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Bundesbank: Staatsausgaben retten Deutschland vor BIP-Rückgang

Massive Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur verhindern laut Bundesbank eine Rezession – doch der Krieg im Nahen Osten bremst die Erholung.

Bundesbank: Staatsausgaben retten Deutschland vor BIP-Rückgang

Die Bundesbank warnt: Nur die expansive Fiskalpolitik des Staates bewahrt Deutschland im laufenden Jahr vor einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Das teilte die Zentralbank am Freitag in Frankfurt mit. Gleichzeitig belasten der Krieg im Nahen Osten und steigende Energiepreise die größte Volkswirtschaft Europas und treiben die Inflation an.

Die deutsche Wirtschaft stagnierte bereits in den vergangenen drei Jahren weitgehend. Ein erwarteter Anstieg der Staatsausgaben sollte das Wachstum eigentlich ankurbeln – doch ein kriegsbedingter Anstieg der Energiepreise bremste die erhoffte Erholung aus. Die Bundesbank reagiert nun mit deutlich gesenkten Wachstumsprognosen.

Wachstumsprognosen deutlich nach unten korrigiert

Für das Jahr 2026 erwartet die Bundesbank nur noch ein Wachstum von 0,5 Prozent – nach zuvor prognostizierten 0,6 Prozent im Dezember. Noch deutlicher fällt die Korrektur für 2027 aus: Statt der ursprünglich erwarteten 1,3 Prozent rechnet die Zentralbank nun lediglich mit 0,8 Prozent Wachstum. Diese Einschätzung veröffentlichte die Bundesbank einen Tag, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihrerseits die Wachstumsprognose für die Eurozone gesenkt und dennoch die Zinsen zur Inflationsbekämpfung angehoben hatte.

„Eine expansive Fiskalpolitik wird das Einzige sein, was einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Sommerhalbjahr verhindert", erklärte die Bundesbank. „Sie wird die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten mehr oder weniger ausgleichen." Die Bank schätzt, dass die Staatsausgaben – insbesondere für Verteidigung – das Wachstum bis 2028 um insgesamt 1,3 Prozentpunkte steigern werden.

Hohe Energiekosten und schwache Investitionen als Belastung

Trotz des fiskalischen Rückenwinds bleiben die Risiken erheblich. Hohe Energiekosten werden die Kaufkraft der privaten Haushalte dämpfen. Unternehmen könnten zudem mit zunehmenden Lieferengpässen und einer schwächeren Nachfrage konfrontiert werden. Darüber hinaus werden Unsicherheit und höhere Zinssätze private Investitionen belasten – selbst wenn die direkten Auswirkungen des Krieges in den kommenden Jahren nachlassen sollten.

„Die Risiken sind bei der Inflation deutlich nach oben und bei der wirtschaftlichen Aktivität nach unten gerichtet", betonte die Bundesbank. Diese Einschätzung unterstreicht die schwierige Lage, in der sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt derzeit befindet.

Inflation bleibt hartnäckig über EZB-Ziel

Besonders besorgniserregend ist die Inflationsentwicklung. Die Gesamtinflation in Deutschland wird laut Bundesbank in diesem Jahr bei 2,9 Prozent und im Jahr 2027 bei 2,7 Prozent liegen. Die Kerninflation – also ohne volatile Lebensmittel- und Energiepreise – wird für dieses Jahr bei 2,6 Prozent, für 2027 bei 2,5 Prozent und für 2028 bei 2,3 Prozent erwartet.

Die Zentralbank geht nicht davon aus, dass das zugrunde liegende Preiswachstum über den gesamten Prognosezeitraum bis 2028 wieder unter das 2-Prozent-Ziel der EZB fallen wird. Dies spiegelt die eigene Projektion der EZB wider, wonach es schwierig sein könnte, die Kerninflation nachhaltig auf das Zielniveau zurückzuführen.

Diese Inflationseinschätzung untermauert die Haltung von Bundesbankpräsident Joachim Nagel, wonach die EZB bereit sein werde, die Zinsen im Juli bei Bedarf erneut anzuheben. Für deutsche Privatanleger und Verbraucher bedeutet dies: Das Umfeld hoher Zinsen und erhöhter Inflation dürfte noch geraume Zeit anhalten.

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