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Broadcom verfehlt Erwartungen – Aktie bricht nachbörslich ein

Schwacher Quartalsumsatz und verhaltene KI-Chip-Prognose schicken die Broadcom-Aktie um mehr als 13 Prozent ins Minus.

Broadcom verfehlt Erwartungen – Aktie bricht nachbörslich ein

Chiphersteller Broadcom hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street beim Umsatz verfehlt. Mit 22,19 Milliarden US-Dollar lag der Quartalsumsatz knapp unter der Analystenschätzung von 22,27 Milliarden Dollar. Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus: Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel mehr als 13 Prozent.

Besonders enttäuschend wirkte die Prognose für das laufende dritte Quartal. Broadcom erwartet dort einen KI-Chip-Umsatz von 16 Milliarden Dollar – leicht unter den von Analysten des Datendienstleisters Visible Alpha geschätzten 16,36 Milliarden Dollar. CEO Hock Tan hielt zudem an der langfristigen Umsatzprognose von 100 Milliarden Dollar für KI-Chips fest, ohne diese anzuheben.

„Nichts verlangsamt das, was zuvor geschätzt wurde – sie haben es nur nicht angehoben", kommentierte Ben Bajarin, CEO des Technologieberatungsunternehmens Creative Strategies, die unveränderte Langfristprognose. Der Markt hatte offenbar auf eine Anhebung gehofft.

Hohe Erwartungen als Belastung

Ryan Lee, Senior Vice President für Produkt und Strategie bei Direxion, brachte die Stimmung auf den Punkt: „Das heutige Verfehlen des Umsatzes und der anschließende nachbörsliche Rückgang zeigen, dass der Markt Perfektion verlangt, damit diese Chip-Rallye weitergeht." Broadcom steht damit exemplarisch für den Druck, dem KI-Profiteure an der Börse ausgesetzt sind.

Für das dritte Quartal prognostiziert Broadcom einen Gesamtumsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar – und liegt damit über der durchschnittlichen Analystenschätzung von 28,54 Milliarden Dollar laut LSEG-Daten. Dieser Lichtblick reichte jedoch nicht aus, um die Enttäuschung über die KI-Chip-Prognose zu kompensieren.

Positiv hervorzuheben ist das starke Wachstum im KI-Segment: Der Halbleiterumsatz aus dem Bereich KI stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 143 Prozent auf 10,8 Milliarden Dollar. Getrieben wurde dieses Wachstum durch die steigende Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Beschleunigern und KI-Netzwerken.

Wettbewerb und Lieferkette im Fokus

Broadcom steht im direkten Wettbewerb mit Nvidia, dessen Grafikprozessoren weiterhin als Branchenstandard für KI-Workloads gelten. Gleichzeitig holen Konkurrenten wie Marvell Technology auf. Ende Mai kündigte Marvell an, dass sein Geschäft mit kundenspezifischen Chips bis 2029 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Dollar erreichen soll.

Der Boom bei der sogenannten Inferenz – dem Prozess, durch den KI-Modelle auf Nutzeranfragen reagieren – macht kundenspezifische Chips für die gesamte Branche unverzichtbar. Große Cloud-Anbieter entwickeln zunehmend eigene Prozessoren, um Kosten zu senken und Workloads zu personalisieren. Broadcom profitiert davon als Lieferant für Hyperscale-Kunden wie Meta und die Google-Mutter Alphabet.

Bedenken hinsichtlich einer angespannten Lieferkette zerstreute das Management in der Ergebniskonferenz. Broadcom sei „sehr zuversichtlich", die Versorgung für 2026 und 2027 gesichert zu haben. CEO Tan ergänzte, das Unternehmen plane, im nächsten Jahr Rechenkapazitäten im Wert von 10 Gigawatt auszuliefern – für 2028 sei „viel mehr" geplant.

Analysten sehen das Kerngeschäft von Broadcom trotz der kurzfristigen Enttäuschung als robust an. Die führende Position im Markt für kundenspezifische Chips sowie die Kundenbasis bei den größten Technologiekonzernen gelten als solide Grundlage. Branchenexperten erwarten, dass Big-Tech-Unternehmen in diesem Jahr mehr als 700 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur ausgeben werden – gegenüber rund 400 Milliarden Dollar im Jahr 2025.

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