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Bund-Rendite auf 15-Jahres-Hoch: Anleihemarkt sendet Krisensignale

Steigende Renditen belasten Aktienmärkte weltweit. Deutsche Bundesanleihen rentieren so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr.

Bund-Rendite auf 15-Jahres-Hoch: Anleihemarkt sendet Krisensignale

Die Renditen an den Anleihemärkten dominieren derzeit die Börsennachrichten – und das aus gutem Grund. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zuletzt bei bis zu 4,63 Prozent und bremsten damit die Wall Street spürbar aus. In Deutschland kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,17 Prozent – den höchsten Stand seit 15 Jahren.

Hinter diesem Anstieg steckt ein einfacher Mechanismus: Anleihen bieten einen festen Zins. Fallen die Kurse der Papiere, steigt die effektive Rendite für Käufer automatisch an. Und die Kurse fallen, weil immer mehr Anleger ihre Anleihen verkaufen.

Warum Anleger ihre Anleihen abstoßen

Der Auslöser für den aktuellen Ausverkauf ist die Erwartung höherer Inflation – befeuert durch den Iran-Krieg. Bei steigender Geldentwertung verliert das Halten einer festverzinslichen Anleihe an Attraktivität. Liegt die Inflation wie derzeit bei rund drei Prozent, gleicht eine Anleiherendite von ebenfalls drei Prozent gerade einmal den Kaufkraftverlust aus – ein realer Gewinn bleibt aus.

Marktteilnehmer sprechen bereits von einem weltweiten Ausverkauf an den Anleihemärkten. Besonders auffällig ist die Lage in Großbritannien: Dort schoss die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen infolge politischer Turbulenzen in London auf ein 18-Jahres-Hoch von 5,187 Prozent. Anleger fürchten vor allem höhere Staatsausgaben unter einem neuen Labour-Premier.

EZB unter Druck – Leitzinserhöhung erwartet

EZB-Chefin Christine Lagarde zeigte sich auf Reporterfragen zum Anleihe-Ausverkauf bemerkenswert nüchtern: „Ich mache mir immer Sorgen, das ist mein Job." Die Märkte nehmen das als Signal ernst. Mittlerweile geht die Mehrheit der Marktteilnehmer davon aus, dass die EZB auf ihrer nächsten Sitzung am 11. Juni den Leitzins erneut anheben muss, um dem Inflationsdruck entgegenzuwirken.

Steigende Kapitalmarktzinsen sind kein abstraktes Problem – sie treffen früher oder später alle Kreditnehmer. Für Privatanleger bedeutet das: Sparer können mit höheren Zinsen rechnen, die zumindest einen Teil des Kaufkraftverlusts ausgleichen. Verbraucher, Unternehmen und der Staat hingegen müssen sich auf teurere Kredite einstellen. Besonders deutlich spürbar wird das bei den Bauzinsen, die sich stark am Kapitalmarktzins orientieren, weil sich Banken über Pfandbriefe am Anleihemarkt refinanzieren.

Stagflationsrisiko und explodierende Zinslast

Im schlimmsten Szenario sind steigende Renditen das Begleitphänomen einer Stagflation – also einer Kombination aus wirtschaftlichem Abschwung und gleichzeitig hoher Inflation. Die seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegenen Renditen deuten genau in diese Richtung: höhere Inflation auf der einen, Konjunkturgefahren auf der anderen Seite.

Mohit Kumar, Chefvolkswirt für Europa bei Jefferies, brachte es auf den Punkt: „Inflations- und Defizitsorgen waren schon eine Weile im Hintergrund. Großbritannien war wahrscheinlich der Katalysator, der diese Sorgen in den Vordergrund gerückt hat." Damit rückt auch die hohe Staatsverschuldung der Industrieländer ins Blickfeld der Märkte.

Deutschland genießt zwar noch vergleichsweise hohes Vertrauen an den Finanzmärkten, türmt seinen Schuldenberg aber ebenfalls weiter auf. Je höher die Verschuldung, desto größer das Ausfallrisiko – und desto höhere Zinsen verlangen Anleihekäufer als Ausgleich. Das Münchener ifo-Institut warnte bereits im vergangenen Herbst: Sollten Reformen bei den Staatsausgaben ausbleiben, könnten bis 2040 rund 13 Prozent des deutschen Bundeshaushalts allein für Zinszahlungen aufgewendet werden. Für das laufende Jahr könnte die Zinsquote bereits knapp acht Prozent erreichen.

DAX trotzt den Signalen – vorerst

Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich von den Krisensignalen am Anleihemarkt heute zunächst unbeeindruckt. Hoffnungen auf neue Verhandlungen im Iran-Konflikt treiben den DAX bis zum frühen Nachmittag um gut ein Prozent nach oben. Privatanleger sollten die Entwicklung an den Anleihemärkten dennoch genau im Blick behalten: Sollten sich die Märkte intensiver mit den hohen Staatsschulden auseinandersetzen, drohen weitere Verwerfungen – auch an den Aktienmärkten.

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