Britisches Haushaltsdefizit im Mai steigt wegen Inflation stark
Höhere Inflation treibt Großbritanniens Kreditaufnahme im Mai auf 23,3 Milliarden Pfund – 30 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die britische Regierung hat im Mai ein Haushaltsdefizit von 23,3 Milliarden Pfund (rund 30,7 Milliarden US-Dollar) verzeichnet. Das entspricht einem Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Ökonomen hatten in einer Reuters-Umfrage lediglich mit einem nahezu unveränderten Wert von 18,5 Milliarden Pfund gerechnet – die tatsächlichen Zahlen übertrafen damit die Erwartungen aller Befragten deutlich.
Haupttreiber des überraschend hohen Defizits sind die gestiegenen Kosten für den Schuldendienst inflationsgebundener Anleihen. Großbritannien hat historisch deutlich mehr solcher indexgebundenen Anleihen begeben als andere Länder. Bei diesen Schuldtiteln sind sowohl Zinszahlungen als auch der Rückzahlungsbetrag mit einer dreimonatigen Verzögerung an die Einzelhandelspreisinflation gekoppelt, die im Mai bei 3,1 Prozent lag und zu Beginn des Jahres noch höher war.
Zinskosten explodieren – Prognosen verfehlt
Allein im Mai lagen die Zinskosten für die Staatsschulden um 54 Prozent höher als im Vorjahr. Das britische Statistikamt ONS erklärte zudem, dass diese Kosten in den Daten des nächsten Monats voraussichtlich weiter steigen werden. Das sind alarmierende Signale für die britischen Staatsfinanzen.
Betrachtet man die ersten zwei Monate des laufenden Finanzjahres insgesamt, zeigt sich ein noch deutlicheres Bild: Die Nettoneuverschuldung des öffentlichen Sektors lag bei 46,3 Milliarden Pfund – ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die staatliche Haushaltsbehörde OBR hatte für diesen Zeitraum lediglich 38,6 Milliarden Pfund prognostiziert. Im März hatte die OBR für das gesamte Finanzjahr 2026/27 ein Defizit von 115,5 Milliarden Pfund vorhergesagt, was 3,6 Prozent des Volkseinkommens entspräche – nach 4,3 Prozent im Zeitraum 2025/26.
Matt Swannell, Chefökonom des Prognoseinstituts ITEM Club, äußerte sich skeptisch zu den Aussichten: „Es bleiben erhebliche Zweifel, ob die aktuellen Pläne ausreichen werden, um die öffentliche Kreditaufnahme zu senken."
Hohe Anleiherenditen und politische Turbulenzen
Der Druck auf die britischen Staatsfinanzen zeigt sich auch am Anleihemarkt. In der vergangenen Woche bot Großbritannien Anlegern beim Verkauf 15-jähriger Staatsanleihen im Wert von 9 Milliarden Pfund die höchste Rendite seit mindestens 1998. Das verdeutlicht, wie teuer es für London geworden ist, sich frisches Kapital am Markt zu beschaffen.
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Zur AktienanalyseGleichzeitig kämpft die Regierung damit, zusätzliche Verteidigungsausgaben im Rahmen der bestehenden Haushaltsregeln und früherer Zusagen an andere Ministerien zu finanzieren. Diese Spannungen führten zuletzt dazu, dass Verteidigungsminister John Healey in der vergangenen Woche aus Protest zurücktrat.
Auf der Einnahmenseite stiegen die Steuer- und sonstigen Staatseinnahmen im bisherigen Jahresverlauf um 4,1 Prozent. Dem stehen jedoch deutlich höhere Ausgaben gegenüber: Die Kosten für Sozialleistungen einschließlich Renten legten um 7,4 Prozent zu, während die Ausgaben für öffentliche Dienstleistungen um 2,9 Prozent stiegen. Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben bleibt damit weit geöffnet – und die Spielräume für die britische Haushaltspolitik werden enger.


