Chevron-Chef warnt vor steigenden Ölpreisen im Sommer 2026
Mike Wirth sieht wachsenden Preisdruck durch schwindende Rohölvorräte infolge des Iran-Krieges und blockierter Straße von Hormus.

Chevron-Chef Mike Wirth hat auf einer Konferenz der Investmentbank Bernstein eindringlich vor einem Anstieg der Ölpreise in den kommenden Wochen gewarnt. Der Vorstandsvorsitzende des US-Energiekonzerns sieht die Puffer am Ölmarkt schwinden – als direkte Folge des seit drei Monaten andauernden Iran-Krieges, der die Straße von Hormus blockiert. Durch diese schmale Wasserstraße fließt normalerweise ein Fünftel des weltweiten Rohöls.
„Die Puffer und Stoßdämpfer werden stetig abgebaut, und die Fähigkeit des Marktes, dieses Ungleichgewicht zu absorbieren, ist heute im Vergleich zum Beginn drastisch verringert", sagte Wirth am Donnerstag. Er erwartet, dass sich der Preisdruck in den nächsten Wochen direkt auf die physischen Ölpreise auswirken wird – mit weiterem Aufwärtsdruck im Juni und besonders im Juli.
Der Konflikt hat den globalen Märkten täglich 12 bis 13 Millionen Barrel Öl entzogen. Der Preis für Brent-Rohöl, die internationale Referenzsorte, lag am Donnerstag bei rund 93,71 US-Dollar pro Barrel – ein Minus von knapp einem Prozent. West Texas Intermediate (WTI), die US-amerikanische Referenzsorte, wurde knapp unter 90 US-Dollar gehandelt.
Warum die Preise bislang weniger stark stiegen als erwartet
Wirth erklärte, dass die Ölpreise trotz des Konflikts bisher nicht so stark gestiegen seien wie vielfach befürchtet. Als Gründe nannte er überdurchschnittlich hohe Rohölbestände vor Ausbruch des Krieges, Freigaben aus der strategischen Erdölreserve der USA sowie Zuflüsse von sanktioniertem Öl aus dem Iran, Russland und Venezuela. Diese Puffer gehen nun jedoch zur Neige – und genau das macht Wirth Sorgen.
In der vergangenen Woche waren die Ölpreise um rund zehn Prozent gefallen, getragen von Optimismus über mögliche Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Doch Wirth und andere Branchenexperten dämpfen die Erwartungen an eine schnelle Normalisierung der Versorgungslage.
Rückkehr zur Normalversorgung erst 2027
Auch der Chef des staatlichen Ölkonzerns der Vereinigten Arabischen Emirate, Adnoc, warnte zuletzt vor einem langen Erholungsweg. Sultan al-Jaber erklärte am 21. Mai beim Atlantic Council, dass die vollständigen Ölflüsse durch die Straße von Hormus selbst nach einer Konfliktlösung nicht vor dem ersten oder zweiten Quartal 2027 zurückkehren würden. „Es wird mindestens vier Monate dauern, um wieder 80 Prozent der Durchflussmengen von vor dem Konflikt zu erreichen", so al-Jaber.
Wirth betonte zudem, dass die Reparatur der beschädigten Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten zig Milliarden US-Dollar kosten werde – was den Preisdruck zusätzlich verstärken dürfte. Die Energiekrise werde Regierungen weltweit dazu zwingen, strategische Ölreserven als „Versicherungspolice" gegen künftige Schocks aufzubauen. Das wiederum werde die Marktnachfrage erhöhen und die Preise weiter unter Spannung setzen.
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Zur AktienanalyseRezessionsrisiko nicht ausgeschlossen
Der Chevron-Chef schloss auch ein makroökonomisches Gegengewicht nicht aus: „Wenn dies lange anhält, stürzt es uns in eine wirtschaftliche Abkühlung oder eine Rezession; man könnte dann einen Ausgleich auf der Nachfrageseite haben, was man nicht ausschließen kann." Eine tiefe Rezession könnte die Ölnachfrage dämpfen und damit den Preisanstieg begrenzen – ein zweischneidiges Szenario für die Weltwirtschaft.
Für deutsche Verbraucher und Unternehmen sind die Entwicklungen am Ölmarkt von unmittelbarer Bedeutung. Höhere Rohölpreise schlagen sich erfahrungsgemäß zeitversetzt in den Kraftstoffpreisen an der Zapfsäule sowie in den Energiekosten der Industrie nieder. Angesichts der ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage in Deutschland könnte ein weiterer Energiepreisschock die Konjunktur zusätzlich belasten.


