Britische Regierung übernimmt Kontrolle bei British Steel
Hochöfen in Scunthorpe sollen trotz Konflikt mit China weiterlaufen

Die britische Regierung hat sich zuversichtlich gezeigt, ausreichend Rohstoffe zur Verfügung zu haben, um den Betrieb der Hochöfen bei British Steel in Scunthorpe aufrechtzuerhalten. Nachdem die Kontrolle über das Unternehmen von den chinesischen Eigentümern übernommen worden war, erklärten Minister, dass der Weiterbetrieb der letzten Anlage zur Herstellung von Primärstahl im Vereinigten Königreich gesichert werden solle. Die chinesische Jingye Group, Eigentümerin von British Steel, hatte zuvor staatliche Unterstützung abgelehnt und plante daraufhin die Stilllegung der Hochöfen, was zu einer verstärkten Abhängigkeit Großbritanniens von Stahlimporten geführt hätte.
Die Regierung berief das Parlament am Wochenende zu einer Sondersitzung ein, um sich die Befugnisse zu sichern, die Unternehmensleitung sowie die Belegschaft anzuweisen und den Einkauf von Rohmaterialien zu veranlassen. Dies war das erste Mal seit dem Falklandkrieg im Jahr 1982, dass das britische Parlament an einem Samstag zusammenkam. Laut Finanzminister James Murray befanden sich zum Zeitpunkt der Intervention ausreichend Rohstoffe im Land. Er erklärte, dass ohne die am Samstag ergriffenen Maßnahmen die Hochöfen bereits geschlossen worden wären.
Die Hochöfen in Scunthorpe verursachen derzeit tägliche Verluste in Höhe von 700.000 Pfund. Ihre Produktion ist entscheidend für den britischen Schienenverkehr, den Bau und die Automobilindustrie. Der Wegfall der Anlage würde das Vereinigte Königreich in Zeiten geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte vollständig von Stahlimporten abhängig machen. Die Regierung bezeichnete die Stahlproduktion als Frage der nationalen Sicherheit.
Die Entscheidung, in die Kontrolle von British Steel einzugreifen, betrifft direkt 3.500 Beschäftigte sowie zahlreiche weitere Arbeitsplätze in der Zulieferkette. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds äußerte am Sonntag, dass chinesische Unternehmen im britischen Stahlsektor künftig nicht mehr willkommen seien. China wiederum forderte Großbritannien auf, seine Unternehmen fair zu behandeln und wirtschaftliche Fragen nicht zu politisieren. Die chinesische Regierung sprach sich für eine Lösung im gegenseitigen Einvernehmen aus.
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Zur AktienanalyseBritish Steel war bereits vor dem starken Anstieg der Energiekosten mit Schwierigkeiten auf einem überversorgten Weltmarkt konfrontiert. Zusätzlichen Druck erzeugten neue US-Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahlimporte, die im März in Kraft traten. Die Gewerkschaft Community sowie der Branchenverband UK Steel begrüßten die staatliche Intervention. Sollte keine alternative Lösung gefunden werden, erwägt die britische Regierung eine Verstaatlichung der Anlage.


