Broadcom: Kurszielerhöhung trotz Abverkauf nach starken Quartalszahlen
Broadcom übertrifft beim bereinigten EPS und EBITDA die Erwartungen, doch der Markt reagiert enttäuscht auf den KI-Ausblick.

Broadcom hat am Mittwoch nach Börsenschluss seine Zahlen für das zweite Geschäftsquartal 2026 (Ende: 3. Mai) vorgelegt. Der Umsatz belief sich auf 22,19 Milliarden US-Dollar – ein leichter Rückgang gegenüber der Konsensprognose von 22,27 Milliarden Dollar laut LSEG-Schätzungen. Auf Jahresbasis entspricht das jedoch einem beeindruckenden Wachstum von 48 Prozent.
Beim bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) übertraf Broadcom die Erwartungen deutlich: Das EPS stieg um 54 Prozent auf 2,44 Dollar und lag damit über dem Konsens von 2,40 Dollar. Auch das bereinigte EBITDA überzeugte mit einem Wachstum von 52 Prozent auf 15,24 Milliarden Dollar – der FactSet-Konsens hatte lediglich 15,06 Milliarden Dollar erwartet. Das EBITDA misst die operative Rentabilität eines Unternehmens vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.
Warum die Aktie trotzdem fiel
Trotz der soliden Zahlen gab die Broadcom-Aktie im nachbörslichen Handel nach. Der Markt hatte auf noch stärkere KI-Umsätze und einen aggressiveren Ausblick gehofft. CEO Hock Tan bekräftigte zwar das Ziel, im Geschäftsjahr 2026 einen KI-Halbleiterumsatz von 56 Milliarden Dollar zu erzielen, und bestätigte das Ziel von mindestens 100 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027 – doch das reichte dem Markt offenbar nicht aus.
Ein Teil des KI-Aktienrausches der vergangenen Monate basierte auf explosiven Gewinnberichten und stetig wachsenden Gesamtmärkten. Anleger reagierten daher schnell mit Verkäufen, als keine neuen, überraschend positiven Signale kamen. Die anhaltende Dynamik im KI-Halbleitergeschäft wurde zudem teilweise durch Schwäche im Infrastruktur-Software-Segment ausgeglichen.
Starke Kundenbasis als Fundament für die Zukunft
Analysten und Investoren sehen Broadcom dennoch als hochwertiges Halbleiter- und Softwareunternehmen, das von CEO Hock Tan mit einer klaren Strategie geführt wird. Das Unternehmen profitiert durch sein Netzwerk- und kundenspezifisches Chip-Geschäft erheblich vom KI-Boom. Hinzu kommt eine aktionärsfreundliche Kapitalallokationsstrategie mit Dividenden und Aktienrückkäufen.
Besonders ermutigend ist die Aussage des Managements, dass für das Geschäftsjahr 2028 weiteres Umsatzwachstum bei KI-Halbleitern erwartet wird – getrieben durch mehrere Initiativen mit sechs Kernkunden, darunter Alphabet (Muttergesellschaft von Google), Anthropic, OpenAI und Meta Platforms.
Milliardenschwere Vereinbarungen mit Tech-Giganten
Die konkreten Deals unterstreichen Broadcoms starke Marktposition:
Google/Alphabet:
Im April schloss Broadcom eine langfristige Vereinbarung zur Entwicklung und Lieferung mehrerer Generationen von Tensor Processing Units (TPUs) und KI-Netzwerken ab.
Anthropic:
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Zur AktienanalyseEbenfalls im April vereinbarte Broadcom die Lieferung von zusätzlichen 5 Gigawatt (GW) an TPU-basierter Rechenleistung der nächsten Generation ab 2027.
OpenAI:
Broadcom bestätigte eine vertragliche Verpflichtung zur Bereitstellung von 1,3 GW Rechenleistung im Jahr 2027 – als Teil eines größeren Deals über 10 GW bis 2029.
Meta Platforms:
Broadcom erwartet, bis Ende 2028 eine Rechenkapazität von 3 GW für Meta bereitzustellen.
Diese Vereinbarungen zeigen, dass Broadcom tief in die KI-Infrastruktur der größten Technologiekonzerne der Welt eingebettet ist. Für deutsche Privatanleger, die das Unternehmen auf dem Radar haben, ist Broadcom damit ein zentraler Profiteur des langfristigen KI-Investitionszyklus – auch wenn kurzfristige Kursschwankungen nach Quartalszahlen zur Realität gehören. Zu den direkten Wettbewerbern zählen Marvell Technology, Advanced Micro Devices (AMD) und Nvidia.


