Capgemini verkauft US-Tochter wegen umstrittener ICE-Verträge
Französischer IT-Konzern zieht sich aus Geschäft mit US-Einwanderungsbehörde zurück

Der französische IT-Dienstleister Capgemini hat den Verkauf seiner US-Tochtergesellschaft Capgemini Government Solutions (CGS) angekündigt. Die Einheit war wegen ihrer Verträge mit der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in die Kritik geraten. Das Unternehmen begründete die Entscheidung mit fehlenden Kontrollmöglichkeiten über die Geschäftstätigkeit der Tochter.
Capgemini erklärte am Sonntag, rechtliche Beschränkungen bei der Vergabe von Bundesaufträgen für klassifizierte Tätigkeiten hätten eine "angemessene Kontrolle über bestimmte Aspekte" der CGS-Geschäftstätigkeit unmöglich gemacht. Die Tochtergesellschaft operierte autonom, um US-Anforderungen für sensible Regierungsaufträge zu erfüllen. CGS macht lediglich 0,4 Prozent der weltweiten Umsätze und weniger als 2 Prozent des US-Geschäfts von Capgemini aus.
Kritik aus französischer Politik
Französische Minister hatten den Konzern scharf kritisiert, nachdem bekannt wurde, dass CGS sogenannte Skip-Tracing-Dienste für die ICE erbringt. Diese Fahndungsdienste nutzen Datenanalyse und private Ermittler, um Personen für Abschiebungsverfahren aufzuspüren. Finanzminister Roland Lescure warf Capgemini mangelnde Aufsicht über seine Tochtergesellschaften vor.
Unter der Trump-Administration hatte Capgemini Verträge im Wert von 12,2 Millionen US-Dollar für Fahndungsdienste unterzeichnet, zusätzlich zu früheren Aufträgen über 2,5 Millionen Dollar. Ein im Dezember geschlossener Vertrag werde "derzeit nicht ausgeführt", teilte das Unternehmen mit. Man habe erst "durch öffentliche Quellen" von dem Vertrag erfahren.
ICE plant massive Ausweitung
Die ICE kündigte an, bis zu 281 Millionen US-Dollar über externe Dienstleister ausgeben zu wollen, um 1,5 Millionen Adressen zu überprüfen. Eine im November veröffentlichte Ausschreibung forderte Anbieter auf, "Adressinformationen von Ausländern zu überprüfen" und "den neuen Aufenthaltsort zu bestätmen". Dabei sollen sowohl digitale Werkzeuge als auch "persönliche Überwachung" zum Einsatz kommen.
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Zur AktienanalyseDie Trump-Administration stellte der ICE im vergangenen Jahr zusätzliche 75 Milliarden US-Dollar zur Verfügung, um aggressive Abschiebequoten durchzusetzen. Dies schuf lukrative Geschäftsmöglichkeiten für Auftragnehmer der Behörde. Die brutalen Taktiken der ICE bei Massenabschiebungen haben international für Empörung gesorgt, insbesondere nach dem tödlichen Schusswaffeneinsatz gegen zwei US-Bürger in Minnesota.
Die Veräußerung von CGS soll "unverzüglich" beginnen, teilte Capgemini mit. Details zum geplanten Verkaufsprozess nannte das Unternehmen nicht.


