Broadcom bricht ein: Märkte zeigen erste Sommerwolken
Der S&P 500 verpasst seinen zehnten Tagesgewinn in Folge – Broadcom, Fed-Erwartungen und Ölpreise belasten die Stimmung.

Der S&P 500 hat am Mittwoch seinen angestrebten zehnten Tagesgewinn in Folge knapp verpasst. Gleichzeitig häufen sich die Belastungsfaktoren: Ein schwacher Broadcom-Ausblick, restriktivere Fed-Erwartungen und anhaltend hohe Ölpreise trüben das Bild an den globalen Märkten.
Besonders auffällig war der Kurseinbruch bei Broadcom. Die Aktie des Chipherstellers – mittlerweile das sechstgrößte Unternehmen der Welt nach Marktkapitalisierung – verlor über Nacht mehr als 13%, nachdem das Unternehmen seine eigenen Prognosen für Absatz und Umsatz leicht verfehlt hatte. Die Reaktion verdeutlicht, wie hoch die Messlatte im KI-Boom inzwischen liegt. Analysten bringen es auf den Punkt: Der Markt verlangt nun Perfektion.
Chip-Sektor im Fokus
Die Broadcom-Schwäche steht im Kontrast zu den jüngsten Kursgewinnen anderer Chip-Designer. Die Aktien von Marvell Technology erreichten in der vergangenen Woche ein Rekordhoch, nachdem Nvidia-CEO Jensen Huang erklärt hatte, das Unternehmen werde wahrscheinlich zu einem Billionen-Dollar-Konzern aufsteigen. Der Wettbewerb innerhalb des Sektors nimmt damit spürbar zu.
Während der Technologiesektor mit erhöhter Volatilität kämpft, zeigt die US-Gesamtwirtschaft kaum Anzeichen einer Verlangsamung. Das sogenannte Beige Book der Federal Reserve – ein Bericht, der die wirtschaftlichen Bedingungen für die geldpolitischen Entscheidungsträger zusammenfasst – zeigte eine Belebung der Aktivität. Gleichzeitig bleibt der Druck durch die Energiepreise allgegenwärtig.
Die robusten Konjunkturdaten befeuern restriktive Wetten auf den nächsten Schritt der Fed. Die Futures signalisieren inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von fast 50% für eine Zinserhöhung bereits im Oktober. Untermauert wird diese Erwartung durch starke Arbeitsmarktdaten: Die ADP-Privatsektor-Beschäftigtenzahlen stiegen im Mai um 122.000 – mehr als von Analysten erwartet. Die US-Konjunkturüberraschungsindizes befinden sich auf dem positivsten Stand seit drei Jahren.
Ölmarkt und geopolitische Risiken
An der Energiefront bleibt die Lage angespannt. Die weltweiten Rohölpreise liegen rund 35% höher als vor dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten. Berichte über einen möglichen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon nährten zwar Hoffnungen auf eine umfassendere Einigung, doch die Kämpfe hielten am Donnerstag an. Die US-Rohölvorräte fielen in der Woche zum 29. Mai um 8 Millionen Barrel auf 434 Millionen Barrel – ein Rückgang, der doppelt so hoch ausfiel wie von Analysten erwartet.
Am Devisenmarkt flirtet der japanische Yen weiterhin mit der Marke von 160 pro US-Dollar. Dies geschieht trotz Warnungen aus Kreisen der Bank of Japan, dass eine Zinserhöhung in diesem Monat wahrscheinlich sei – sofern keine drastische Eskalation des Nahostkonflikts die Märkte erschüttert.
Private Equity und Krypto unter Druck
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Zur AktienanalyseAuch an den Private-Equity- und Kreditmärkten gibt es Unruhe. Der Schweizer Vermögensverwalter Partners Group sieht sich mit massiven Rücknahmeforderungen konfrontiert und begrenzt die Auszahlungen aus seinem in den USA ansässigen 16-Milliarden-Dollar-Fonds, nachdem diese das vierteljährliche Limit von 5% überschritten haben.
Bitcoin gerät derweil fast in Vergessenheit. Die Kryptowährung hat seit Mitte Mai fast 20% an Wert verloren und fiel am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit Februar. Zu Beginn des Donnerstagshandels notierten die US-Aktienindex-Futures im Minus, während Ölpreise und Staatsanleiherenditen leicht von ihren Mittwochshöchstständen zurückgingen.
Für den weiteren Wochenverlauf stehen wichtige Datenpunkte an: die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie Produktivitäts- und Kostendaten für das erste Quartal. Zudem sind Reden mehrerer Fed-Vertreter geplant, darunter Michelle Bowman, Thomas Barkin, Jeffrey Schmid und Mary Daly.


