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Bundesbank verlässt Frankfurter Stammsitz wegen explodierender Sanierungskosten

Sanierung und Unterhalt würden zusammen über 4,5 Milliarden Euro kosten – zu viel für die Notenbank.

Bundesbank verlässt Frankfurter Stammsitz wegen explodierender Sanierungskosten

Die Deutsche Bundesbank gibt ihren markanten Stammsitz in Frankfurt auf. Präsident Joachim Nagel begründete den Schritt mit einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, die eindeutig ergeben habe: Ein Neubau oder Neuerwerb ist deutlich günstiger als die Sanierung des bestehenden Gebäudes. Allein die Renovierung des brutalisti­schen Baus – bekannt für seine originale Holzvertäfelung und dicken roten Teppiche – würde 1,6 Milliarden Euro kosten.

Hinzu kämen weitere 2,9 Milliarden Euro für den laufenden Unterhalt bis zum Jahr 2067. In der Summe wären das 4,5 Milliarden Euro – eine Zahl, die auch politisch nicht mehr zu verteidigen war. Ein Bericht des Bundesrechnungshofes hatte die Kosten bereits bis 2022 auf 4,6 Milliarden Euro beziffert, rund eine Milliarde mehr als ursprünglich geplant.

Die Bundesbank wird nun ein Ausschreibungsverfahren einleiten, um ein neues Domizil zu finden. Nagel hatte den Projektumfang bereits zuvor reduziert: Die Zahl der geplanten Arbeitsplätze sank von 5.000 auf rund 3.000, da sich nach der Pandemie hybrides Arbeiten etabliert hatte.

Goldreserven bleiben im Keller

Eine wichtige Klarstellung: Die 1.710 Tonnen Gold, die die Bundesbank in Tresoren unter dem Gebäude lagert, bleiben vorerst an ihrem Platz. Der Auszug der Mitarbeiter berührt die Goldreserven nicht – sie verbleiben in den gesicherten Kellern des bestehenden Gebäudes.

Die Stadt Frankfurt hat bereits Interesse am Kauf des Gebäudes angemeldet. Geplant ist die Unterbringung der Europäischen Schule, die primär von Kindern der EZB-Mitarbeiter besucht wird. Eine Nachnutzung wäre damit gesichert.

Politischer Druck auf Zentralbanken wächst

Die Kostenexplosion kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Weltweit geraten Zentralbanken unter politischen Druck, auch wegen Kostenüberschreitungen bei Bauprojekten. In den USA haben ähnliche Probleme bei der Federal Reserve die Angriffe der Trump-Regierung auf Fed-Chef Jerome Powell befeuert. In Deutschland ist eine so offene Konfrontation derzeit unwahrscheinlich, doch die Affäre wirft Fragen zur Governance und Budgetdisziplin der Bundesbank auf.

Die Sanierung war 2016 unter dem damaligen Präsidenten Jens Weidmann initiiert worden. Der eigentliche Umbau begann 2022, nachdem die Mitarbeiter in ein provisorisches Büro umgezogen waren. Kostentreiber waren vor allem Inflation, die Beseitigung von Schadstoffen sowie strenge Auflagen des Denkmalschutzes.

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