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CBS News holt Nick Bilton als neuen „60 Minutes"-Chef

Paramount Skydance ernennt den ehemaligen NYT-Technologiekolumnisten zum Executive Producer – trotz fehlender TV-Nachrichtenerfahrung.

CBS News holt Nick Bilton als neuen „60 Minutes"-Chef

CBS News hat Nick Bilton zum neuen Executive Producer der Kultsendung „60 Minutes" ernannt. Der ehemalige Technologie-Kolumnist der New York Times übernimmt damit die Leitung einer der traditionsreichsten Nachrichtensendungen der USA, die seit 52 Jahren zu den meistgesehenen Sendungen des amerikanischen Fernsehens zählt. Bilton löst Tanya Simon ab, die mehr als 30 Jahre lang für „60 Minutes" tätig war.

Die Personalie ist ungewöhnlich: Anders als seine Vorgängerin bringt Bilton keinerlei Erfahrung in der Leitung einer Fernsehnachrichtensendung mit. Er hat jedoch mehrere Dokumentarfilme für renommierte Streamingdienste produziert, darunter „Unknown: Killer Robots" und „Biggest Heist Ever" – beide für HBO und Netflix. Gegenüber CNBC erklärte Bilton, er habe die Chefredakteurin von CBS News, Bari Weiss, zunächst privat in Los Angeles kennengelernt, bevor er mit ihr an diesen beiden Produktionen zusammenarbeitete.

Neuausrichtung trotz steigender Quoten

Bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Ernennung: Laut Nielsen-Daten verzeichnet „60 Minutes" derzeit ein Quotenwachstum von 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weiss hole Bilton bewusst jetzt an Bord, solange die Zahlen noch stimmen – um die Sendung neu auszurichten, bevor es zu spät sei, erklärte Bilton selbst. Details zu seinen konkreten Plänen nannte er jedoch nicht. Er betonte lediglich, dass es sich nicht um eine vollständige Generalüberholung handeln werde, und kündigte an, zunächst die Mitarbeiter von „60 Minutes" zu treffen, bevor er seinen Plan „in einigen Wochen" vorstelle.

Eine der größten Herausforderungen für Bilton dürfte das interne Klima bei CBS News sein. Viele Mitarbeiter sind der Überzeugung, dass zahlreiche der zuletzt vorgenommenen Änderungen in der Redaktion politisch motiviert sind. Bilton erklärte in einem Telefoninterview, er sei entschlossen zu beweisen, dass seine Einstellung kein politisches Manöver sei.

Politischer Druck und ein teurer Vergleich

Der Hintergrund ist komplex: Paramount und Skydance fusionierten im vergangenen Jahr, wodurch eine neue Führungsriege die Kontrolle über CBS und andere Paramount-Sparten übernahm. CEO David Ellison versucht nun, Paramount mit Warner Bros. Discovery zu fusionieren – ein Vorhaben, das die regulatorische Genehmigung der Trump-Regierung erfordert.

In diesem Spannungsfeld steht auch ein juristisches Kapitel: Der damalige Präsidentschaftskandidat Donald Trump verklagte „60 Minutes" im Jahr 2024 mit der Behauptung, die Sendung habe ein Interview mit seiner Gegenkandidatin Kamala Harris irreführend zusammengeschnitten. Paramount einigte sich auf einen Vergleich in Höhe von 16 Millionen US-Dollar – eine Entscheidung, die erfahrene Mitarbeiter der Sendung verärgerte, darunter den langjährigen Korrespondenten Scott Pelley.

Turbulente Zeiten bei CBS

Die Neubesetzung bei „60 Minutes" reiht sich in eine Serie von Veränderungen beim Sender ein. Erst Anfang Mai wurde nach elf Staffeln die letzte Folge der „Late Show With Stephen Colbert" ausgestrahlt, nachdem CBS entschieden hatte, die Show nicht zu verlängern. Zudem gab der prominente Moderator Anderson Cooper Anfang des Monats seinen Abschied von „60 Minutes" bekannt.

Für deutsche Beobachter ist die Situation ein Lehrstück über den Druck, dem öffentlich wahrnehmbare Medienmarken in einem politisch aufgeladenen Umfeld ausgesetzt sind – und darüber, wie Konzerninteressen und journalistische Unabhängigkeit in Konflikt geraten können. Ob Bilton die Sendung erfolgreich neu ausrichten kann, ohne ihre journalistische Glaubwürdigkeit zu beschädigen, bleibt abzuwarten.

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