CBS unter Beschuss: Colbert attackiert Sender wegen blockiertem Politiker-Interview
Talkmaster wirft CBS Zensur vor und inszeniert Protest mit Hundekotbeutel in Live-Sendung

Stephen Colbert hat seinem Arbeitgeber CBS am Dienstagabend eine beispiellose öffentliche Abfuhr erteilt. Der Moderator der "Late Show" kritisierte den Sender scharf für dessen Umgang mit einem blockierten Interview und warf die offizielle Stellungnahme von CBS demonstrativ in einen Hundekotbeutel.
Der Vorfall entzündete sich an einem geplanten Auftritt des demokratischen Politikers James Talarico, der für einen Senatssitz in Texas kandidiert. CBS-Anwälte hatten Colbert am Montagabend kurzfristig untersagt, das bereits aufgezeichnete Interview in seiner Show auszustrahlen. Als Begründung führten sie neue Richtlinien der Federal Communications Commission (FCC) an, die eine strikte Anwendung der "Equal Time"-Regel fordern.
Diese Regelung verpflichtet US-Sender, allen politischen Kandidaten gleiche Sendezeit einzuräumen. Colbert wies jedoch darauf hin, dass Talkshows traditionell von dieser Vorschrift ausgenommen sind - eine Ausnahme, die FCC-Chef Brendan Carr bislang nicht aufgehoben hat.
Öffentlicher Protest mit symbolischer Geste
Als CBS am Dienstagnachmittag eine Stellungnahme veröffentlichte und Colberts Darstellung zurückwies, eskalierte der Konflikt. Der Moderator präsentierte die ausgedruckte Erklärung in seiner Sendung mit den Worten: "Ich weiß nicht einmal, was ich mit diesem Mist anfangen soll." Anschließend verstaute er das Papier theatralisch in einem Hundekotbeutel und deutete einen Wurf in den Müll an.
Trotz der scharfen Kritik betonte Colbert, er sei nicht "wütend" auf CBS und wolle kein "gegnerisches Verhältnis" zum Sender. Seine Show läuft noch bis Mai, bevor sie nach der Absetzung durch CBS endet.
Politischer Hintergrund und Spekulationen
Das Interview mit Talarico veröffentlichte Colbert auf YouTube, wo es bereits über 4,4 Millionen Aufrufe verzeichnet. Der demokratische Kandidat liefert sich in Texas ein knappes Rennen mit Abgeordneter Jasmine Crockett. Der Sieger der Vorwahlen tritt gegen den Gewinner des republikanischen Duells zwischen Senator John Cornyn und Generalstaatsanwalt Ken Paxton an.
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Zur AktienanalyseDer Vorfall befeuert Spekulationen über eine mögliche Annäherung von CBS an die Trump-Administration. Hintergrund ist das laufende Übernahmeangebot von Paramount für Warner Bros Discovery, das die Zustimmung von Bundesbehörden erfordert. Kritiker sehen in der Entscheidung gegen das Talarico-Interview einen Versuch, sich bei der Regierung anzubiedern.
Für die Demokraten steht in Texas viel auf dem Spiel: Seit 1994 konnte die Partei keine landesweite Wahl mehr im zweitgrößten US-Bundesstaat gewinnen. Die vorzeitige Stimmabgabe bei den Vorwahlen begann am Dienstag.


