Carrefour gerät wegen Fleisch-Entscheidung unter Druck
Boykottaufrufe in Brasilien bedrohen den Erfolg der Supermarktkette in Südamerika

Carrefour hat in Frankreich angekündigt, kein Fleisch mehr aus den südamerikanischen Mercosur-Staaten zu verkaufen. Der Konzernchef Alexandre Bompard begründete dies mit Solidarität gegenüber den französischen Landwirten und den hohen Standards des französischen Marktes. Dies geschah vor dem Hintergrund der anhaltenden Verhandlungen über das Mercosur-Freihandelsabkommen, das seit mehr als zwei Jahrzehnten diskutiert wird. Während Länder wie Deutschland und Brasilien das Abkommen vorantreiben wollen, stoßen sie auf Widerstand von Staaten mit starken Agrarlobbys wie Frankreich, Irland, Polen und Österreich.
Die Entscheidung Carrefours hat in Brasilien eine Welle von Boykottaufrufen ausgelöst. Brasiliens Landwirtschaftsminister Carlos Fávaro kritisierte die Maßnahme scharf und bezeichnete sie als ungerecht gegenüber den Produktionsbedingungen und der nachhaltigen Landwirtschaft seines Landes. Zudem schlossen sich mehrere brasilianische Landwirtschaftsverbände sowie Hotel-, Gaststätten- und Industrieverbände der Protestbewegung an. Auch große Fleischlieferanten wie JBS, Marfrig und Masterboi haben ihre Zusammenarbeit mit Carrefour vorerst eingestellt. Dies führte dazu, dass in brasilianischen Filialen der Kette bereits Fleischknappheit gemeldet wurde.
Der brasilianische Markt ist für Carrefour von großer Bedeutung. Rund ein Viertel der globalen Umsätze der Kette stammt aus Südamerika, wobei Brasilien den größten Anteil daran hat. Im Jahr 2023 erwirtschaftete der Konzern allein dort 21,4 Milliarden Euro Umsatz. Etwa 30 Prozent des weltweiten Gewinns kamen aus Südamerika. Neben Brasilien ist Carrefour auch in Argentinien stark vertreten, was den Druck auf den Konzern zusätzlich erhöht, da Widerstand gegen die Entscheidung auch dort nicht ausgeschlossen ist.
Die Maßnahme hat den ohnehin angeschlagenen Ruf von Carrefour in Brasilien weiter beschädigt. Bereits vor einigen Jahren war der Konzern in die Kritik geraten, nachdem Sicherheitskräfte in einer seiner brasilianischen Filialen einen Afro-Brasilianer zu Tode geprügelt hatten. Dies führte zu landesweiten Protesten.
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Zur AktienanalyseIn Frankreich scheint Carrefours Schritt Teil einer größeren Strategie zu sein. Auch andere Unternehmen wie Danone und Intermarché haben ähnliche Maßnahmen gegen Importe aus Südamerika ergriffen. Jedoch zeigen Zahlen, dass der französische Markt für brasilianische Rindfleischlieferanten kaum relevant ist. Frankreich importierte in den ersten zehn Monaten dieses Jahres nur 40 Tonnen brasilianisches Rindfleisch, ein Bruchteil der globalen Exporte Brasiliens. Der wahre Schaden durch die Boykottaufrufe wird vermutlich aufseiten Carrefours spürbar sein, da der südamerikanische Markt für den Konzern von zentraler Bedeutung ist.


