Carlyle prüft Kauf von Lukoil-Auslandsvermögen
US-Sanktionen und Fristdruck erschweren den möglichen Erwerb

U.S.-Finanzinvestor Carlyle hat in den vergangenen Tagen damit begonnen, Optionen für den möglichen Erwerb der ausländischen Vermögenswerte des russischen Ölkonzerns Lukoil zu prüfen. Nach Angaben von drei mit der Angelegenheit vertrauten Personen steht die Prüfung noch in einem frühen Stadium. Das Unternehmen kann sich dennoch jederzeit gegen eine Fortführung des Prozesses entscheiden. Hintergrund ist ein sich schnell schließendes Zeitfenster, da die US-Regierung beschlossen hat, Transaktionen mit Lukoil nur noch bis zum 21. November zu gestatten. Lukoil hat zwar eine Fristverlängerung beantragt, allerdings liegt hierzu noch keine Entscheidung vor.
Washington hatte den Konzern im Zuge der Bemühungen sanktioniert, politischen Druck auf Moskau im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine auszuüben. Die Sanktionen haben den russischen Ölproduzenten daran gehindert, seine internationalen Vermögenswerte an den in der Schweiz ansässigen Rohstoffhändler Gunvor zu veräußern. Die US-Behörden bezeichneten Gunvor dabei als „Marionette des Kremls“, was dazu führte, dass der Händler seine Kaufambitionen einstellte.
Lukoil ist einer der größten Förderer von Erdöl weltweit und fördert rund zwei Prozent der globalen Produktion. Die Auslandsaktivitäten tragen etwa 0,5 Prozent zur weltweiten Förderung bei und haben nach Unterlagen aus dem Jahr 2024 einen geschätzten Wert von rund 22 Milliarden Dollar. Die Vermögenswerte umfassen Beteiligungen an Öl- und Gasprojekten in einer Reihe von Ländern wie Kasachstan, Usbekistan, Irak, Mexiko, Ghana, Ägypten und Nigeria. Darüber hinaus betreibt Lukoil drei Raffinerien in Europa sowie zahlreiche Tankstellen, darunter auch Standorte in den Vereinigten Staaten. Die jüngsten US-Sanktionen haben zudem zu Störungen der Aktivitäten in Irak, Finnland und Bulgarien geführt.
Carlyle hat Lukoil bereits über sein Interesse informiert und beabsichtigt, vor einer möglichen vertieften Prüfung eine US-Lizenz für die Transaktion zu beantragen. Experten zufolge könnte der Investor aufgrund seiner Struktur bessere Chancen auf eine Genehmigung durch die US-Behörden haben als andere Interessenten. Allerdings bleibt unklar, ob die verbleibende Zeit ausreicht, um den Wert des breit verteilten Portfolios angemessen zu beurteilen. Zusätzliche Komplexität entsteht durch Bestrebungen einzelner Staaten, bestimmte Lukoil-Vermögenswerte zu verstaatlichen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseCarlyle verwaltet derzeit ein Vermögen von 474 Milliarden Dollar. Weder das Unternehmen noch Lukoil äußerten sich bislang zu den laufenden Gesprächen.


