BYD-Chef: Weltgrößter Autohersteller in fünf Jahren – Aktie fällt
Wang Chuanfu gibt auf der Jahreshauptversammlung ein ambitioniertes Ziel aus – doch die Märkte reagieren skeptisch.

BYD-Vorstandsvorsitzender Wang Chuanfu hat auf der Jahreshauptversammlung des chinesischen Elektroautobauers ein ehrgeiziges Ziel verkündet: In fünf Jahren soll BYD gemessen am Absatzvolumen der weltgrößte Automobilhersteller sein. Vor fast 1.000 Aktionären am Hauptsitz in Shenzhen versuchte Wang damit, das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen – mit mäßigem Erfolg.
Die Reaktion der Märkte fiel ernüchternd aus. Am Mittwochmorgen verloren BYD-Aktien in Hongkong 4,3 Prozent, die in Shenzhen notierten Papiere gaben um 1,6 Prozent nach. Damit setzt sich ein längerer Abwärtstrend fort: Seit ihrem Höchststand sind die Hongkonger BYD-Aktien um mehr als 45 Prozent gefallen, die Shenzhen-Papiere um 33 Prozent.
Blade-Batterie als Schlüssel zum Wachstum
Wang hob auf der Versammlung laut der staatlichen Zeitung Shanghai Securities News insbesondere die Produktion der Blade-Batterie der zweiten Generation hervor. Diese identifizierte er als den entscheidenden Wachstumsengpass im laufenden Jahr. Darüber hinaus betonte er Fortschritte bei Batterie- und Schnellladetechnologien als Treiber für das Wachstum im In- und Ausland.
BYD bestätigte am Mittwoch gegenüber Reuters, dass Wang das Ziel geäußert habe, das Unternehmen zur weltweiten Nummer eins unter den Automobilherstellern zu machen. Weitere Fragen zu Details der Versammlung ließ das Unternehmen jedoch unbeantwortet.
Um das ausgerufene Ziel zu erreichen, müsste BYD den japanischen Branchenriesen Toyota Motor überholen. Toyota verkaufte im Jahr 2025 mehr als doppelt so viele Fahrzeuge wie BYD, das mit 4,6 Millionen verkauften Fahrzeugen weltweit den sechsten Platz belegte. Toyota verliert zwar laut Daten der China Passenger Car Association in Regionen wie Südostasien und dem Nahen Osten Marktanteile an chinesische Hersteller – der Abstand bleibt dennoch erheblich.
Starke Exporte können schwaches Inlandsgeschäft nicht ausgleichen
BYDs Exportzahlen entwickeln sich dynamisch: Zwischen Januar und Mai stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 65 Prozent. Die größten Absatzmärkte im Ausland sind Brasilien, Großbritannien und Australien – Länder, die von vergleichsweise niedrigen Handelsbarrieren profitieren.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseTrotz dieses Exportbooms kämpft BYD im Heimatmarkt mit erheblichem Gegenwind. Der verschärfte Wettbewerb mit lokalen Konkurrenten belastet den Inlandsabsatz spürbar. Die Gesamtauslieferungen gingen zwischen Januar und Mai im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 20 Prozent zurück – ein Rückgang, den die starken Exportzahlen bislang nicht kompensieren konnten.
Für deutsche Anleger und Beobachter des Automobilmarkts ist BYDs Aufstieg ein wichtiges Signal: Der chinesische Hersteller setzt nicht nur auf den Heimatmarkt, sondern greift gezielt internationale Märkte an. Ob das ambitionierte Fünf-Jahres-Ziel realistisch ist, bleibt angesichts der aktuellen Herausforderungen offen – die Märkte haben ihre Skepsis bereits deutlich zum Ausdruck gebracht.


