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Britische Banken kritisieren Bank of England wegen Kapitalvergleich mit Wall Street

Großbritanniens größte Kreditinstitute werfen der BoE vor, einen fehlerhaften Vergleich der Eigenkapitalanforderungen mit US-Banken veröffentlicht zu haben.

Britische Banken kritisieren Bank of England wegen Kapitalvergleich mit Wall Street

Großbritanniens führende Banken gehen auf Konfrontationskurs mit der Bank of England (BoE). Sie werfen der Zentralbank vor, einen fehlerhaften Vergleich der britischen und US-amerikanischen Eigenkapitalanforderungen veröffentlicht zu haben – und dabei einen wachsenden Wettbewerbsvorteil der Wall Street zu ignorieren, der sich durch massive digitale Investitionen ergibt.

Im Kern des Streits steht die sogenannte harte Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1, CET1). Diese Kennzahl misst, wie viel verlustabsorbierendes Kapital Banken im Verhältnis zu ihren risikogewichteten Aktiva vorhalten müssen. Da Großbritannien und die USA unterschiedliche Berechnungsregeln anwenden, ist ein direkter Vergleich schwierig – und genau hier liegt der Zündstoff.

Die BoE hatte im Dezember erklärt, die Eigenkapitalanforderungen für große britische Banken seien niedriger als die ihrer US-Pendants – selbst nach Bereinigung um regionale Unterschiede. Damit rechtfertigte sie ihre Entscheidung, die wichtigsten Beschränkungen für den Sektor nur geringfügig zu lockern.

Gegenstudie der britischen Banken kommt zu anderem Ergebnis

Mehrere große britische Banken haben nun eine eigene, unveröffentlichte Gegenstudie in Auftrag gegeben. Diese kommt zu einem deutlich anderen Schluss: Die Eigenkapitalanforderungen britischer Banken lägen auf vergleichbarer Basis bereits höher als die ihrer US-Rivalen. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die unterschiedliche Behandlung von Software-Investitionen durch die Aufsichtsbehörden.

Konkret ergab die Studie, dass die größten internationalen britischen Banken – HSBC, Standard Chartered und Barclays – durchschnittliche Eigenkapitalanforderungen von 11,8 Prozent aufweisen. Dem gegenüber stehen 10,6 Prozent für die sechs größten US-Banken wie JPMorgan Chase, Citigroup und Goldman Sachs. Nach Bereinigung um transatlantische Unterschiede, insbesondere bei der Behandlung von Software-Vermögenswerten, liegen die äquivalenten Anforderungen der britischen Banken laut Studie um 1,3 Prozentpunkte höher als die ihrer US-Konkurrenten.

Unter Berücksichtigung der geplanten US-Regulierungslockerung unter Präsident Donald Trump dürfte sich diese Lücke sogar auf 1,9 Prozentpunkte ausweiten. Das entspricht laut der Studie rund 22,5 Milliarden Britischen Pfund an CET1-Kapital – oder einer zusätzlichen Kreditkapazität von 750 Milliarden Britischen Pfund.

Software-Abzüge als entscheidender Wettbewerbsnachteil

Der Kern des Problems liegt in der regulatorischen Behandlung von Software-Investitionen. Britische Banken müssen Software-Vermögenswerte vollständig vom regulatorischen Kapital abziehen. US-Banken hingegen versehen solche Vermögenswerte lediglich mit einem Risikogewicht, was deutlich weniger Kapital bindet. EU-Banken dürfen Software-Vermögenswerte immerhin über einen längeren Zeitraum vom Kapital abziehen – eine günstigere Regelung als die britische.

Der Branchenverband UK Finance beziffert den Effekt: Software-Abzüge verringerten das Kapitalniveau der großen britischen Banken im Jahr 2024 um etwa 5,5 Milliarden Britische Pfund – ein Anstieg von rund 4 Prozent gegenüber dem Stand vor einem Jahrzehnt. UK Finance hatte bereits im vergangenen Jahr argumentiert, eine Angleichung dieser Regel an andere Rechtsordnungen würde „weitere Investitionen in die Entwicklung von Software zur laufenden Nutzung durch britische Banken fördern".

Die Prudential Regulation Authority (PRA) der BoE zeigt sich bislang jedoch wenig kompromissbereit. Sie begründet ihre Haltung damit, dass Software-Vermögenswerte in einer Krise keinen Wert zur Verlustabsorption hätten. „Als die PRA die Entscheidung traf, an der Anforderung zum vollständigen Kapitalabzug von Software-Vermögenswerten festzuhalten, stützte sie sich auf Erkenntnisse – auch von Unternehmen –, wonach der realisierbare oder erzielbare Wert von Software-Vermögenswerten Verluste bei einer Liquidation oder in Stresssituationen nicht effektiv absorbieren könne", erklärte die BoE Anfang Juli. „Sie hat keine Erkenntnisse erhalten, die sie zu einer Änderung dieser Einschätzung veranlassen würden."

Politischer Druck auf die neue britische Regierung

Die Lobby-Offensive der britischen Banken richtet sich auch an die neue britische Regierung unter Premierminister Andy Burnham und Schatzkanzler John Healey. Das Argument: Eine Lockerung der nach dem Finanzcrash von 2008 eingeführten Beschränkungen würde das Wirtschaftswachstum und IT-Investitionen ankurbeln.

Zusätzliche Hoffnung setzen die Banken in den Amtsantritt der ehemaligen Barclays-Managerin Katharine Braddick als oberste britische Bankenaufseherin zu Beginn dieses Monats. Die Branche erhofft sich, dass ihre Erfahrung aus dem Bankensektor den eigenen Argumenten mehr Gehör verschafft. Ob die neue Aufseherin die festgefahrene Position der PRA aufweichen wird, bleibt abzuwarten – der Druck aus der City of London wächst jedenfalls spürbar.

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