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Cannabis-Verfallsdaten: Wer legt die Haltbarkeit von Marihuana fest?

Uneinheitliche US-Vorschriften zu Cannabis-Verfallsdaten gefährden Verbraucher und Unternehmen – ein nationaler Standard fehlt bislang.

Cannabis-Verfallsdaten: Wer legt die Haltbarkeit von Marihuana fest?

Die Frage klingt simpel, ist es aber nicht: Wann „verfällt" Cannabis? In den USA gibt es keinen nationalen Standard für Verfallsdaten bei Cannabisprodukten. Die Folge sind stark unterschiedliche staatliche Regelungen – mit erheblichen Konsequenzen für Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen.

Einige US-Bundesstaaten schreiben verbindliche Verfallsdaten vor, andere verlangen lediglich ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele greifen laut Branchenbeobachtern auf eine pauschale Ein-Jahres-Frist zurück, die nicht berücksichtigt, wie unterschiedlich Blüten, Edibles und Getränke altern. Manche Bundesstaaten erlauben es Betreibern sogar, ihre eigenen Standards festzulegen – sofern sie diese begründen können.

Die Risiken dieser Uneinheitlichkeit sind real. Das Colorado-Unternehmen Keef Brands musste Anfang des Jahres seine Getränke aus dem Handel nehmen, nachdem staatliche Regulierungsbehörden Stichproben entnommen hatten. Ein falsches Verfallsdatum kann Rückrufe auslösen, Lagerbestände vernichten und das Vertrauen in eine Marke dauerhaft beschädigen.

Warum Cannabis-Etiketten so wichtig sind

Die Kennzeichnung von Cannabisprodukten erfüllt zwei zentrale Aufgaben: Sie schützt die Verbrauchersicherheit und informiert Käufer transparent über das, was sie erwerben. Fast jeder US-Markt schreibt vor, dass Etiketten folgende Angaben enthalten müssen:

  • Klar angegebene THC- und CBD-Werte für fundierte Entscheidungen über Potenz und Dosierung
  • Chargennummern zur Rückverfolgbarkeit in der gesamten Lieferkette
  • Unternehmensinformationen, damit es einen klaren Ansprechpartner bei Fragen gibt

Doch bei der Frage, wie lange ein Produkt haltbar ist, hören die einheitlichen Regeln auf.

Das Problem mit der pauschalen Ein-Jahres-Frist

Darwin Millard, technischer Direktor des Compliance-Dienstes Cannabis Safety & Quality (CSQ) aus St. Louis, kritisiert die weit verbreitete Praxis scharf. „In vielen Bundesstaaten wird standardmäßig ein Datum von einem Jahr angewendet – das hilft niemandem", sagte Millard gegenüber MJBizDaily. „Blüten werden in einem Jahr nicht mehr gut sein. Man verliert Terpene und die Qualität der Blüten sinkt, wenn der Wassergehalt abnimmt."

Millard empfiehlt, Cannabisblüten eher wie Frischware zu behandeln – mit einem Mindesthaltbarkeits- oder Verpackungsdatum statt einem harten Verfallsdatum. Für risikoreiche Produkte wie Getränke, die weniger lagerstabil sind, seien echte Verfallsdaten hingegen sinnvoll. Bei Produkten mit geringem Risiko und niedrigem Wassergehalt sei möglicherweise nur ein Mindesthaltbarkeitsdatum gerechtfertigt.

Der Grund für den Qualitätsverlust liegt in der Chemie: THC ist instabil. Wenn Delta-9-THC oxidiert, wandelt es sich in CBN um, das eine sedierende Wirkung hat. Austin Stevenson, Chief Revenue Officer des Prüflabors Act Lab aus Long Beach, Kalifornien, erklärt: „Die Belastung durch Oxidation nimmt zu, je länger es im Regal liegt." Dies erklärt, warum älteres Cannabis Konsumenten häufig schlicht müde macht.

Colorados Ansatz als Modell

Colorado gilt als einer der regulatorisch fortschrittlichsten Cannabismärkte der USA. Die staatliche Lizenzierungsbehörde MED führte 2020 erstmals Anforderungen für Verfallsdaten bei Vaporizern ein, die am 1. Juli 2022 in Kraft traten. Anforderungen für Mindesthaltbarkeitsdaten bei allen anderen Produkttypen wurden 2022 verabschiedet und traten am 1. Januar 2024 in Kraft.

Hersteller von Vaporizern müssen Stabilitätsstudien durchführen, um ein Verfallsdatum zu belegen. Andere Produkte benötigen ein durch Stabilitätsstudien ermitteltes Mindesthaltbarkeitsdatum. Können Hersteller eine längere Haltbarkeit nicht nachweisen, gilt eine Standardfrist von neun Monaten. In Colorado müssen Produkte zum Zeitpunkt der Herstellung zudem innerhalb eines Fensters von plus oder minus 15 % der auf dem Etikett angegebenen Potenz liegen.

Getränke als größte Herausforderung

Besonders komplex ist die Situation bei THC-Getränken. Erik Knutson, Mitbegründer von Keef Brands, erklärt: Hersteller haben es mit Emulsionen und Flüssigkeiten zu tun, die sich mit der Zeit verändern – was Potenz, Qualität und Geschmack beeinflusst. Keef begann mit einem Standard von neun Monaten ab Herstellung und senkte diesen für seine Getränke auf sechs Monate.

„Die Potenz ändert sich im Laufe der Zeit, aber sie sollte innerhalb des zulässigen Fensters von 15 % bleiben", sagte Keef-Mitbegründerin Kelly Knutson. Betreiber können der Oxidation in der Produktionslinie entgegenwirken, indem sie den Stickstoffschub nutzen, der auch bei der Herstellung herkömmlicher Limonaden und Seltzers eingesetzt wird.

ASTM-Standard als mögliche Lösung

Millard engagiert sich ehrenamtlich bei ASTM International, einer Organisation, die technische Standards für zahlreiche Produkte entwickelt. Der 2023 veröffentlichte Standard ASTM D8449 legt verschiedene Datumstypen fest: Verwendbar-bis-, Mindesthaltbarkeits-, Verfalls-, Haltbarkeits- und Ablaufdaten sowie ein Verpackungsdatum.

Der Standard setzt klare Schwellenwerte: Ein Mindesthaltbarkeitsdatum gilt, wenn für ein Produkt eine Haltbarkeit von mehr als 90 Tagen sicher angenommen werden kann. Ein Verwendbar-bis-Datum gilt bei 90 Tagen oder weniger. Ein Verfallsdatum darf nur verwendet werden, wenn analytische Testdaten die Bestimmung der Haltbarkeit bestätigen. „Die rechtliche Hürde für ein Verfallsdatum ist wesentlich höher als für ein Verwendbar-bis-Datum", betonte Millard.

Bundesweite Neueinstufung könnte Ordnung schaffen

Langfristig könnte eine Neueinstufung von Marihuana auf US-Bundesebene die Fragmentierung beenden. Viele Branchenbeobachter erwarten, dass eine Einstufung als Droge der Liste 3 (Schedule 3) dazu führen würde, dass die US-Lebensmittelbehörde FDA einheitliche Kennzeichnungsanforderungen übernimmt. „Die Neueinstufung sollte sich positiv auswirken", sagte Stevenson von Act Lab. „Es würde mehr Standardisierung und Regulierung in Bezug darauf bringen, welche spezifischen Tests oder Studien durchgeführt werden müssen."

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