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Cannabis-Streik und US-Militär sichert kritische Mineralien

Zwei industrielle Entwicklungen prägen die US-Wirtschaft: ein historischer Streik in der Cannabisbranche und ein strategisches Militärprogramm für kritische Rohstoffe.

Die amerikanische Industrie- und Arbeitslandschaft erlebt gleich zwei bedeutende Entwicklungen: In Illinois legen mehr als 300 Beschäftigte eines Cannabis-Unternehmens die Arbeit nieder, während das US-Militär gezielt private Unternehmen auf Militärgelände ansiedelt, um die Versorgung mit kritischen Mineralien zu sichern. Beide Ereignisse beleuchten auf unterschiedliche Weise die wirtschaftspolitischen Herausforderungen der Vereinigten Staaten.

In Barry, Illinois, hat die Gewerkschaft International Brotherhood of Teamsters Local 916 einen Streik bei einer Anbauanlage von Ascend Wellness Holdings ausgerufen. Mehr als 300 Mitarbeiter beteiligen sich an dem Ausstand – ein historisches Ereignis, denn es handelt sich um den ersten Streik an einem von den Teamsters organisierten Cannabis-Anbaustandort überhaupt.

Streit um Verträge und Entlassung

Die Gewerkschaft nennt zwei Hauptgründe für den Streik: festgefahrene Tarifverhandlungen und die angeblich illegale Entlassung eines Mitglieds des Verhandlungsausschusses, die als Vergeltungsmaßnahme gewertet wird. JP Fyans, Präsident der Teamsters Local 916, erklärte, die Weigerung des Unternehmens, einen fairen Vertrag auszuhandeln, sowie die Kündigung des Ausschussmitglieds hätten den Ausstand notwendig gemacht.

Das Unternehmen Ascend Wellness widerspricht dieser Darstellung. Ein Sprecher betonte, man habe stets in gutem Glauben verhandelt. Vizepräsident Matthew McKenna wies darauf hin, dass ein „letztes, bestes und endgültiges Angebot" weiterhin auf dem Tisch liege. Das Unternehmen zeigte sich enttäuscht, dass die Gewerkschaft den Mitarbeitern keine Abstimmung über dieses Angebot ermöglicht habe, und drängt weiterhin auf eine Ratifizierungsabstimmung.

Trotz des Streiks bleibt die 110.000 Quadratfuß große Anlage – bestehend aus einem 52.000 Quadratfuß großen Innenanbaubereich und einem 58.000 Quadratfuß großen Gewächshaus – in Betrieb. Die Einrichtung verfügt zudem über Extraktionskapazitäten für Ethan und Butan; der Einstiegslohn liegt bei rund 18 US-Dollar pro Stunde. Der Streik reiht sich in eine breitere Welle von Arbeitskonflikten in der Cannabisbranche ein, darunter ein 45-tägiger Streik in Pennsylvania im vergangenen Jahr. Hinzu kommt ein Rückschlag für die Teamsters in Illinois: 19 Mitarbeiter eines Ascend-Ladens in Chicago Ridge stimmten Anfang des Monats für den Austritt aus der Gewerkschaft.

US-Militär setzt auf heimische Rohstoffversorgung

Parallel dazu treibt das US-Militär eine strategische Initiative zur Sicherung kritischer Mineralien voran. Die US-Armee hat die Unternehmen Titan Mining und REalloys ausgewählt, um Verarbeitungsanlagen auf Militärgelände zu errichten. Ziel ist es, die Abhängigkeit von China bei Materialien zu reduzieren, die für Waffensysteme, Batterien und die Hightech-Fertigung unverzichtbar sind.

Die Initiative, über die Reuters erstmals im Dezember berichtete, sieht langfristige Nutzungsverträge von bis zu 50 Jahren vor. Die privaten Unternehmen übernehmen dabei Finanzierung, Planung, Bau, Betrieb und schließlich den Rückbau der Anlagen – das Militär behält das Eigentum am Grund und Boden.

Titan Mining erhielt über seine Tochtergesellschaft Empire State Mines bedingte Auswahlbescheide für zwei Standorte: ein 245 Acre großes Areal im Pine Bluff Arsenal in Arkansas sowie ein 97 Acre großes Gelände im Anniston Army Depot in Alabama. Beide Standorte sollen der Entwicklung heimischer Graphitverarbeitungskapazitäten dienen. REalloys wiederum verhandelt exklusiv über die Entwicklung von Anlagen zur Verarbeitung schwerer Seltener Erden im Tooele Army Depot in Utah. Dort sollen Dysprosium und Terbium verarbeitet werden – Materialien, die für die Herstellung von Hochtemperatur-Permanentmagneten entscheidend sind.

Beide Unternehmen planen den Baubeginn für das Jahr 2027. Für Titan Mining, das bislang vor allem Zinkkonzentrat-Anlagen in New York betreibt, bedeutet dies einen erheblichen Schritt in die heimische Graphit-Lieferkette. Für das US-Verteidigungsministerium sind die Projekte ein konkreter Baustein in der langfristigen Strategie, verteidigungskritische Materialien innerhalb der USA zu sichern.

Zwei Entwicklungen, ein gemeinsames Thema

So unterschiedlich der Cannabis-Streik und die Mineralien-Initiative auf den ersten Blick erscheinen mögen, spiegeln beide die Komplexität der modernen amerikanischen Industriepolitik wider. Die Cannabisbranche durchläuft die Wachstumsschmerzen einer reifenden Industrie, in der Gewerkschaften und multistaatliche Betreiber noch immer die Spielregeln ihrer Beziehung aushandeln. Gleichzeitig zeigt die Mineralien-Initiative eine zunehmende Bereitschaft des Staates, durch öffentlich-private Partnerschaften strategisch in Schlüsselbranchen zu investieren. Beide Entwicklungen dürften die US-Wirtschaft in den kommenden Jahren nachhaltig prägen.

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