Britischer Arbeitsmarkt: Neueinstellungen auf Fünfjahrestief gesunken
Neue ONS-Daten zeigen sinkende Neueinstellungen und rückläufige Stellenangebote – trotz leicht gesunkener Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent.

Die Zahl der Neueinstellungen in Großbritannien ist auf den niedrigsten Stand seit fünf Jahren gefallen. Das meldet das britische Statistikamt Office for National Statistics (ONS) in aktuellen Arbeitsmarktdaten. Gleichzeitig sinkt die Zahl der offenen Stellen weiter – ein Zeichen, dass Unternehmen bei der Personalplanung zunehmend zurückhaltend agieren.
Liz McKeown, Direktorin für Wirtschaftsstatistik beim ONS, beschreibt den Arbeitsmarkt zwar als „weitgehend stabil", weist jedoch auf deutliche Schwächesignale hin. Der anhaltende Rückgang der offenen Stellen deute darauf hin, dass „Unternehmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter vorsichtiger werden", so McKeown. Zudem beobachte sie vor dem Hintergrund sinkender Stellenangebote „einige Anzeichen dafür, dass Arbeitnehmer in die Selbstständigkeit wechseln".
Die Arbeitslosenquote sank in den drei Monaten bis April leicht auf 4,9 Prozent, nach 5,0 Prozent im Zeitraum bis März. Das reguläre Lohnwachstum – ohne Bonuszahlungen – lag bei einer Jahresrate von 3,4 Prozent und blieb damit gegenüber dem Vorquartal unverändert. Die Durchschnittsverdienste steigen damit etwas schneller als die Preise, was für Arbeitnehmer real einen leichten Kaufkraftgewinn bedeutet.
Lohnwachstum im Privatsektor auf Mehrjahrestief
Trotz dieser positiven Tendenz beim Reallohn gibt es einen besorgniserregenden Teilaspekt: Das reguläre Lohnwachstum im privaten Sektor stieg mit der niedrigsten Rate seit fünfeinhalb Jahren. Dies signalisiert, dass der Druck auf Arbeitgeber, höhere Gehälter zu zahlen, merklich nachlässt – ein weiteres Indiz für eine Abkühlung des Arbeitsmarktes.
Patrick Milnes von der British Chamber of Commerce (BCC), Leiter der Abteilung für Personal- und Arbeitspolitik, bestätigt dieses Bild aus Unternehmensperspektive. „Viele Unternehmen legen bei der Personalbeschaffung eine Pause ein, da Unsicherheit in Bezug auf Kosten, globalen Gegenwind und die heimische Politik herrscht", sagte Milnes. Unternehmen kämpften weiterhin mit steigenden Arbeitskosten, was Neueinstellungen zusätzlich bremse.
Besonders betroffen ist die Jugend: Die Regierung sieht sich mit wachsender Jugendarbeitslosigkeit konfrontiert, da immer mehr Unternehmen gezielt Personal mit Berufserfahrung suchen oder Programme für Hochschulabsolventen kürzen. Dies verschärft die Lage für junge Berufseinsteiger auf dem britischen Arbeitsmarkt erheblich.
Bank of England hält Leitzins voraussichtlich bei 3,75 Prozent
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Zur AktienanalyseDie Arbeitsmarktdaten wurden gezielt vor der Zinsentscheidung der Bank of England am Donnerstag veröffentlicht. Analysten erwarten weitgehend, dass die Zentralbank ihren Leitzins bei 3,75 Prozent belassen wird. Ben Caswell, leitender Ökonom am National Institute of Economic and Social Research, sieht in den Daten eine „allmähliche Entspannung am Arbeitsmarkt".
Caswell ergänzte: „Zusammen mit den gestrigen schwächeren Inflationsdaten und der vorläufigen Einigung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus gibt dies der Bank of England das endgültige grüne Licht, heute Nachmittag für eine Beibehaltung des Zinsniveaus zu stimmen." Die Kombination aus nachlassendem Lohndruck, schwächerer Inflation und einem sich abkühlenden Arbeitsmarkt stärkt damit die Argumente für eine unveränderte Geldpolitik.
Zu beachten ist, dass die Qualität der ONS-Statistiken in den vergangenen Jahren wiederholt in der Kritik stand. Eine Überprüfung im vergangenen Jahr stellte „tief verwurzelte" Probleme bei der Behörde fest. Der Labour Force Survey, den das Amt zur Berichterstattung über Lohn- und Beschäftigungszahlen nutzt, verzeichnet zudem durchweg niedrige Rücklaufquoten – was die Aussagekraft der Daten einschränken kann.


