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Canary Wharf als Vorbild für Großbritanniens regionale Stadtentwicklung

Das Londoner Finanzviertel zeigt, wie gemischt genutzte Stadtquartiere Wachstum und Lebensqualität vereinen können.

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Canary Wharf als Vorbild für Großbritanniens regionale Stadtentwicklung

Canary Wharf, einst fast ausschließlich als eines der weltweit führenden Finanzviertel bekannt, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem gemischt genutzten Stadtquartier entwickelt – und könnte damit als Blaupause für die britische Regionalpolitik dienen. Der CEO von CWG (Canary Wharf Group) argumentiert in einem Gastbeitrag für die Financial Times, dass der neue britische Premierminister und Politiker wie Andy Burnham, Bürgermeister von Greater Manchester, aus dieser Entwicklung wichtige Lehren ziehen sollten.

Die nationale Debatte in Großbritannien konzentriert sich derzeit auf Fiskalpolitik, Regulierung, Qualifikationen und Infrastruktur. All das sei wichtig, so der Autor. Doch ein entscheidender Wettbewerbsfaktor werde häufig übersehen: die Qualität der Orte, an denen Menschen leben, arbeiten und investieren wollen.

Vom reinen Büroviertel zum lebendigen Stadtquartier

Das Docklands-Areal im Osten Londons wurde Ende der 1980er Jahre in ein Finanzviertel umgewandelt. Vor 14 Jahren erwarb CWG das angrenzende Wood Wharf und verwandelte das Gebiet grundlegend: Es entstanden Tausende von Wohnungen, ergänzt durch Cafés, Bars, Restaurants und Freizeiteinrichtungen. Damit wandelte sich der Charakter des Viertels von einem reinen Arbeitsplatz zu einem echten Wohnquartier.

Historisch gesehen konzentrierten sich viele Stadterneuerungsprojekte fast ausschließlich auf Gebäude. Doch was in den Räumen dazwischen geschieht, sei ebenso wichtig, betont der Autor. Erhebliche Investitionen flossen zuletzt in die Wiederanbindung der Menschen an das Wasser, das die Docks ursprünglich prägte – etwa durch Aktivitäten wie Freiwasserschwimmen. Die Umgestaltung des Eden Dock gilt dabei als deutlichster Beweis dafür, wie Natur Teil der Identität eines Stadtviertels werden kann.

Natur und Wohlbefinden werden dabei ausdrücklich als wirtschaftliche Infrastruktur eingestuft – gleichwertig mit Investitionen in Wohnungen, Büros, Straßen und Schienenwege. Diese Botschaft richtet sich explizit an Städte und Gemeinden landesweit.

80 Millionen Besucher und ein diversifiziertes Wirtschaftsmodell

Die Zahlen sprechen für sich: Canary Wharf zieht heute jährlich rund 80 Millionen Besucher an, gegenüber 54 Millionen im Jahr 2022. Das Viertel ist zudem nicht mehr von einem einzigen Sektor abhängig. Finanzdienstleistungen bleiben zwar ein Eckpfeiler, doch Fintech-Unternehmen wie Revolut haben eine Wissenschafts- und Innovationsgemeinschaft entstehen lassen. Drei Start-ups sammelten allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mehr als 275 Millionen Britische Pfund ein.

Für Großbritannien insgesamt lautet die Botschaft: Das Land braucht mehrere Wachstumsmotoren über verschiedene Sektoren und Regionen hinweg. Orte, die Industrien zusammenbringen, indem sie die richtigen Arbeitsräume, Zugang zu Talenten und eine gut vernetzte Infrastruktur bieten, werden langfristig erfolgreicher sein.

Die Entwicklung von Canary Wharf verlief dabei nicht linear und war nicht unvermeidlich. Sie hing von öffentlich-privaten Partnerschaften, langfristigen Investitionen und Verkehrsanbindungen ab – darunter die Elizabeth Line, die das Viertel mit dem Rest Londons und darüber hinaus verbindet.

Wachstum und Lebensqualität sind kein Widerspruch

Der Kern der Botschaft an Politik und Investoren ist klar: Wachstum folgt den Menschen, und Menschen wollen an großartigen Orten leben und arbeiten. Regierung, Bürgermeister und Investoren sollten Entwicklungen nicht allein nach der Anzahl gebauter Wohnungen oder Büros beurteilen, sondern gemischt genutzte Viertel fördern, in denen mehrere Sektoren gemeinsam wachsen können.

In Großbritannien werden Wachstum und Lebensqualität oft als gegensätzliche Ziele diskutiert. Das Beispiel Canary Wharf zeigt, dass dies ein Irrtum ist. Menschen wählen Orte danach aus, wie sie sich dort fühlen – und die erfolgreichsten Standorte sind genau jene, die das erkennen und konsequent danach handeln.

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