British Steel verstaatlicht: Großbritannien sichert lebenswichtige Stahlproduktion
Die britische Regierung hat British Steel vollständig verstaatlicht, um die heimische Primärstahlproduktion und rund 2.700 Arbeitsplätze zu sichern.

Die britische Regierung hat British Steel verstaatlicht. Premierminister Sir Keir Starmer bezeichnete den Schritt als Maßnahme zum „Schutz der britischen Stahlproduktion" und erklärte: „Die heutige Entscheidung sichert die Zukunft der Stahlproduktion im Vereinigten Königreich, schützt qualifizierte Arbeitsplätze und bewahrt eine lebenswichtige nationale Kapazität." Im Mittelpunkt steht das Stahlwerk in Scunthorpe, das rund 2.700 Mitarbeiter beschäftigt und zahlreiche weitere Industriezweige im Norden von Lincolnshire stützt.
Zuvor war British Steel seit 2020 im Besitz des chinesischen Konzerns Jingye Group, der das Unternehmen ein Jahr nach dessen Zwangsliquidation unter dem vorherigen Eigentümer, der Private-Equity-Gruppe Greybull Capital, übernommen hatte. Bereits im April 2025 hatte die britische Regierung die operative Kontrolle über das Werk in Scunthorpe übernommen, nachdem Jingye die mögliche Schließung der letzten beiden verbliebenen Hochöfen angekündigt hatte. Das Unternehmen hatte erklärt, täglich Verluste in Höhe von 700.000 Britischen Pfund zu verzeichnen.
Hochöfen als strategische Schlüsselinfrastruktur
Der Erhalt der Hochöfen war für die britische Regierung aus einem entscheidenden Grund unverzichtbar: Wären die Öfen mangels Brennstoff erloschen, hätte das Vereinigte Königreich nicht mehr die Kapazität zur Herstellung von sogenanntem Primärstahl – auch „Virgin Steel" genannt – gehabt. Bei der Primärstahlerzeugung wird Eisen aus seiner ursprünglichen Quelle gewonnen, gereinigt und verarbeitet, um alle Arten von Stahl herzustellen, die bei großen Bauprojekten wie neuen Gebäuden und Eisenbahnen benötigt werden. Der Prozess des Wiederanfahrens der Hochöfen nach einem Stillstand gilt als extrem schwierig und kostspielig.
Hätte das Werk die Primärstahlproduktion eingestellt, wäre Großbritannien das einzige Mitglied der G7-Gruppe führender Wirtschaftsnationen ohne diese Fähigkeit gewesen. Die Regierung bewertet dies als erhebliches Risiko für die wirtschaftliche Sicherheit des Landes. Laut einem Bericht des nationalen Rechnungshofs (National Audit Office) vom März kostete das Stahlwerk in Scunthorpe die Regierung bereits rund 1,3 Millionen Britische Pfund pro Tag.
Gesetzliche Grundlage und politische Einordnung
Am Mittwoch verabschiedete das britische Parlament ein Gesetz – das sogenannte Stahlgesetz –, das es der Regierung ermöglicht, die Stahlindustrie unter staatliche Kontrolle zu bringen, sofern dies im öffentlichen Interesse liegt. Ein Sprecher des Ministeriums für Wirtschaft und Handel bestätigte noch am selben Tag, dass die Regierung „fest entschlossen" sei, die neuen Befugnisse im Fall von British Steel anzuwenden. „Das Stahlgesetz gibt uns die Befugnis, Stahlunternehmen zu verstaatlichen, wenn dies im öffentlichen Interesse notwendig ist, um eine Basisindustrie zu schützen, die unsere kritische nationale Infrastruktur, Wirtschaft und Verteidigung stützt", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums.
Wirtschaftsminister Peter Kyle betonte die langfristige Perspektive: „British Steel gehört nun dem britischen Volk, und unser Fokus liegt auf der Zukunft: der Stabilisierung des Unternehmens, der Unterstützung der Gemeinschaften, die von ihm abhängen, und dem Aufbau eines nachhaltigen, wettbewerbsfähigen und dekarbonisierten Stahlsektors für die kommenden Jahre." Die Regierung hatte zuvor versucht, private Investoren für die Übernahme des Stahlherstellers zu gewinnen, und sah zunächst von einer vollständigen Verstaatlichung ab.
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Zur AktienanalyseEntschädigungsstreit mit Jingye
Die chinesische Jingye Group hat nach eigenen Angaben das Verfahren zur Forderung von Entschädigungen für die Verstaatlichung eingeleitet. Die britische Regierung deutete jedoch an, Entschädigungszahlungen begrenzen oder ganz verweigern zu können. Eine Stellungnahme von Jingye war bis zur offiziellen Ankündigung am Donnerstag nicht erhältlich.
Bei der Bekanntgabe der Verstaatlichung erklärte die Regierung, eine starke heimische Stahlindustrie sei „entscheidend" für ihre Pläne zur Reindustrialisierung Großbritanniens und zur „Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten für strategisch wichtige Materialien". Premierminister Starmer fasste die Bedeutung des Schritts zusammen: „British Steel ist Teil des Fundaments unserer Nation und ein Eckpfeiler der industriellen Stärke Großbritanniens. Diese Regierung wird stets im nationalen Interesse handeln, um die britische Industrie zu unterstützen, unsere Wirtschaft zu stärken und sicherzustellen, dass die Branchen, auf die wir angewiesen sind, langfristig florieren können."


