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Britische Gilt-Renditen fallen auf Tiefstwert seit April

Sinkende Ölpreise und nachlassende Zinserhöhungserwartungen drücken britische Staatsanleiherenditen auf den niedrigsten Stand seit dem 17. April.

Britische Gilt-Renditen fallen auf Tiefstwert seit April

Die Renditen britischer Staatsanleihen – sogenannter Gilts – sind am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit dem 17. April gefallen. Anleger schraubten ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der Bank of England (BoE) spürbar zurück, was die Kurse der Anleihen nach oben und die Renditen entsprechend nach unten trieb.

Besonders deutlich war die Bewegung bei kurzlaufenden Papieren: Die Renditen zweijähriger Gilts sanken um 4 Basispunkte auf 4,103 Prozent (Stand: 14:07 Uhr GMT). Fünfjährige Anleihen gaben um knapp 2 Basispunkte auf 4,238 Prozent nach. Die Renditen zehnjähriger Gilts verharrten derweil nahe dem am Mittwoch erreichten Dreimonatstief von 4,6755 Prozent.

Ölpreise entlasten Inflationserwartungen

Als wesentlicher Treiber der Bewegung gelten die zuletzt gesunkenen Energiepreise. Des Cooney, Finanzberater und Spezialist für Altersvorsorgeplanung bei Axis Financial Consultants, ordnet die Entwicklung wie folgt ein: „Die heutigen Bewegungen bei US-amerikanischen und britischen Anleihen zeigen, dass die Märkte weiterhin zwischen zwei Kräften hin- und hergerissen sind: dem nachlassenden Druck durch die Energiepreise auf der einen Seite und der Unsicherheit über die Inflation und die Zentralbankpolitik auf der anderen."

Cooney ergänzt: „Niedrigere Ölpreise haben den unmittelbaren Druck von den Inflationserwartungen genommen, was insbesondere den Gilts zugutegekommen ist, aber die Anleger sind noch nicht bereit, Entwarnung zu geben." Diese Einschätzung verdeutlicht, dass trotz der positiven Kursbewegungen eine grundlegende Unsicherheit am Markt bestehen bleibt.

Zinserhöhung erst für März 2027 vollständig eingepreist

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Markterwartungen zur künftigen Geldpolitik der Bank of England. Die Finanzmärkte preisen eine Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt derzeit erst für März 2027 vollständig ein. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt bis Dezember 2026 liegt laut Marktdaten bei etwa 80 Prozent. Dies signalisiert, dass Investoren mit einer längeren Phase ohne weitere Straffung der Geldpolitik rechnen.

Die Entwicklung der kurzlaufenden Gilt-Renditen verlief dabei im Einklang mit den Bewegungen bei US-amerikanischen und deutschen Staatsanleihen – ein Zeichen dafür, dass es sich um ein globales Phänomen handelt und nicht um eine rein britische Marktbewegung. Länger laufende Gilts schnitten im Vergleich zu ihren internationalen Pendants allerdings etwas schwächer ab und lagen 2 bis 3 Basispunkte hinter vergleichbaren Papieren aus anderen Ländern zurück.

Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung am britischen Anleihemarkt relevant, da sie Rückschlüsse auf die allgemeine Stimmung an den globalen Zinsmärkten zulässt. Sinkende Renditen in Großbritannien und den USA deuten darauf hin, dass die Erwartung einer baldigen geldpolitischen Lockerung – oder zumindest einer Zinspause – international an Fahrt gewinnt. Dies kann sich mittelbar auch auf die Kursentwicklung europäischer Anleihen und Aktien auswirken.

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