ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Britischer Immobilienmarkt: Hohe Hypothekenzinsen lähmen Käufernachfrage

Drei von fünf Immobilien bleiben unverkauft – steigende Hypothekenzinsen und Preisvorstellungen der Verkäufer bremsen den britischen Markt.

Britischer Immobilienmarkt: Hohe Hypothekenzinsen lähmen Käufernachfrage

Drei von fünf Immobilien, die seit Januar 2025 in Großbritannien zum Verkauf stehen, befinden sich laut dem Immobilienportal Zoopla noch immer auf dem Markt. Hohe Hypothekenzinsen schrecken potenzielle Käufer ab, während manche Verkäufer an überhöhten Preisvorstellungen festhalten. Das Ergebnis: ein spürbar ausgebremster Immobilienmarkt im gesamten Vereinigten Königreich.

Die Zahl der abgeschlossenen Kaufverträge lag laut Zoopla um 7% unter dem Vorjahreswert. Regional zeigen sich dabei deutliche Unterschiede: In Wales sanken die Verkäufe um 12%, in den East Midlands um 11%. Im Norden Englands und in Schottland fiel der Rückgang hingegen deutlich geringer aus – dort war das Angebot an Immobilien knapper und der Anstieg der Hypothekenkosten moderater.

Zinsanstieg trifft Erstkäufer besonders hart

Ein wesentlicher Auslöser für die Marktabkühlung war ein sprunghafter Anstieg der Hypothekenzinsen im April. Finanzielle Turbulenzen infolge des US-israelischen Krieges mit dem Iran trieben die Kosten in die Höhe. Der durchschnittliche Zinssatz für zweijährige Festzinsbindungen stieg laut dem Finanzinformationsdienst Moneyfacts von 4,83% Anfang März auf einen Höchststand von 5,90% am 12. April. Seitdem ist er auf 5,54% gesunken.

Für Hauskäufer bedeutete dieser Anstieg konkret: Die monatlichen Kosten für eine typische Hypothek stiegen in der Spitze um durchschnittlich 125 Britische Pfund im Vergleich zum Januar. In London traf es Erstkäufer noch härter – dort stiegen die monatlichen Kosten in der Spitze um 232 Britische Pfund. Im Nordosten Englands hingegen betrug der Anstieg lediglich 66 Britische Pfund pro Monat.

Die Nachfrage der Käufer im gesamten Vereinigten Königreich ging im Vergleich zum Vorjahr um 15% zurück, wie der Zoopla-Bericht zeigt, der den Markt bis Ende Mai analysiert. Besonders betroffen sind Erstkäufer, die auf günstige Kreditkonditionen angewiesen sind. Laut Zoopla blieben zwei Drittel der in diesem Jahr angebotenen Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen unverkauft – genau jene Immobilien, die typischerweise von Erstkäufern nachgefragt werden. Bei Häusern mit zwei oder drei Schlafzimmern gab es bei der Verkaufsgeschwindigkeit hingegen kaum Veränderungen.

Experten sehen erste Lichtblicke

Richard Donnell, Executive Director bei Zoopla, mahnt Verkäufer zur Preisrealistik: „Das nationale Gesamtbild ist nur bedingt aussagekräftig. Verkäufer, die noch auf ein Angebot warten, müssen über den Preis sprechen. Immobilien mit marktgerechten Preisen werden verkauft, während überteuerte Objekte liegen bleiben."

Gleichzeitig verweist Donnell auf erste positive Signale: „Für Käufer sinken die Zinsen, das Angebot an zum Verkauf stehenden Immobilien ist größer als vor einem Jahr, und motivierte Verkäufer sind verhandlungsbereit. Wenn Sie umzugsbereit sind, sind die Bedingungen günstiger als noch vor drei Monaten."

Auch die Bank of England bestätigt die angespannte Lage: Die Genehmigungen für Hypotheken zum Hauskauf fielen im Mai auf ein Zweieinhalbjahrestief, da Angebote vom Markt genommen wurden und die Zinsen stiegen. Immobilienmakler berichten zudem, dass das Angebot in verschiedenen Preisklassen die Nachfrage übersteigt.

Jeremy Leaf, Immobilienmakler im Norden Londons, beschreibt die Situation aus der Praxis: „Verkäufe dauern viel länger, und es erweist sich als zunehmend schwierig, eine verbindliche Zusage zu erhalten. Die überwiegende Mehrheit der bereits vereinbarten Verkäufe wird jedoch abgewickelt, wenn auch zwangsläufig langsamer."

Mehrere Faktoren belasten den Markt

Lucian Cook, Leiter der Wohnimmobilienforschung beim Maklerunternehmen Savills, betont, dass Hypothekenzinsen nur einer von mehreren belastenden Faktoren seien. „Erstens besteht Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten. Wenn die Menschen um ihre persönlichen Finanzen besorgt sind, ist die Wahrscheinlichkeit eines Umzugs natürlich geringer", sagte er im Today-Programm der BBC.

Cook verweist zudem auf regulatorische Veränderungen im privaten Mietsektor, die dazu geführt hätten, dass mehr Vermieter Objekte auf den Markt gebracht haben – was das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zusätzlich verschoben habe. Am oberen Ende des Marktes kämen außerdem Bedenken hinsichtlich des steuerlichen Umfelds und möglicher Änderungen hinzu. Auch der Wechsel in der politischen Führung des Vereinigten Königreichs sorge für Unsicherheit unter Käufern und Verkäufern gleichermaßen.

HypothekenzinsenBritischer ImmobilienmarktZooplaImmobilienverkaufErstkäuferBank Of EnglandWohnimmobilien

Disclaimer