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Britische Kraftstoffpreise sinken erstmals nach wochenlangen Rekordanstiegen

Nach sechs Wochen kontinuierlicher Preissteigerungen infolge des Nahost-Konflikts geben Benzin- und Dieselpreise in Großbritannien leicht nach.

Britische Kraftstoffpreise sinken erstmals nach wochenlangen Rekordanstiegen

Die Kraftstoffpreise an britischen Tankstellen sind zum ersten Mal seit Beginn des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran leicht gesunken. Laut dem Automobilclub RAC begann der Rückgang am Donnerstag und setzte sich am Freitag fort. Damit endet eine 43-tägige Phase kontinuierlicher Preissteigerungen.

Der Rückgang fiel bislang moderat aus: Diesel verbilligte sich in den vergangenen zwei Tagen um 0,6 Pence pro Liter, Benzin um 0,3 Pence. Diesel liegt nun knapp unter 191 Pence pro Liter, Benzin knapp unter 158 Pence pro Liter. Trotz dieser ersten Entlastung bleibt eine Tankfüllung Diesel noch immer rund 26 Britische Pfund teurer als Ende Februar – bei Benzin sind es fast 14 Britische Pfund mehr.

Der RAC zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass weitere Preissenkungen folgen werden. „Wir sind zuversichtlich, dass es in den kommenden Tagen zu weiteren Senkungen von mehreren Pence pro Liter kommen wird", sagte Simon Williams, Leiter der Abteilung Politik beim RAC. „Nach Rekordpreissteigerungen werden die Autofahrer erleichtert sein, dass die Preise endlich wieder in die andere Richtung tendieren."

Ursache: Straße von Hormus und explodierender Ölpreis

Die Preissteigerungen der vergangenen sechs Wochen wurden durch einen steilen Anstieg des Rohölpreises ausgelöst. Auslöser war die faktische Schließung der Straße von Hormus – eines schmalen Seekorridors, der den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet. Die Region liefert üblicherweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölangebots, doch die Lieferungen waren seit sechs Wochen blockiert.

Vor Ausbruch des Konflikts notierte die Rohölsorte Brent bei knapp unter 70 US-Dollar pro Barrel. In der Folge stieg der Preis rasch an, kletterte Mitte März über die Marke von 100 US-Dollar und erreichte einen Höchststand von knapp über 119 US-Dollar. Seit der Ankündigung eines vorübergehenden Waffenstillstands Anfang April sind die Ölpreise jedoch wieder unter 100 US-Dollar gefallen. Automobilverbände erklären, dass eine Bewegung der Ölkosten um 10 US-Dollar in der Regel eine Preisänderung von rund 7 Pence an den Tankstellen auslöst.

Die Anstiege der letzten sechs Wochen trieben die durchschnittlichen Kosten für Diesel von 142 Pence pro Liter auf fast 192 Pence – ein Anstieg von rund 35 Prozent. Bei Benzin kletterte der Preis von 133 Pence auf über 158 Pence pro Liter. Dennoch bleiben die aktuellen Kraftstoffpreise unter den Rekordwerten vom Sommer 2022, als nach der russischen Invasion in der Ukraine Benzin 191,5 Pence und Diesel 199 Pence pro Liter erreichte.

Belastung für Haushalte und Geringverdiener

Die gestiegenen Kraftstoffkosten – zusammen mit höheren Preisen für Heizöl – sind zu einer ernsthaften Sorge für viele Britinnen und Briten geworden. Nach Angaben des Office for National Statistics stieg der Anteil der Menschen, die Kraftstoffpreise als Grund für gestiegene Lebenshaltungskosten nannten, im März auf 75 Prozent, gegenüber 38 Prozent im Februar.

Aman Navani, Senior Research and Policy Analyst bei der Work Foundation der Lancaster University, sieht darin ein Zeichen einer „wachsenden Angst der Haushalte vor globalen wirtschaftlichen Schocks". Er betonte: „Der Anstieg der Kraftstoffpreise fällt in eine Zeit, in der das Nominallohnwachstum stark zurückgegangen ist und die Beschäftigten im Privatsektor nur geringfügige Reallohnerhöhungen verzeichnet haben. Geringverdiener und Beschäftigte in prekären Arbeitsverhältnissen haben kaum Puffer gegen steigende Kosten, da die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten das Vereinigte Königreich treffen."

Für deutsche Verbraucher und Anleger ist die Entwicklung in Großbritannien ein wichtiger Indikator: Auch hierzulande reagieren die Kraftstoffpreise sensibel auf geopolitische Spannungen und Schwankungen am Rohölmarkt. Die Entspannung am Golf könnte sich mittelfristig auch auf die europäischen Energiepreise auswirken.

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