Cannabis-Aktien im Sturzflug: Bärenmarkt hält weiter an
Der Global Cannabis Stock Index ist seit Ende 2020 um 88,2 % eingebrochen – und allein 2026 bereits um über 20 %.

Cannabis-Aktien befinden sich seit Anfang 2021 in einem anhaltenden Abwärtstrend. Nachdem der Sektor im Jahr 2020 eine Rallye erlebt hatte, erreichte er Anfang 2021 seinen Höchststand – seitdem geht es bergab. Der Global Cannabis Stock Index ist von 44,39 am 31. Dezember 2020 auf aktuell 5,26 gefallen, was einem Rückgang von 88,2 % entspricht. Gemessen am Stand von 100 Punkten zum 31. Dezember 2012 hat der Index sogar über 94 % seines Wertes verloren.
Allein im bisherigen Jahr 2026 beläuft sich das Minus auf 20,2 %. Cannabis-Analyst Alan Brochstein, CFA, Gründer der Due-Diligence-Plattform 420 Investor, beschreibt die Lage in seinem wöchentlichen Newsletter bei New Cannabis Ventures als „schrecklichen Sturm" – und hofft, dass dieser bald vorüberziehen möge.
Zwei große Katalysatoren bislang ausgeblieben
Brochstein hatte bereits Ende 2022 zwei potenzielle Kurstreiber für den Cannabis-Sektor identifiziert: die Abschaffung der sogenannten 280E-Besteuerung sowie ein mögliches Uplisting von US-Cannabisunternehmen vom OTC-Markt an reguläre Börsen wie die Nasdaq. Keines von beiden ist bisher eingetreten. Die 280E-Steuerregelung, die US-amerikanische Cannabis-Betreiber besonders hart trifft, könnte im Zuge eines Reschedulings von Cannabis wegfallen. Der US-Präsident hat zwar einen entsprechenden Präsidialerlass erlassen, doch ein konkreter Zeitplan fehlt noch.
Die Unsicherheit rund um das Rescheduling belastet die US-Cannabis-Aktien erheblich. Diese hatten im vergangenen Jahr noch deutlich zugelegt, liegen aber seit den US-Wahlen im November 2024 erheblich im Minus.
Bilanzrisiken bedrohen zahlreiche Unternehmen
Neben dem regulatorischen Gegenwind kämpfen viele Cannabis-Unternehmen mit ernsthaften Bilanzproblemen. Eine Reihe von Betreibern hat sich bereits ihren Gläubigern überlassen, darunter bekannte Namen wie 4Front, Ayr Wellness, Cannabist, Gold Flora, MedMen, Schwazze und Tilt Holdings. Andere Unternehmen stehen vor der Notwendigkeit, ihre Schulden zu refinanzieren.
Brochstein kritisiert in diesem Zusammenhang explizit Curaleaf wegen seiner massiven Verschuldung. Das Unternehmen habe zwar kürzlich einen Teil der Schulden verlängert, doch der Schuldenstand bleibe weiterhin hoch. Auch andere Multi-State-Operatoren (MSOs) stehen vor Herausforderungen bei ihrer Verschuldung. Obwohl Cannabis-Aktien nach vielen Kennzahlen günstig erscheinen, bleibt das Risiko bestehen, dass schwache Bilanzen einzelne Unternehmen in eine sehr schlechte Lage bringen könnten.
Kanadische Lizenzproduzenten als Alternative
Im Gegensatz zu US-amerikanischen Cannabis-Betreibern unterliegen kanadische Lizenzproduzenten (LPs) nicht der 280E-Besteuerung und sind zudem an der Nasdaq notiert – nicht am OTC-Markt. Dennoch befinden sich auch diese Aktien in einem Bärenmarkt. Alle sieben kanadischen LPs, die derzeit im Global Cannabis Stock Index vertreten sind, liegen auf Sechsmonatssicht im Minus; zwei haben dabei mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren.
Brochstein sieht bei kanadischen LPs dennoch Potenzial, insbesondere durch ihr Engagement in Europa und Australien, da der kanadische Heimatmarkt als weitgehend gesättigt gilt. In seinem Musterdepot bei 420 Investor hält er derzeit 42,8 % in kanadischen LPs und nur 10,3 % in MSOs. Der Global Cannabis Stock Index selbst weist nach seiner Neugewichtung zum 31. März ein Engagement von 25,8 % in MSOs und 29,1 % in kanadischen LPs auf.
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Zur AktienanalyseKonsolidierung im kanadischen Markt
Im kanadischen Markt hat eine Konsolidierung durch Übernahmen und die Reduzierung von Lizenzen begonnen. Dennoch sind noch 1.002 Lizenzen ausstehend, darunter 110, bei denen ein Entzug wegen Aussetzung, Widerruf oder Ablauf bevorsteht. Kanadische LPs werden aktuell nahe ihrem materiellen Buchwert oder darunter gehandelt. Einige sind durch Investitionen indirekt von einem möglichen Ende der 280E-Besteuerung in den USA betroffen.
Auf Sechsmonatssicht ist der MSOS-ETF, der US-Cannabis-Aktien abbildet, um 23,2 % gesunken, während der Global Cannabis Stock Index im gleichen Zeitraum um 31,5 % gefallen ist. Brochstein bleibt vorsichtig optimistisch und hofft, dass der Bärenmarkt im Cannabis-Sektor bald ein Ende findet.


