CalPERS startet 600-Milliarden-Dollar-Experiment mit neuem Anlageansatz
Anlagechef Stephen Gilmore will beim größten US-Pensionsfonds die Grenzen zwischen Anlageklassen mit dem „Total Portfolio"-Ansatz aufbrechen.

Der größte Pensionsfonds der USA wagt ein gewaltiges Experiment: Stephen Gilmore, Chief Investment Officer des California Public Employees' Retirement System (CalPERS), plant eine grundlegende Neuausrichtung der Anlagestrategie. Mit dem sogenannten „Total Portfolio"-Ansatz sollen die traditionellen Grenzen zwischen den einzelnen Anlageklassen aufgebrochen werden. Gilmore verwaltet dabei ein Portfolio im Wert von 600 Milliarden US-Dollar.
CalPERS ist der California Public Employees' Retirement System – der staatliche Pensionsfonds des US-Bundesstaates Kalifornien. Er sichert die Altersvorsorge von Millionen öffentlicher Angestellter und gilt in der globalen Investmentbranche als Maßstab. Die schiere Größe des Fonds macht jeden strategischen Kurswechsel zu einem Ereignis, das die gesamte Branche aufmerksam verfolgt.
Ein Karriereweg durch globale Krisen
Stephen Gilmore blickt auf eine 40-jährige Laufbahn in der globalen Finanzwelt zurück. Diese außergewöhnliche Karriere verschaffte ihm einen Logenplatz bei einigen der bedeutendsten Finanzkrisen und -ereignisse der jüngeren Geschichte – darunter die russische Schuldenkrise und die Rettung eines Finanzriesen. Zudem erlebte er aus nächster Nähe den Aufstieg der Staatsfonds weltweit.
Besonders prägend war sein Einsatz als Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Tadschikistan in den 1990er-Jahren. Während einer Miliz auf die Hauptstadt Duschanbe vorrückte, harrte Gilmore drei Tage lang in seinem Büro aus. Diese Erfahrung in einem aktiven Kriegsgebiet unterstreicht die außergewöhnliche Belastbarkeit des Investmentmanagers.
„Es braucht viel, um ihn aus der Ruhe zu bringen"
Marcie Frost, Chief Executive Officer von CalPERS und direkte Vorgesetzte von Gilmore, beschreibt ihren CIO mit klaren Worten: „Es braucht viel, um ihn aus der Ruhe zu bringen." Diese Eigenschaft dürfte für den Job, den viele Branchenkenner als den schwierigsten in der gesamten Investmentbranche betrachten, von entscheidender Bedeutung sein.
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Zur AktienanalyseDer „Total Portfolio"-Ansatz, den Gilmore nun bei CalPERS einführen will, ist in der institutionellen Vermögensverwaltung kein völlig neues Konzept, aber für einen Fonds dieser Größenordnung ein ambitioniertes Vorhaben. Die Idee dahinter: Statt das Portfolio starr in Aktien, Anleihen, Immobilien und andere Klassen aufzuteilen, sollen Investitionsentscheidungen ganzheitlich und über alle Anlageklassen hinweg getroffen werden. Dies soll Flexibilität erhöhen und Renditechancen besser ausschöpfen.
Für deutsche Privatanleger und institutionelle Investoren ist die Entwicklung bei CalPERS aus mehreren Gründen relevant. Pensionsfonds dieser Größe setzen globale Trends in der Vermögensverwaltung. Strategische Entscheidungen von CalPERS beeinflussen Kapitalflüsse weltweit – und damit auch Märkte, in denen deutsche Anleger aktiv sind. Das laufende Experiment unter Gilmores Führung wird die Branche in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.


