Britisches Pfund trotzt geopolitischer Unsicherheit mit überraschender Stärke
Das GBP entwickelte sich seit März zur zweitstärksten G10-Währung gegenüber dem Dollar – trotz schwacher Fundamentaldaten.

Das britische Pfund zeigt derzeit eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit. Laut einer aktuellen Analyse der Bank of America hat sich das GBP seit Anfang März zur zweitstärksten Währung gegenüber dem US-Dollar unter den G10-Ländern entwickelt. Dies überrascht angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen Großbritannien in diesem Jahr konfrontiert ist.
Die BofA-Analysten betonen, dass die Stärke des Pfunds weniger auf fundamentale wirtschaftliche Faktoren zurückzuführen ist. Stattdessen seien günstige Verschiebungen der Terms of Trade sowie Positionierungsanpassungen die treibenden Kräfte. Der aktuelle geopolitische Schock sei globaler Natur gewesen und habe britisch-spezifische Risiken in den Hintergrund gedrängt.
Regimewechsel bei GBP/USD
Besonders auffällig ist ein struktureller Bruch im Währungspaar GBP/USD. Über mehr als 20 Jahre folgte das Paar eng dem GBP-Risiko-Sentiment-Indikator der BofA, der Risikoprämien, Devisenvolatilität, britische Laufzeitprämien und Zinsdifferenzen zwischen Großbritannien und den USA kombiniert. Seit Mitte 2024 weicht GBP/USD jedoch beharrlich von diesem Indikator ab – ein klarer Regimewechsel.
Zwei Schlüsselfaktoren stützen das Pfund laut BofA besonders. Erstens erlebte Großbritannien im G10-Vergleich eine relativ günstige Terms-of-Trade-Verschiebung, die einen Position-Squeeze auslöste. Zweitens sorgten massive Zuflüsse in den Energiesektor für Unterstützung: Energieaktien verzeichneten laut BofA-Stratege Michael Hartnett den größten Nettozufluss seit Beginn der Aufzeichnungen.
Der britische Aktienmarkt weist die drittgrößte Konzentration von Energieaktien unter den Industrieländern auf. Obwohl Großbritannien weiterhin auf Energieimporte angewiesen ist, fällt diese Abhängigkeit geringer aus als in der Eurozone, Japan oder Schweden. Das verschafft dem Pfund einen relativen Vorteil gegenüber EUR, JPY und SEK.
Risiken durch Volatilität und Kommunalwahlen
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Zur AktienanalyseDie BofA warnt jedoch vor strukturellen Risiken für das Pfund. Ein typischer Anstieg des VVIX – eines Volatilitätsindikators – um eine Standardabweichung ist mit einem täglichen Rückgang des GBP-Handelsgewichteten Index um rund 5,43 Basispunkte verbunden. Das Pfund gilt als High-Beta- und prozyklische Währung, die bei steigender Volatilität überproportional unter Druck geraten kann.
Zusätzlich rücken britische Inlandsthemen wieder in den Fokus. Die Kommunalwahlen im Mai sind weniger als zwei Monate entfernt, und die BofA glaubt, dass die Märkte eine erneute Zunahme innenpolitischer Unsicherheit unterschätzen. Der Zwei-Monats-Bereich der Devisenoptionen deckt bereits das Wahldatum ab. Die Bank empfahl ihren Kunden daher, die jüngste GBP-Erholung abzusichern – insbesondere gegenüber dem Euro – und verwies auf die aktuell günstigen Volatilitätsniveaus für entsprechende Absicherungsstrategien.


