Carvana-Aktie bricht ein: Jahresprognose enttäuscht Wall-Street-Analysten
Der Online-Autohändler Carvana verfehlte mit seinem Gewinnausblick für 2026 die Erwartungen führender Banken deutlich.

Die Aktie von Carvana ist am Mittwoch im nachbörslichen Handel drastisch eingebrochen. Auslöser war eine Jahresprognose, die hinter den Erwartungen der Wall Street zurückblieb. Kurz nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse und des Ausblicks verlor das Papier zeitweise mehr als 20%.
Carvana prognostiziert für das laufende Jahr einen bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 2,7 Milliarden und 3,0 Milliarden US-Dollar. Das liegt deutlich unter den Erwartungen der Deutschen Bank, die 3,0 bis 3,2 Milliarden Dollar erwartet hatte, sowie weit unter der Morgan-Stanley-Schätzung von 4,45 Milliarden Dollar. Vor der Analystenkonferenz um 17:30 Uhr ET notierte die Aktie noch rund 10% im Minus, nachdem sie einen Teil der Verluste wieder aufgeholt hatte.
Starke Q2-Zahlen, aber verhaltener Ausblick
Im zweiten Quartal lieferte Carvana durchaus beeindruckende Ergebnisse. Das Unternehmen erzielte ein bereinigtes EBITDA von 769 Millionen Dollar – ein neuer Rekordwert für ein einzelnes Quartal, der die Schätzungen des Datenanbieter LSEG leicht übertraf. Im gesamten ersten Halbjahr summierte sich das bereinigte EBITDA auf 1,4 Milliarden Dollar.
Der Nettogewinn im zweiten Quartal betrug 513 Millionen Dollar, ein Anstieg von 205 Millionen Dollar gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark entwickelte sich der Fahrzeugabsatz: Zwischen April und Juni verkaufte Carvana 197.325 Fahrzeuge – ein Plus von 38% im Jahresvergleich. Das Unternehmen schlüsselte dabei nicht auf, wie viele Gebraucht- und wie viele Neuwagen verkauft wurden. Carvana hat seine Präsenz im Neuwagenbereich zuletzt durch Stellantis-Vertragshändler ausgebaut.
Die Jahresprognose impliziert für die zweite Jahreshälfte einen bereinigten Gewinn zwischen 1,3 und 1,6 Milliarden Dollar – ein im Vergleich zum ersten Halbjahr relativ stabiler Verlauf. Selbst am unteren Ende dieser Spanne würde Carvana den bisherigen Jahresrekord beim bereinigten EBITDA von 2,2 Milliarden Dollar aus dem Jahr 2025 deutlich übertreffen.
Ambitiöse Langzeitziele trotz Margendruck
Für das dritte Quartal erwartet Carvana einen sequenziellen Anstieg der im Einzelhandel verkauften Einheiten gegenüber dem zweiten Quartal. Das Unternehmen betonte in einer Mitteilung, dass dies das zehnte Quartal in Folge sei, in dem man „der am schnellsten wachsende und profitabelste Automobilhändler ist – und beides mit großem Vorsprung erreicht hat".
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Zur AktienanalyseCEO Garcia bekräftigte im Aktionärsbrief die langfristigen Ziele des Unternehmens: Bis zum Zeitraum 2030 bis 2035 will Carvana jährlich 3 Millionen Autos verkaufen und eine bereinigte EBITDA-Marge von 13,5% erreichen. Aktuell liegt die Marge noch deutlich darunter: Im zweiten Quartal betrug sie 10,4% – ein Rückgang von 2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Carvana begründet dies mit den laufenden Expansionsbemühungen, die kurzfristig auf die Margen drücken.
Für deutsche Anleger ist Carvana ein interessantes Beispiel dafür, wie selbst starke operative Quartalszahlen an der Börse abgestraft werden können, wenn der Ausblick die hochgesteckten Erwartungen der Analysten nicht erfüllt. Der Fall zeigt einmal mehr, dass an der Wall Street nicht nur die Vergangenheit, sondern vor allem die Zukunftserwartungen den Kurs bestimmen.


