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Britische Vermögenssteuer: Warum Streetings Pläne kompliziert werden

Labour-Politiker Wes Streeting fordert eine Angleichung von Kapitalertrag- und Einkommensteuer – doch die Umsetzung birgt erhebliche Hürden.

Britische Vermögenssteuer: Warum Streetings Pläne kompliziert werden

Wes Streeting, ehemaliger britischer Gesundheitsminister und potenzieller Anwärter auf den Labour-Parteivorsitz, hat eine sogenannte „Vermögenssteuer" versprochen. Gegenüber der BBC erklärte er: „Wir brauchen eine Vermögenssteuer, die funktioniert. Ein Pfund, das man allein durch den Besitz von Vermögenswerten verdient, sollte nicht niedriger besteuert werden als ein Pfund, das man durch harte Arbeit verdient." Doch was Streeting vorschlägt, ist streng genommen keine klassische Vermögenssteuer.

Tatsächlich plant Streeting eine Angleichung der Kapitalertragsteuer (CGT) an die höheren Sätze der Einkommensteuer. Derzeit zahlen britische Steuerzahler mit höheren und zusätzlichen Steuersätzen Grenzsteuersätze von 40 % oder 45 % auf ihr Einkommen – auf Kapitalerträge über 3.000 Pfund (rund 4.000 US-Dollar) pro Jahr hingegen lediglich 24 %. Auf Gewinne aus sogenanntem Carried Interest fallen 32 % an. Selbstgenutztes Wohneigentum ist von der Kapitalertragsteuer ausgenommen.

Streeting beruft sich auf Berechnungen des Centre for the Analysis of Taxation, einer Mitte-Links-Denkfabrik, wonach eine Angleichung der Steuersätze dem britischen Finanzministerium jährlich zusätzliche 12 Milliarden Pfund einbringen würde. Experten halten diese Schätzung jedoch für optimistisch: Die Kapitalertragsteuer lässt sich vergleichsweise leicht umgehen, indem Vermögenswerte schlicht nicht verkauft werden. Zudem erlischt jede Steuerschuld beim Tod des Eigentümers – wenngleich dann die britische Erbschaftsteuer von 40 % greift.

Historischer Präzedenzfall und neue Risiken

Die Idee ist nicht neu. Bereits 2018 sprach sich Finanzministerin Rachel Reeves in einer Broschüre für eine solche Angleichung aus. Und es gibt einen historischen Präzedenzfall: Nigel Lawson, einer der einflussreichsten britischen Reformfinanzminister, glich 1988 die Sätze für Einkommensteuer und Kapitalertragsteuer an. Er argumentierte, dies schaffe „mehr Neutralität im Steuersystem".

Der entscheidende Unterschied zu heute liegt jedoch im aktuellen Niveau des Spitzensteuersatzes. Ein Kapitalertragsteuersatz von 40 bis 45 % wäre der höchste in ganz Europa. Kritiker warnen, dies würde noch mehr Wohlstandsschöpfer aus Großbritannien vertreiben – ein Prozess, der laut Beobachtern bereits im Oktober 2024 begann, als Reeves die britische Steuerbefreiung für Offshore-Trusts abschaffte.

Hinzu kommt ein grundsätzliches Argument: Die Kapitalertragsteuer ist historisch niedriger als die Einkommensteuer, weil ein Teil jedes Kapitalgewinns auf Inflation zurückzuführen ist. Verschiedene Finanzminister haben daher im Laufe der Jahre Erleichterungen und Freibeträge eingeführt, um sicherzustellen, dass nur „reale" Gewinne besteuert werden. Außerdem wird argumentiert, dass niedrigere Kapitalertragsteuern Risikobereitschaft belohnen – etwa die Gründung eines Unternehmens oder die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Direkte Vermögenssteuer: Europas Erfahrungen mahnen zur Vorsicht

Neben der CGT-Debatte fordern viele Labour-Mitglieder eine direkte Vermögenssteuer auf Sachwerte. Dabei zeigt der Blick nach Europa, wie schwierig solche Abgaben in der Praxis sind: Die meisten europäischen Länder haben Vermögenssteuern in den vergangenen Jahren abgeschafft oder – wie Frankreich – deren Umfang massiv reduziert. Solche Steuern bringen selten so viel ein wie erhofft.

Die britische Regierung hat Wohlhabende bereits auf mehreren Wegen stärker belastet: durch die Erhöhung des Kapitalertragsteuersatzes auf Carried Interest, Maßnahmen gegen Offshore-Trusts sowie Erhöhungen der Dividendenbesteuerung. Zudem droht ab April 2028 eine sogenannte „Mansion Tax" auf Immobilien im Wert von mehr als 2 Millionen Pfund. Das Vereinigte Königreich verfügt bereits über einige der höchsten Erbschaftsteuern in Europa.

Die praktischen Hürden einer direkten Vermögenssteuer sind erheblich: Die regelmäßige Bewertung von Privatunternehmen, Rentenansprüchen und Immobilien ist komplex und kostspielig. Den britischen Steuerbehörden fehlt derzeit die nötige Infrastruktur. Labours ehemaliger Finanzminister Denis Healey brachte es in seinen Memoiren von 1989 treffend auf den Punkt: „Wir hatten uns zu einer Vermögenssteuer verpflichtet, aber in fünf Jahren fand ich es unmöglich, eine zu entwerfen."

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