Capgemini verkauft US-Tochter wegen umstrittenen ICE-Vertrags
Französischer IT-Konzern trennt sich von Regierungssparte nach politischem Druck und Kontrollproblemen

Der französische IT-Dienstleister Capgemini zieht sich aus dem US-Regierungsgeschäft zurück. Das Unternehmen kündigte am Sonntag den Verkauf seiner amerikanischen Tochtergesellschaft Capgemini Government Solutions (CGS) an. Hintergrund ist ein umstrittener Vertrag mit der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE, der für erhebliche politische Turbulenzen sorgte.
Die Entscheidung folgt auf massiven Druck aus Politik und Öffentlichkeit. Besonders in Frankreich wuchs die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass CGS Dienstleistungen für ICE erbringt – eine Behörde, die im Zentrum der kontroversen Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump steht. Selbst Finanzminister Roland Lescure forderte das Unternehmen zur Stellungnahme auf.
Capgemini begründet den Verkauf offiziell mit fehlenden Kontrollmöglichkeiten. Die strengen US-Sicherheitsbestimmungen für Regierungsaufträge hätten es dem Konzern unmöglich gemacht, die Geschäftstätigkeit von CGS angemessen zu überwachen und mit den eigenen Unternehmenswerten in Einklang zu bringen. Bei Verträgen mit klassifizierten Tätigkeiten gelten in den USA besondere rechtliche Auflagen, die ausländischen Muttergesellschaften den Zugang zu sensiblen Informationen verwehren.
Konzernchef erfuhr erst spät von Vertragsdetails
CEO Aiman Ezzat hatte bereits in der Vorwoche eingeräumt, dass Capgemini erst kürzlich von der genauen Natur des ICE-Vertrags erfahren habe. Dieser wurde CGS im Dezember 2025 vom US-Heimatschutzministerium erteilt. Wegen der Geheimhaltungsvorschriften hatte die Konzernzentrale keinen Einblick in klassifizierte Informationen, Vertragsdetails oder technische Spezifikationen der CGS-Operationen.
Wirtschaftlich fällt der Verlust überschaubar aus. CGS trägt lediglich 0,4 Prozent zum geschätzten Konzernumsatz 2025 bei und macht weniger als 2 Prozent des US-Geschäfts von Capgemini aus. Der Verkaufsprozess soll "unverzüglich" eingeleitet werden, teilte das Unternehmen mit.
Politischer Hintergrund verschärft Lage
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDie Kontroverse verschärfte sich nach einem tödlichen Schusswechsel in Minnesota im Vormonat, bei dem zwei US-Bürger ums Leben kamen. Der Vorfall befeuerte die Debatte über die Einwanderungspolitik und rückte auch Unternehmen in den Fokus, die mit ICE zusammenarbeiten. Für Capgemini entwickelte sich die Situation zu einem Reputationsrisiko, das offenbar schwerer wog als der wirtschaftliche Nutzen der Tochtergesellschaft.
Ob der Verkauf direkt auf den ICE-Vertrag zurückzuführen ist, ließ Capgemini bewusst offen. Die Formulierung in der offiziellen Erklärung deutet jedoch darauf hin, dass die fehlende Kontrolle über die Geschäftstätigkeit und die damit verbundenen Reputationsrisiken ausschlaggebend waren.


