele der chinesischen Anbieter waren mittelständisch geprägt, ähnlich wie der deutsche Maschinenbau. Doch während in Deutschland die Exporte sanken und die Wirtschaft stagnierte, zeigten sich die chinesischen Aussteller optimistisch.
Ulrich Ackermann vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer warnte vor einer Verengung der Debatte auf US-Zölle. Die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre sei China. Auf der Messe wurde deutlich, dass sich chinesische Firmen professionalisiert hatten. Im Fokus ihrer Präsentationen standen fertige Produkte, während deutsche Anbieter stärker auf Innovationen setzten. Gleichzeitig beklagte Ackermann, dass deutsche Unternehmen zunehmend Marktanteile verloren hätten und viele Mittelständler inzwischen auf chinesische Kunden angewiesen seien.
Auch Holger Lösch vom Bundesverband der Deutschen Industrie bestätigte die veränderten Kräfteverhältnisse. Chinesische Unternehmen waren mit großen Ständen und fertigen Produkten ins Zentrum der Messe gerückt. Vorwürfe von Produktpiraterie traten in den Hintergrund, stattdessen beeindruckte China mit Forschung, insbesondere im Bereich grüner Technologien. Lösch sah die Stärke der chinesischen Wettbewerber nicht zuletzt im schnelleren Umsetzen von Innovationen.
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Zur AktienanalyseAn kleinen Ständen hofften derweil chinesische Mittelständler wie Beijing Feda High-Tech Gas auf erste europäische Kunden. Ihr Optimismus war spürbar, ebenso wie der Glaube daran, dass der chinesische Maschinenbau auch künftig an Einfluss gewinnen werde. Die Unabhängigkeit vom Import durch die Pandemie und die Risikobereitschaft chinesischer Unternehmen galten als treibende Faktoren.


