CBS News unter Bari Weiss: Kommentatoren-Strategie spaltet die Redaktion
Neue Chefredakteurin setzt auf 19 Kommentatoren und digitale Expansion – Mitarbeiter reagieren gespalten

Bari Weiss, seit drei Monaten Chefredakteurin von CBS News, hat ihre Vision für den traditionsreichen US-Nachrichtensender vorgestellt. Im Zentrum ihrer Strategie steht die Rekrutierung von 19 neuen Kommentatoren sowie der Ausbau digitaler Formate wie Podcasts und Newsletter. Die Pläne stoßen in der Belegschaft auf gemischte Reaktionen.
Die 41-jährige Weiss kam im Oktober 2024 zu CBS, nachdem Paramount-Eigentümer David Ellison ihre Medienfirma The Free Press für 150 Millionen US-Dollar übernommen hatte. Ihr Ansatz orientiert sich am Erfolgsmodell von New York Times-Kolumnist Andrew Ross Sorkin, der plattformübergreifend als Autor, TV-Moderator und Produzent tätig ist. Weiss nennt dies "Sorkining" – ein Konzept, das bei einigen langjährigen CBS-Mitarbeitern auf Skepsis stößt.
Sieben aktuelle und ehemalige Mitarbeiter sowie Brancheninsider berichten von unterschiedlichen Reaktionen auf die neue Strategie. Während einige die Initiative begrüßen, sehen andere einen Widerspruch zur journalistischen Mission des Senders. "Das ist, als würde man sagen: 'Hey Hollywood, warum könnt ihr nicht einfach wie Leonardo DiCaprio sein?'", kommentierte ein ehemaliger Mitarbeiter kritisch.
Spannung zwischen Meinung und Fakten
Die Erweiterung um zahlreiche Kommentatoren wird von manchen als Konflikt mit investigativem Journalismus und Eilmeldungen gesehen. "Ist das eine Nachrichtenabteilung oder sehnen sie sich nach etwas völlig anderem?", fragte ein ehemaliger Mitarbeiter. Zu den angekündigten Kommentatoren gehören der konservative Historiker Niall Ferguson von der Hoover Institution sowie Casey Lewis, ehemalige Redakteurin von Teen Vogue, die über Jugendkultur berichtet.
Weiss betont die Notwendigkeit, ein breiteres politisches Spektrum abzubilden und insbesondere jüngere Zuschauer sowie politische Unabhängige zu erreichen. "Wir müssen die Reibung der nationalen Debatte widerspiegeln", erklärte sie. CBS News liegt traditionell hinter den Konkurrenten ABC und NBC und kämpft wie die meisten Mainstream-Medien mit sinkenden Zuschauerzahlen.
Digitale Transformation als Kernziel
Ein zentraler Punkt der Strategie ist die "Digital-First"-Ausrichtung. Laut Pew Research beziehen etwa ein Drittel aller US-Erwachsenen zumindest einen Teil ihrer Nachrichten über Podcasts – doch CBS News taucht nicht unter den Top 50 Nachrichten-Podcasts bei Spotify oder Apple auf. Weiss forderte die Mitarbeiter auf, CBS als "bestkapitalisiertes Medien-Startup der Welt" zu betrachten.
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Zur AktienanalyseAllerdings kritisieren Mitarbeiter, dass der Sender bisher nicht genügend Ressourcen für die Unterstützung von Korrespondenten bei Social-Media-Aktivitäten oder der Neuaufbereitung von TV-Inhalten für YouTube bereitgestellt habe. "Wir haben eine elende Arbeit geleistet, was das Internet angeht", räumte ein Mitarbeiter ein.
Die bisherigen Ergebnisse sind gemischt: Während ein Segment über US-Außenminister Marco Rubio als "Florida Man" kritisiert wurde, gelangen journalistische Erfolge wie Lesley Stahls Interview mit Jared Kushner nach dem Israel-Hamas-Friedensabkommen. Befürworter vergleichen Weiss mit Katharine Graham, der legendären Washington Post-Verlegerin. "Wenn sie Erfolg hat, sind wir alle erfolgreich", äußerte ein aktueller Mitarbeiter optimistisch.
Kathy Kiely von der Missouri School of Journalism begrüßt die Diversität, warnt aber: "Was mich beunruhigt, ist die Betonung der Meinung gegenüber primär recherchierten Fakten." Weiss steht vor einer Herausforderung, an der bereits CNN-Chef Chris Licht 2023 gescheitert war – der Gewinnung neuer Zielgruppen ohne Verlust journalistischer Glaubwürdigkeit.

