Canadian Natural friert Ölsand-Milliardenprojekte bis zu Regierungseinigung ein
CEO Scott Stauth macht Expansionen von verbindlichen Vereinbarungen mit Ottawa und Alberta abhängig – Milliardenprojekte bleiben vorerst auf Eis.

Canadian Natural Resources wird keine mittel- bis langfristigen Ölsanderweiterungsprojekte vorantreiben, bis eine kürzlich unterzeichnete Absichtserklärung mit der kanadischen Bundesregierung und der Regierung von Alberta in verbindliche rechtliche Vereinbarungen überführt wurde. Das erklärte CEO Scott Stauth am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Investoren. Die Aussage macht deutlich, dass das Unternehmen trotz politischer Reformversprechen keine voreiligen Investitionsentscheidungen treffen will.
Konkret betroffen sind mehrere bedeutende Vorhaben: Das Jackfish-Projekt mit einer geplanten Kapazität von 30.000 Barrel pro Tag (bpd) und einem Investitionsvolumen von rund 650 Millionen kanadischen Dollar bleibt ebenso auf Eis wie das deutlich größere Pike-2-Projekt. Letzteres soll eine Kapazität von 70.000 bpd erreichen und ist mit rund 2,5 Milliarden kanadischen Dollar veranschlagt. Auch die längerfristig geplante Erweiterung der Jackpine-Mine um 150.000 bpd ist von dem Einfrieren betroffen.
Laut einer Investorenpräsentation für das Jahr 2025 waren erste Planungsarbeiten für all diese Projekte bereits in diesem Jahr vorgesehen. Durch den Entscheid des Managements verzögert sich der Projektstart nun unbestimmt – abhängig vom Fortschritt der Regierungsverhandlungen.
Hintergrund: Das Pathways-Projekt und die Rolle der Politik
Im Juli unterzeichneten die CEOs der großen kanadischen Ölsandunternehmen – darunter auch Stauth – eine unverbindliche Vereinbarung mit Alberta und der Bundesregierung. Ziel dieser Absichtserklärung ist es, die Rahmenbedingungen für ein Projekt zur Kohlenstoffabscheidung und -speicherung namens „Pathways" festzulegen. Dieses Vorhaben soll die Treibhausgasemissionen aus dem Ölsandabbau erheblich reduzieren.
Der kanadische Premierminister Mark Carney hat die Vision Albertas für eine neue Exportpipeline an die Pazifikküste mit einer Kapazität von einer Million Barrel pro Tag grundsätzlich unterstützt. Allerdings knüpfte Carney seine Unterstützung ausdrücklich an die Umsetzung des Pathways-Projekts. Damit wird die Klimaschutzkomponente zur zentralen Bedingung für die Erschließung neuer Exportkapazitäten.
Stauth brachte die Haltung seines Unternehmens auf den Punkt: „Es ist extrem wichtig, dass wir hier alles richtig machen", sagte er mit Blick auf die laufenden Verhandlungen mit beiden Regierungsebenen. Die Aussage signalisiert, dass Canadian Natural Resources auf Rechtssicherheit besteht, bevor Milliarden in neue Kapazitäten fließen.
Kanadische Ölproduzenten zeigen sich zurückhaltend
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Zur AktienanalyseDie Äußerungen von Stauth sind kein Einzelfall. Sie reihen sich ein in ein breiteres Muster unter kanadischen Ölproduzenten, die trotz der von Bund und Alberta versprochenen umfassenden Reformen zur Wachstumsförderung der heimischen Ölindustrie nicht überstürzt auf Produktionsausweitung setzen. Die Branche wartet offenbar auf handfeste rechtliche Garantien, bevor sie größere Kapitalverpflichtungen eingeht.
Für deutsche Investoren, die in kanadische Energiewerte engagiert sind, verdeutlicht dieser Fall die enge Verflechtung von Klimapolitik, Regulierung und Investitionsentscheidungen im nordamerikanischen Energiesektor. Die Unsicherheit über den genauen Zeitplan der Regierungsvereinbarungen dürfte die Planbarkeit der betroffenen Projekte auf absehbare Zeit einschränken.


