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Britische Inflation verharrt im Mai überraschend bei 2,8 Prozent

Ökonomen hatten einen Anstieg auf 3,0% erwartet – die Bank of England entscheidet am Donnerstag über ihren Leitzins.

Britische Inflation verharrt im Mai überraschend bei 2,8 Prozent

Die britische Inflation ist im Mai überraschend stabil geblieben. Die Teuerungsrate verharrte bei 2,8% und damit unverändert auf dem 13-Monats-Tief, das bereits im April erreicht worden war. Das zeigen offizielle Daten, die am Mittwoch veröffentlicht wurden – einen Tag vor der nächsten Zinsentscheidung der Bank of England (BoE).

Das Ergebnis überraschte Analysten deutlich. Von Reuters befragte Ökonomen hatten für Mai einen Anstieg auf 3,0% prognostiziert. Das Pfund Sterling gab nach Veröffentlichung der Daten leicht nach.

Konflikt zwischen USA und Iran belastet britische Inflation

Ein wesentlicher Treiber der erhöhten Inflation in Großbritannien ist der Krieg zwischen den USA und dem Iran. Dieser hält die britische Teuerungsrate nach Einschätzung von Ökonomen fast einen Prozentpunkt höher, als die BoE noch im Januar vorhergesagt hatte. Großbritannien ist dabei besonders stark betroffen, da das Land in hohem Maße von Erdgasimporten abhängig ist – stärker als die meisten anderen westlichen Länder.

Die Finanzmärkte zeigten sich zuletzt jedoch beruhigt. Ein scheinbares Abkommen zwischen den USA und dem Iran verspricht die Wiedereröffnung der Straße von Hormus, einem wichtigen Korridor für Ölexporte. Die Vereinbarung soll am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden.

Die Inflation lag in den vergangenen fünf Jahren zumeist über dem Zielwert der BoE von 2%. Im April warnte die Zentralbank, dass die Teuerungsrate bis zum Jahresende voraussichtlich auf über 3,5% steigen könnte. Im ungünstigsten von drei Szenarien könnte die Inflation Anfang nächsten Jahres sogar die Marke von 6% überschreiten.

Bank of England vor Zinsentscheidung – Leitzins wohl stabil

Von Reuters befragte Ökonomen erwarten, dass der geldpolitische Ausschuss der BoE am Donnerstag mit 7 zu 2 Stimmen dafür votieren wird, den Leitzins unverändert bei 3,75% zu belassen. Gouverneur Andrew Bailey betont, dass die BoE Zeit habe, um die Auswirkungen des Konflikts zu bewerten.

Dennoch gibt es innerhalb der Zentralbank Bedenken. Einige Währungshüter sorgen sich, dass Unternehmen die aktuelle Situation nutzen könnten, um Preise auf breiterer Front anzuheben. Zudem besteht die Gefahr, dass das Vertrauen der Haushalte in das Inflationsziel der BoE untergraben werden könnte.

Kerninflation und Dienstleistungspreise im Blick

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Dienstleistungspreisen, die die BoE als wichtigen Indikator für den zugrunde liegenden Preisdruck betrachtet. Diese stiegen im Mai auf 3,7%, nach 3,2% im April – ein Anstieg, der den Prognosen der Ökonomen entsprach.

Die Kerninflation, welche die Preise für Lebensmittel, Energie, Alkohol und Tabak ausschließt, stieg etwas weniger stark als erwartet: von 2,5% auf 2,6%. Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung in Großbritannien relevant, da sie Hinweise auf die allgemeine Inflationsdynamik in westlichen Volkswirtschaften liefert und Rückschlüsse auf das Vorgehen anderer Zentralbanken, darunter die Europäische Zentralbank, ermöglicht.

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