Broadcom vor Quartalszahlen: Allzeithoch und KI-Boom rechtfertigen den Preis?
Broadcom-Aktie klettert auf Rekordhoch von 446,77 Dollar – lohnt der Einstieg vor den Quartalszahlen am 3. Juni?

Die Aktie des Chipdesigners Broadcom (AVGO) hat am Freitag um knapp 5 % zugelegt und auf einem Allzeithoch von 446,77 Dollar geschlossen. Damit überschritt die Marktkapitalisierung des Unternehmens die Marke von 2,1 Billionen Dollar. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Am Mittwoch, den 3. Juni, legt Broadcom nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal vor.
Der Markt setzt darauf, dass der starke Schwung aus dem ersten Quartal anhält. Im ersten Geschäftsquartal 2026 (zum 1. Februar 2026) hatte Broadcom mit einem KI-Umsatz von 8,4 Milliarden Dollar die eigene Prognose übertroffen – ein Anstieg von 106 % gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz stieg um 29 % auf 19,3 Milliarden Dollar, der Umsatz mit Halbleiterlösungen kletterte um 52 % auf einen Rekordwert von 12,5 Milliarden Dollar.
Ein KI-Motor, der weiter beschleunigt
Das Herzstück von Broadcoms Wachstum sind maßgeschneiderte Chips – sogenannte Custom Accelerators – die das Unternehmen für große KI-Kunden entwickelt. Diese Chips ermöglichen es Hyperscalern wie Googles Mutterkonzern Alphabet, Meta Platforms, Anthropic und OpenAI, ihre Abhängigkeit von Nvidias Allzweckprozessoren zu reduzieren. Das KI-Umsatzwachstum beschleunigte sich dabei kontinuierlich: von 63 % im dritten Geschäftsquartal 2025 auf 74 % im vierten Quartal und schließlich auf 106 % im ersten Quartal 2026.
Für das laufende zweite Geschäftsquartal (zum 3. Mai 2026) stellt das Management einen KI-Halbleiterumsatz von 10,7 Milliarden Dollar in Aussicht – ein Wachstum von 140 % im Jahresvergleich. Noch ambitionierter ist der Ausblick auf 2027: Das Management prognostiziert KI-Umsätze allein aus Chips von über 100 Milliarden Dollar.
CEO Hock Tan unterstrich in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal die Stabilität der Kundenbeziehungen: „Unsere Fähigkeit, die Versorgung in Zeiten begrenzter Kapazitäten bei modernsten Wafern, High-Bandwidth-Memory und Substraten sicherzustellen, gewährleistet die Beständigkeit unserer Partnerschaften." Broadcom erwirtschaftete im ersten Quartal einen freien Cashflow von 8,0 Milliarden Dollar – das entspricht 41 % des Umsatzes. Der bereinigte Nettogewinn wuchs um 30 % auf 10,2 Milliarden Dollar. Im selben Zeitraum schüttete das Unternehmen 10,9 Milliarden Dollar an die Aktionäre aus und genehmigte ein neues Aktienrückkaufprogramm im Wert von 10 Milliarden Dollar.
Ein Premium-Preis für ein Premium-Unternehmen
Der Einstieg in diese Wachstumsgeschichte hat jedoch seinen Preis. Zum Börsenschluss am Freitag wurde die Broadcom-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 87 bewertet. Bereinigt man die hohen, nicht zahlungswirksamen Abschreibungen im Zusammenhang mit der VMware-Übernahme, liegt das bereinigte KGV bei etwa 61 – immer noch ein anspruchsvolles Bewertungsniveau.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseEin weiteres Risiko liegt in der Kundenkonzentration: Die fünf größten Endkunden machten im ersten Geschäftsquartal rund 50 % des Umsatzes aus, das KI-Chipgeschäft stützt sich auf lediglich sechs Hauptkunden. Dieser enge Kundenkreis ist derzeit ein starker Wachstumstreiber – kann aber schnell zur Belastung werden, sollten einzelne Kunden Preissenkungen fordern oder ihre Ausgaben drosseln.
Bei einem KGV von 87 gibt es kaum Spielraum für ein schwächeres Quartal oder Schwankungen bei den Cloud-Ausgaben. Langfristige Anleger, die an den Trend zu maßgeschneiderten Chips glauben, haben gute Gründe, die Aktie über den Bericht hinaus zu halten und bei nennenswerten Kursrücksetzern gegebenenfalls aufzustocken. Wer hingegen heute erst eine Position aufbauen möchte, für den könnte es sinnvoll sein, auf einen Rücksetzer zu warten.


