Chevron prüft Einstieg in Lukoil-Auslandsvermögen
Gezielte Beteiligungen rücken nach US-Sanktionslockerung in den Fokus

US-Energiekonzern Chevron prüft derzeit Möglichkeiten zum Erwerb ausgewählter internationaler Vermögenswerte des russischen Ölunternehmens Lukoil. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen berichteten, dass das Unternehmen nach der jüngsten Entscheidung des US-Finanzministeriums, Gespräche mit Lukoil zu erlauben, potenzielle Optionen sondiert. Der Schritt folgt auf neue Sanktionen der US-Regierung gegen die beiden größten russischen Ölproduzenten, Lukoil und Rosneft, die darauf abzielen, Druck auf Moskau im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine auszuüben.
Chevron untersucht insbesondere Vermögenswerte in Regionen, in denen sich die Geschäftsaktivitäten der beiden Unternehmen überschneiden. Dazu zählen unter anderem Beteiligungen an großen Ölfeldern in Kasachstan sowie ein Offshore-Projekt in Nigeria, das von Chevron betrieben wird und an dem Lukoil beteiligt ist. Die Quellen betonten, dass es nicht um den potenziellen Erwerb des gesamten internationalen Portfolios gehe, sondern um gezielte Anteile. Chevron äußerte sich nicht zu den fortgeschrittenen Überlegungen und verwies lediglich darauf, dass das Unternehmen geltende Vorschriften einhalte.
Lukoil hat in den vergangenen Jahren ein weitreichendes internationales Netzwerk aufgebaut. Der Konzern fördert etwa zwei Prozent der weltweiten Ölproduktion und hält Auslandsvermögenswerte, die rund ein halbes Prozent des globalen Angebots ausmachen. Diese internationalen Aktivitäten werden auf einen zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt. Dazu gehören Raffinerien in Europa, Beteiligungen an Förderprojekten in Zentralasien, im Nahen Osten, in Afrika und Nordamerika sowie ein umfangreiches Tankstellennetz, darunter Standorte in den Vereinigten Staaten.
Mehrere weitere Interessenten prüfen derzeit ebenfalls mögliche Investitionen, darunter der US-Finanzinvestor Carlyle. Die beteiligten Projekte haben teilweise große strategische Bedeutung, etwa die Ölfelder Karachaganak und Tengiz in Kasachstan, die zentral für die CPC-Pipeline sind. Diese transportiert täglich mehr als eineinhalb Millionen Barrel Rohöl aus der Region in internationale Märkte. Lukoils Aktivitäten in Nigeria und im Irak sind ebenfalls Teil des Verkaufsprozesses. In Irak wird über einen möglichen zeitlich begrenzten Sanktionsaufschub beraten, um die Abwicklung eines Verkaufsprozesses für Lukoils Beteiligung an einem Großprojekt zu ermöglichen.
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Zur AktienanalyseAuch europäische Tochtergesellschaften bereiten sich auf mögliche Änderungen der Eigentumsverhältnisse vor. So erklärte der finnische Tankstellenbetreiber Teboil, vollständig im Besitz von Lukoil, dass ein Eigentümerwechsel erwartet werde, da das Mutterunternehmen seine internationalen Aktivitäten neu ordnet.


