Chevron plant weitere Deals zur Stromversorgung von US-Rechenzentren
Nach dem Microsoft-Vertrag in Texas prüft Chevron neue Energieprojekte für Rechenzentren im Mittleren Westen, an der Golfküste und in Colorado.

Chevron will seine Präsenz im boomenden Markt für Rechenzentrum-Energie deutlich ausbauen. Nach einem wegweisenden Vertrag mit Microsoft in West-Texas prüft der US-Ölkonzern nun weitere Projekte in mehreren Regionen der USA, wie Jeff Gustavson, Präsident für neue Energien bei Chevron, gegenüber Reuters erklärte. Der Konzern sieht in der KI-getriebenen Nachfrage nach Rechenleistung eine attraktive neue Einnahmequelle.
Den Ausgangspunkt bildet das sogenannte „Project Kilby": Chevron hat eine Vereinbarung zur Entwicklung einer Erdgaskraftwerksanlage unterzeichnet, die den Rechenzentrumscampus von Microsoft in Pecos, Texas, dediziert mit Strom versorgen soll. Die Anlage wird über eine Kapazität von 2,67 Gigawatt verfügen – genug, um eine Stadt von der Größe San Franciscos zu versorgen. Es ist das erste Projekt dieser Art für Chevron und läuft über mehr als zwei Jahrzehnte.
Chevron nimmt mehrere US-Regionen ins Visier
Gustavson nannte konkrete Regionen, in denen Chevron weitere Rechenzentrum-Deals anstrebt. Dazu gehören West-Texas als Teil des erdgasreichen Permian-Beckens, der Mittlere Westen sowie die Golfküste als wichtiges Energieerzeugungsgebiet. Auch Gebiete nahe der Rocky Mountains in Colorado sowie der Bundesstaat Utah, wo Chevron über eine Wasserstoffanlage verfügt, stehen auf der Liste.
„Wir werden uns andere Teile des Landes ansehen. Wir werden dies gemeinsam mit Microsoft prüfen, aber auch mit anderen potenziellen Kunden", sagte Gustavson. Er fügte hinzu: „Wenn wir die richtigen Bausteine zusammenfügen können, um unsere Renditeschwellen zu erreichen, werden im Laufe der Zeit weitere Ankündigungen folgen." Damit signalisiert Chevron, dass Project Kilby nur der Anfang einer breiteren Strategie sein könnte.
Der strategische Reiz für Chevron liegt auf der Hand: Kilby verschafft dem Konzern eine separate Einnahmequelle, die nicht dem Rohstoffpreisrisiko des Kerngeschäfts ausgesetzt ist. Öl- und Gaspreise unterliegen starken Schwankungen – langfristige Stromlieferverträge mit Technologiekonzernen bieten dagegen eine stabilere Erlösbasis. Auch Konkurrent Exxon Mobil verfolgt ähnliche Ambitionen in diesem Wachstumsmarkt.
Investitionsentscheidung noch in diesem Jahr erwartet
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie technischen Details von Project Kilby werden derzeit noch finalisiert. Chevron rechnet damit, bis Ende des Jahres eine endgültige Investitionsentscheidung zu treffen. Der erste Strom aus der Anlage wird voraussichtlich 2028 fließen, wobei es mehrere weitere Jahre dauern wird, bis das Projekt seine volle Kapazität erreicht.
Für den Bau sind sieben Turbinen des Herstellers GE Vernova sowie mehrere kleinere Turbinen von Caterpillar vorgesehen. Die Anlage kann zudem über ihre ursprüngliche Kapazität von 2,67 Gigawatt hinaus erweitert werden. Angaben zu den geschätzten Gesamtkosten des Projekts machte Gustavson nicht. Analysten bewerteten es diese Woche noch als zu früh, um zu beurteilen, ob die Stromversorgung von Rechenzentren langfristig zu einer bedeutenden Einnahmequelle für Chevron werden wird.


